logo

Suche:

 

OFFENBARUNGEN DER SCHWESTER MECHTHILD VON MAGDEBURG

[]

 

[] OFFENBARUNGEN DER SCHWESTER MECHTHILD VON MAGDEBURG

 

ODER

 

DAS FLIESSENDE LICHT DER GOTTHEIT

 

AUS DER EINZIGEN HANDSCHRIFT

 

DES STIFTES EINSIEDELN

HERAUSGEGEBEN VON

 

P. GALL MOREL

 

1980

 

WISSENSCHAFTLICHE BUCHGESELLSCHAFT DARMSTADT

 

[] Unveränderter reprografischer Nachdruck der Ausgabe Regensburg 1869

 

CIP—Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek

 

Mechtild <von Magdeburg>: Offenbarungen der Schwester Mechthild von Magdeburg oder das fließende Licht der Gottheit: aus d. einzigen Handschr. d. Stiftes Einsiedeln / hrsg. von P. Gall Morel. — Unveränd. reprograf. Nachdr. d. Ausg. Regensburg 1869. — Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1980.

 

Einheitssacht.: Ein vliessende lieht miner

 

gotheit

 

ISBN 3—534—01610—6

 

2345


 

Bestellnummer 1610—6

 

Druck und Einband: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt Printed in Germany

 

ISBN 3—534—01610—6


 

[] Vorbemerkung

 

Obwohl diese Ausgabe, vor nahezu hundert Jahren geschaffen, mit Mängeln behaftet ist und auf die Dauer nicht die letzte dieses Textes bleiben kann, wird ihr unveränderter Nachdruck vorgelegt. Denn die Schwierigkeiten der Textlage müssen notwendig zur Folge haben, daß die Erstellung eines neuen Textes noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. Das Subskriptionsergebnis zeigte, daß es besser ist, so lange diesen Text benutzen zu können als keinen.

 

[] Inhalts—Verzeichniss.

 

Vorrede und Einleitung. XVII

 

Ton Offenbarungen einer liebhabenden fteel .... l Dis ist das erste teil dis bůches.

 

Dis buch sol man gerne enpfan, waii got sprichet selber die wort 3

 

Dis buch heisset ein vliessendes lieht der gotheit .... 3—

 

I. Wie die mine und die künegine zesamene sprachen. 3

 

II. Von drien personen und von drien gaben ... 4

  1.  

    Von den megden der sele und von der mine schlage. 6

Von der hovereise der sele an der sich got wiset. 7

Von dem qwale und von dem lone der helle. . 7 VI. Von den nun koren wie si singent .... 8

 

VII. Von gottes vlüch in ahte dingen 8

 

VIII. Der minste lobet got an zehen dingen .... 8

 

IX. Mit drin dingen wonestu in der höhin .... 9

 

X. Der got minet der angesiget drin dingen ... 9

 

XL Vier sint an dem strite gottes 9

 

XII. Die sele lobet got an fünf dingen 9

 

XIII. Wie got kumet in die sele 9

 

XIV. Wie die sele got enpfahet und lobet .... 9 XV. Wie got die sele enpfahet 10

 

XVI. Got gelichet die sele vier dingen. .. .. 10

 

XVII. Die sele lobet got an fünf dingen 10

 

XVIII. Got gelichet die seien fünf dingen .... 10

 

XIX. Got liebkoset mit der sele an sehs dingen ... 10

 

XX. Die sele widerlobet got an sehs dingen. .. 10

 

XXL Von der bekantnisse und von der gebrüchunge. . 1O XXII. Von Sante Marien botschaft und wie ein tugent der än dern volget, und wie die sele ein jubilus der drivaltekeit wart gemachot und wie sante Maria alle heligen gesöget

 

unde noch söget 11

[VIII]

 

Seite

 

XXIII. Du solt beten, de dich got mine sere dikke unde lange

 

so wirdest du reine, schöne und lange .... 13

 

XXIV. Wie got antwurtet der sele ...... 13

 

XXV. Von dem wege pine ze lidene gerne dur got. . 13

 

XXVI. In disen weg zühet die sele ir sine und ist vri ane her—

 

zeleit 14

 

XXVII. Wie du siest wirdig dis weges und In behaltest und volle—

 

komen siest 14

 

XXVIII. Die mine sol sin mortlich äne masse ane vnderlass, de

 

ist toren torheit 15

 

XXIX. Von der schöni des brütegömes und wie im die brütini

 

volgen sol 15

 

XXX. Von den siben ziten 16

 

XXXI. Du solt nit ahten smahheit 16

  1.  

