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VII
1 Meine Kinder, „ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, der doch reich war, um unsertwillen arm wurde, damit wir durch seine Armut reich werden.“1 2 Seht, seine Gebundenheit hat uns frei gemacht und seine Schwachheit hat uns gestärkt und seine Torheit hat uns weise gemacht. 3 Außerdem hat er durch seinen Tod unsere Auferstehung möglich gemacht, so dass wir unsere Stimme erheben und sagen können: „Auch wenn wir Christus nach dem Fleisch gekannt haben, kennen wir ihn jetzt auf diese Weise nicht mehr, denn in Christus ist jeder eine neue Kreatur.“2 4 Wahrlich, meine Geliebten im Herrn, ich erzähle euch das in Bezug auf die Einzelheiten vom Wort der Freiheit, das uns frei machte. Ich hätte euch noch mehr zu sagen, aber es ist jetzt nicht an der Zeit, euch das alles zu erzählen. 5 Ich grüße euch nun alle, meine geliebten Kinder im Herrn, heilige israelitische Kinder in eurem intellektuellen Wesen. 6 Wahrlich, da ihr euren Schöpfer nahe gekommen seid, wäre es eure Pflicht, dass Heil eurer Seelen durch das eingepflanzte Gesetz des Bundes zu suchen. 7 Aber durch das Übermaß der Gottlosigkeit und der Hinaufbeschwörung des Schlechten und der Begierde der Leidenschaften, trocknete das eingepflanzte Gesetz des Bundes aus und die Sinne unserer Seele gingen zugrunde, 8 und deshalb können wir das ruhmreiche intellektuelle Wesen nicht empfangen aufgrund des Todes, in den wir gefallen sind. 9 Deshalb wurde in den Heiligen Schriften geschrieben: „So wie in Adam alle sterben, so sollen in Christus alle lebendig gemacht werden.“3 10 Deshalb nun ist er das Leben eines jeden rationalen Geschöpfes, das von ihm nach der Ähnlichkeit seines eigenen Ebenbildes geschaffen worden ist; er, der selbst der wahre Verstand des Vaters und das unveränderliche Ebenbild seines Vaters ist.4 11 Aber die Geschöpfe, die nach seinem Ebenbilde gemacht sind, sind von veränderlichem Wesen; denn Schlechtes ist über uns gekommen, worin wir alle gestorben sind, weil es ja unserem intellektuellen Wesen fremd ist. 12 Deshalb haben wir uns aus allem, was der Natur fremd ist, ein Haus gemacht, das dunkel ist und voller Krieg. 13 Und dies bezeuge ich euch, dass wir jegliches Wissen um die Tugend verloren haben. 14 Aber Gott, unser Vater, sah unsere Schwachheit, dass wir unfähig waren, uns richtig in der Wahrheit zu kleiden. 15 Deshalb kam er in seiner Güte, um seine Geschöpfe durch den Dienst der Heiligen zu besuchen.
16 Geliebte, ich bitte euch alle im Herrn, dass ihr versteht, was ich euch schreibe; denn es ist keine körperliche Liebe, die ich zu euch habe, sondern eine geistige, religiöse Liebe. 17 Bereitet euch vor, zu eurem Schöpfer zu gehen und „zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider“,5 18 und fragt euch, was wir „dem Herrn geben für all die Wohltaten, die er uns erwiesen hat“,6 der uns auch hier in unserer Wohnung und Erniedrigung 19 an seine große Güte und seiner unendlichen Liebe erinnert hat und „uns nicht nach unseren Sünden bemessen hat“;7 20 der auch die Sonne gemacht hat, dass sie uns in unserer dunklen Heimstätte diene und den Mond und all die Sterne als unsere Diener ernannt hat, und er hat bestimmt, dass sie der Vergänglichkeit unterworfen sind, so dass sie vergehen werden,8 jedoch zur Stärkung unserer Körper. 21 Und es gibt auch noch andere Kräfte, verborgene Kräfte, die er uns zu Dienern gemacht hat, Kräfte, die wir nicht mit dem körperlichen Auge sehen können.