    Du solt nit ahten êren, pine, betrübdi an der sünden. 16

  2.  

    Von der pfründe trost und mine 16

  3.  

    Du solt sin in der pine ein lamp, ein turteltübe, ein brüt 16 XXXV. Die wöstin hat zwölf ding 17

 

XXXVI. Von der bosheit gütin und wundere .... 17

 

XXXVII. Die sele antwurtet got, de si wirdig si der gnaden. 17

 

XXXVIII. Got rumet sich de die sele überwunden hat vier sünde 17

 

XXXIX. Got vraget die sele was si bringe .... 18

 

XL. Des antwurt si im de besser ist dene vier ding. . 18

 

XLI. Got vraget mit einem lobe, wie das cleinöter heisse. 18

 

XLII. Das cleinöter heisset des herzen last. .. . 18

 

XLIII. Dinen lust leg in die drivaltekeit 18

 

XLIV. Von der mine weg an siben dingen, von drin kleiden

 

der brüte und vom tanze 18

 

XLV. Von ahte tagen in denen vollebraht der propheten gerunge 23 XLVI. Von der manigvaltigen zierde der brüte, und wi si kunt zu dem brütegöme und wielich ir gesinde ist, de ist

 

nünvalt 23

 

Dis ist das ander teil dis böches.

 

I. Die mine machet hohe in der sele nit vmbe menschlich

 

sine, de kunt von eigem willen 26

 

Von zwein liederen der mine des der in der mine wart gesehen 26

 

Von der Zungen der gotheit, von dem lichte der warheit, von den vier stralen gotz in die nun köre und der drival tekeit und von S. Marien 27

 

Von der armen dirnen, von der messe joh. baptiste, von der wandelunge der ouelaten in de lamp, von engel schöni, von vierhande lüte geheliget und von guldinen pfeningen 3O

 

V. Ein sang der Selen zu gotte an fünf dingen und wie got

 

ein kleit ist der seien und die sele gottes ... 34

 

[IX] Inhalts — Verzeichniss.

 

Seite

 

VI. Ein widersang gottes in der sele an fünf dingen. 34 VII. In der pine lobe so erschinet er dir. Von zwein guldin köpfen

 

der pine und des trostes 34

 

VIII. Von dem vegefür alzemale; davon lösete ein mensche tusent

 

seien mit den minetrehenen 35

 

IX. Got lobet sin brut an fünf dingen 36

 

X. Die brut widerlobet got an fünf dingen .... 36

 

XL Von sibenhande liebin Gottes ...... 36

 

XII. Von sibenhande vollekomenheiten 36

  1.  

    Zwischen Got und der Sele sol die mine sin ... 36

  2.  

    Wavon kunt luterkeit, swacheit, krankheit, wisunge, swinde—

 

keit, nöte, eilende, selten getröstet 37

 

XV. Wie der von minen ist wunt wirt gesunt .... 37

 

XVI. Von siben gaben eis bruders 37

 

XVII. Wie got vriet die sele und machet wise in siner liebin, 37

 

XVIII. Wie die sele berüret gottes vriheit in aht dingen. . 37

  1.  

    Wie die bekantnisse und die sele sprechent zesamne, und si spricht de s! drivaltig si von drien himelen. Die bekant nisse spricht allererst 38

  2.  