22 Deshalb nun, was werden wir ihm am Tag des Gerichts antworten, oder was Gutes fehlt für uns von ihm, dass er nicht für uns getan hat? 23 Haben nicht die Patriarchen für uns gelitten oder uns die Priester nicht gelehrt oder die Richter und Könige für uns gekämpft? Sind nicht die Propheten für uns gestorben? 24 Oder wurden nicht die Apostel für uns verfolgt? Oder starb nicht sein geliebter Sohn für uns alle? 25 Und nun sollten wir uns vorbereiten, zu unserem Schöpfer in Heiligkeit zu gehen. 26 Denn der Schöpfer sah, dass seine Geschöpfe – selbst die Heiligen – nicht fähig waren, die große Wunde ihrer eigenen Glieder zu heilen. 27 Folglich weiß er, der der Vater der Geschöpfe ist, um die Schwachheit von all ihren Verstand, 28 und er verschonte seinen einziggeborenen Sohn nicht, um uns alle zu erretten, sondern er lieferte ihn aus wegen unserer Sünden.9 29 Und unsere Schandtaten erniedrigten ihn, und durch seine Striemen wurden wir alle geheilt.10 30 Und er versammelte uns aus allen Ländern durch das Wort seiner Kraft, bis er eine Auferstehung unseres Verstandes von der Erde gemacht hat und uns gelehrt hat, dass wir untereinander Glieder sind.11
31 Deswegen ist es unser aller Pflicht, dass wir uns unserem Schöpfer nähern, indem wir unseren Verstand und unsere Sinne üben, 32 die Unterscheidung zwischen Gut und Böse zu verstehen und die ganze göttliche Fügung von Jesus zu kennen, die er mit seiner Ankunft gemacht hat; wie er in allen Dingen uns ähnlich geworden ist, nur die Sünde ausgenommen.12 33 Aber auf Grund unserer großen Gottlosigkeit und Hinaufbeschwörung des Schlechten und das Schmerzliche unserer Unbeständigkeit 34 wurde für die einen die Ankunft von Jesus eine Torheit und für die anderen ein Stolperstein; aber für andere ein Gewinn und wiederum für andere Weisheit und Kraft und wiederum für andere Auferstehung und Leben.13 35 Macht euch aber dies klar, dass seine Ankunft zum Gericht für die ganze Welt gemacht worden ist. 36 Denn es heißt: „Siehe, der Tag kommt, sagt der Herr, und sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten; und niemand wird mehr seinen Nachbarn oder Bruder belehren, indem er sagt: ‚Erkenne den Herrn!’ Und ich werde es machen, dass mein Name bis an den Enden der Erde gehört wird: 37 dass jeder Mund gestopft wird und die ganze Welt unter das Gericht von Gott gebracht wird, weil sie Gott kannten, aber ihn nicht als ihren Schöpfer verherrlicht haben“,14 wegen ihrer Dummheit, die sie unfähig machte, seine Weisheit zu ergreifen. 38 So hat sich jeder von uns an seinem eigenen Willen für das Böse verkauft und sich selbst versklavt.
39 Deshalb also entledigte sich Jesus seiner Ehre und nahm Knechtsgestalt an,15 damit seine Gebundenheit uns frei machen sollte. 40 Aber wir wurden töricht und unsere Torheit verursachte jede Art von Übel. Und weiterhin nahm er die Gestalt der Torheit an, damit wir durch seine Torheit weise gemacht würden. 41 Und wir wurden arm, und in unserer Armut fehlte es jeglicher Tugend. Deshalb nahm er auch die Gestalt der Armut an, damit er uns durch seine Armut reich machen würde in jeglicher Weisheit und Verstehen.16 42 Nicht nur das, sondern er nahm auch die Gestalt der Schwachheit an, damit wir durch seine Schwachheit stark gemacht würden. 43 Und er wurde seinem Vater in allem gehorsam bis in den Tod, selbst dem Tod durch das Kreuz,17 44 damit er durch seinen Tod die Auferstehung von uns allen bewirke und damit er den zerstöre, der die Macht des Todes hat, das ist der Teufel.18 45 Und wenn wir auch tatsächlich durch seine Ankunft freigesetzt sind, werden wir als Schüler von Jesus befunden werden und in ihm das göttliche Miterbe empfangen.
46 Wahrlich, meine Geliebten im Herrn, ich bin sehr verwirrt und gequält in meinem Geist; denn wir tragen den Habit und haben die Namen von den Heiligen19 und prahlen deswegen vor den Ungläubigen. 47 Und ich fürchte, dass das Wort des Paulus an uns in Erfüllung geht, das da heißt: „Die Gestalt von Göttlichkeit haben [sie], aber deren Kraft verleugnen [sie].“20 48 Und aus der Liebe heraus, die ich zu euch habe, bete ich zu Gott für euch, dass ihr über euer eigenes Leben nachdenkt, und Ungesehenes ererbt. 49 Wahrlich, meine Kinder, obwohl wir alles daransetzen sollten Gott zu suchen, was für einen Dank verdienen wir? Denn wir suchen ja nur unseren eigenen Lohn; wir suchen ja nur das, was unserem Wesen naturgemäß entspricht. 50 Denn jeder Mensch, der Gott sucht oder ihm dient, tut, was seinem Wesen naturgemäß entspricht. 51 Aber jeder Sünde, deren wir schuldig werden, ist unserer Natur fremd und unnatürlich.
52 Wahrlich, meine geliebten Kinder im Herrn, die ihr euch vorbereitet habt, euch selbst Gott als Opfer in Heiligkeit darzubringen, wir haben von euch nichts Nutzvolles verborgen, sondern bezeugen euch vielmehr, was wir gesehen haben21, dass die Feinde der Tugend immer gegen die Wahrheit meditieren. 53 Ihr seid darüber unterrichtet, dass derjenige, der nach dem Fleisch ist, immer jenen verfolgt, der nach dem Geist ist,22 und alle die Gott gemäß in Christus leben wollen, werden Verfolgung erleiden.23 54 Deshalb tröstete Jesus die Apostel, von denen er wusste, welcher Drangsal und welcher Versuchung sie in der Welt ausgesetzt waren 55 und dass sie durch ihre Geduld alle Mächte des Feindes zerstören werden – das ist: Götzendienst –: 56 „In der Welt werdet ihr Drangsal haben, aber seid guten Mutes: Ich habe die Welt überwunden.“24 57 Und er lehrte sie und sagte: „Fürchtet nicht die Welt! Denn alles Schlechte in der Welt ist nicht wert mit dem Ruhm verglichen zu werden, der an euch offenbart werden wird. Wenn sie die Propheten verfolgt haben, die vor euch gewesen sind, dann werden sie auch euch verfolgen. Und wenn sie mich hassen, dann werden sie euch auch hassen. Aber fürchtet euch nicht! Denn durch eure Geduld, werdet ihr alle Mächte des Feindes vernichten.“25
58a Über die Einzelheiten vom Wort der Freiheit, durch das wir freigesetzt werden, habe ich euch viel zu sagen. Aber „gib dem weisen Mann Gelegenheit, und er wird noch weiser.“26 Noch haben wir die Notwendigkeit gegenseitiger Tröstung in unseren armseligen Worten. Aber wenn der Verstand echte Wahrnehmung erreicht hat, bedarf es der Falschheit der körperlichen Sprache nicht mehr. b Aber ich freue mich über euch alle, Geliebte im Herrn, heilige israelitische Kinder in eurer Wesen. c Denn zuerst braucht der rationale Mensch Wissen um seiner selbst und dann das Wissen der Dinge von Gott und all seiner Freigiebigkeiten, d die seine Gnade ihm [d.i. der rationale Mensch] gegenüber ständig erweist; und dann das Wissen, dass alle Sünde und Schuld der Natur seiner intellektuellen Wesen fremd ist. e Schließlich sieht unser Schöpfer, dass wir durch unsere freie Wahl diese unnatürlichen Dinge besitzen, in welchen wir hier gestorben sind und er ist aus diesem Grunde von Mitleid uns gegenüber bewegt, in seiner Güte will er uns zurückbringen zu jenem Anfang ohne Ende und f so besuchte er seine Geschöpfe, und er verschonte sich nicht, um uns alle zu retten. Er gab sich für unsere Sünden dahin27 und unsere Schandtaten erniedrigten ihn, aber durch seine Striemen sind wir geheilt.28 g Und durch das Wort seiner Kraft sammelte er uns aus allen Ländern, von einem Ende der Welt bis zum anderen, und lehrte uns, dass wir einander Glieder sind.29 h Deshalb, wenn wir uns wirklich darauf vorbereitet haben, durch seine Ankunft freigesetzt zu werden, lasst uns untersuchen, damit wir sehen, was wir als rationale Menschen „dem Herrn für all die Wohltaten, die er uns erwiesen hat, geben“30 können. i Und so bin auch ich, der arme Kerl, der diesen Brief schreibt, erweckt worden aus dem Schlaf des Todes und habe die meiste Zeit, die ich auf der Erde war, damit verbracht, zu trauern und zu klagen: j „Was kann ich dem Herrn für all die Wohltaten, die er mir erwiesen hat, geben?“ Denn uns fehlt nichts, was er nicht für uns durch seine Erniedrigung getan hätte. k Er machte seine Engel zu unseren Dienern. Er hat seine Propheten zu prophezeien geboten und seinen Aposteln, das Evangelium zu uns zu predigen. Und schließlich veranlasste er als größte Verordnung, dass sein einziggeborener Sohn wegen uns die Gestalt eines Sklaven annahm.
l Ich flehe euch deshalb an, meine Geliebten im Herrn, ihr, die ihr Miterben mit den Heiligen seid, euren Verstand durch die Furcht Gottes zu erwecken. m Lasst denn dieses Wort unter euch offenbar sein, dass Johannes, der Vorgänger von Jesus, um unsertwillen zur Vergebung der Sünden taufte, aber durch den Geist wurden wir in Christus geheiligt. n Lasst uns nun in Heiligkeit darauf vorbereiten, die Sinne unsere Verstandes zu reinigen, damit wir durch die Taufe von Jesus rein werden, damit wir uns selbst als ein Opfer für Gott darbringen. o Dieser Tröster–Geist aber, der uns tröstet, p bringt uns zu unserem Urzustand zurück, um unser Miterbe und die Herrschaft desselben tröstenden Geist zurückzugewinnen. q Deshalb hat jeder, der „in Christus getauft wurde, Christus angezogen. Da gibt es weder männlich noch weiblich, da gibt es keine Gebundenen und keine Freien.“31 r Und jede körperliche Zunge versagt ihnen, wenn sie die Lehre des Heiligen Geistes empfangen, zu der Zeit, wenn sie in das heilige Miterbe eintreten werden s und den Vater im Geist und in der Wahrheit preisen werden, wie es sich gehört.32 t Und lasst dieses Wort unter euch offenbar werden; und wartet nicht auf ein zukünftiges Gericht in diesem Kommen von Jesus. u Denn seine Ankunft ist schon längst ein Gericht für alle von uns.
59 Deshalb wisst, dass die Heiligen und die Gerechten, die im Geist gekleidet sind, für uns beständig beten, dass wir vor Gott erniedrigt werden und wir wieder die Kleider anziehen, die wir ausgezogen haben, in unserem intellektuellen Wesen. 60 Denn oft ist diese Stimme von Gott, dem Vater, zu allen gekommen, die im Geist gekleidet sind, und sie sagte zu ihnen: „Tröste ihr, tröstet ihr mein Volk, sagt der Herr! Priester, sprecht zum Herz von Jerusalem.“33 61 Denn Gott besucht stets seine Geschöpfe und schenkt ihnen seine Güte.
62 Wahrlich, meine Geliebten, über die Einzelheiten vom Wort der Freiheit, durch das wir freigesetzt werden, gäbe es noch vieles zu sagen. Aber es heißt: „Gib dem weisen Mann Gelegenheit, und er wird noch weiser.“34 63 [...] 64 Aber möge der Gott aller Gnade euch heilig im Herrn sein lassen bis zum letzten Atemzug.35 65 Ich bitte Gott stets um die Errettung von euch allen, meine Geliebten im Herrn. 66 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen.
1 Cit. 2Kor 8,9.
2 Cit. 2Kor 5,16f.
3 1Kor 15,22
4 Cf. Hebr 1,3
5 Cf. Joel 2,13
6 Cf. Ps 116,11
7 Cf. Ps 103,10
8 Cf. Röm 8,20
9 Cf. Röm 8,32
10 Cf. Jes 53,5
11 Cf. Eph 4,25
12 Cf. Heb 4,15
13 Cf. 1Kor 1,23f.
14 Cf. Jer 31,34; Röm 3,19; 1,21
15 Cf. Phil 2,7f.
16 Cf. 2Kor 8,9
17 Cf. Phil 2,8
18 Cf. Hebr 2,14
19 Diese Bemerkung könnte darauf hinweisen, dass Mönchen bereits schon im 4.Jh. ein neuer Name gegeben worden ist. Bekräftigt wird diese Vermutung durch 3Ant 5f.: körperlicher Name (neuer) Name der Wahrheit! Allerdings ist bislang unbelegt, dass dieser Brauch schon so früh üblich war. (s. LThK). Also ist möglicherweise diese Bemerkung später hinzugefügt worden.
20 Cf. 2Tim 3,5; Tit 1,16
21 1Joh 1,2: „wir haben gesehen und verkündigen euch“; 1,3: „was wir gesehen ... haben, verkündigen wir euch“; 4,14: „wir haben gesehen und bezeugen“
22 Cf. Gal 4,29
23 Cf. 2Tim 3,12
24 Joh 16,33
25 Röm 8,18; Mt 5,12; Jh 15,20; Lk 21,19
26 Spr 9,9
27 Cf. Gal 1,4
28 Cf. Jes 53,5
29 Cf. Eph 4,25
30 Cf. Ps 116,11
31 Cf. Gal 3,27f.
32 Cf. Jh 4,24
33 Cf. Jes 40,1f.; AP 661!
34 Spr 9,9
35 ähnlich AP 4: ein Ausharren bis zum „letzten Atemzug“. - Eine Wendung, die sich im NT so nicht findet. Aber: Gott wird Entscheidendes am „letzten Tag“ bewirken (6x in Joh !)