    Wie swester Hiltegunt ist gezieret in dem himelriche mit

 

dem mantelen, mit VII Cronen, wie si lobet die nun köre 41 XXI. Wiltu den berg ansehen, so solt du haben siben ding. 42 XXII. Wie die schowunge vraget die rainenden seien von seraphin

 

und von dem nidersten menschen 42

 

XXIII. Wie die mine vraget und leret die stumpfen seien und brechte si gerne zu irme liebe und spricht allererst und du stumpfe

 

sele antwurt 43

 

XXIV. Wie sich die minende sele gesellet gotte und sinen user weiten lieben, und sol gelich sin allen heligen. Wie der

 

tüfel und die sele sprechen zesamene .... 46

 

XXV. Von der klage der minenden sele, wie ir got schonet und enziehet sine gäbe, von wisheit, wie du sele vraget got wer er si und wie er st. Von dem böngarten, von den blümen

 

und von dem sänge der megde 49

 

XXVI. Von diseme buche und von deme schriber dis bůches. 52

 

Dis ist das dritte buch.

 

I. Von dem himelriche und von den nun koren und wer den brüchen solle erfüllen. Von dem trone der apostelen und Sante Marien und da Cristus ine sint. Von dem löne der predieren, martereren und megden und von den vngetöften kinden. 55 II. Wie die sele lobet got an siben dingen und got si von der

 

salbe beite 62

  1.  

    Ein clage das die sele maget ist, und von der mine gotz 63

  2.  

    Wie vnser vrowe S. Maria sünden mohte und wie nit, das

 

leret der helig geist 65

 

[X] Inhalts — Verzeichniss.

 

Seite

 

V. Wie die sele klaget de si keine messe noch die zit höret

 

und wie got si lobet an zehen dingen .... 66 VI. Wiltu rehte volgen gotte, so soltu hän siben ding. 67

 

VII. Von siben offenbaren vienden vnser selekeit, die machen

 

siben schaden 67

 

VIII. Von siben dingen die alle priester sollent haben. . 68 IX. Von dem angenge aller dinge, die got hat geschaffen. 68 X. Von dem passio der minenden sele die si von gotte hat, wie

 

si vfstät und in den himel vert. XXX partes habet. 71 XI. Zwischent got und der minenden sele sint alle ding schone 73 XII. Du solt loben danken und geren und bitten. Von dem

 

lühtere und dem liehte 74

  1.  

    Von sehszehenhande mine 74

  2.  

    Von zwein valschen tugenden, swer da ine wonet der lebet

 

der lugenen 75

 

XV. Mit aht tugenden soltu gän zu gottes tische. Mit den löse— pfanden loset ein mensche sibenzig tusend seien von dem grüwelichen vegefüre, de manigvaltig ist ... 76

 

XVI. Nach der gäbe volget geissele und nach der smacheit ere 78

 

XVII. Von eis geistlichen menschen vegefür, von einer fünf hande

 

helfe vs der pine und von edelkeit predier — orden. . 79

 

XVIII. Von des ritters strite mit vollen waffenen wider die be— gerunge 80

 

XIX. Von zweierleie armen lüten, (die) minenklich unde pin liche arme sint 80

 

XX. Von fünf propheten die dis buch erlühtent ... 81 XXI. Von der helle, wie si drü teil hat. Wie lucifer und sehs zehenhande lüte sint gepinet. In wirt kein helfe. Von lucifers cleide 82

 

XXII. Ich han (gehört) von gotz barmherzekeit, von siner bekorunge und gerehtekeit 87

  1.  

    Die kraft der gerunge benimet die wort. Jungfrŏwen mag got nit enbern. Gotz angesiht umbevahen und sin lust überwinden tusent töde 88

  2.  

    Zweierleie lüten wirt gebotten zweierleie geist. Von got

 

und von dem tüvel. Von sibenhande mine ... 88


 

Dis ist das vierde buch.

 

I. Fünf ding sönt die Intern megde hän .... 90

 

II. Dis buch ist von gotte komen. Die sele lobet sich an mangen dingen. Ir sint zwen engel geben und zwen böse túfel und zwölf tugenden stritent wider das vleisch. 90

 

III. Die sündere enpfallent gotte von drien gaben der wisheit. Von dem steine. Von der jungfrŏwen lob, de ist die cristanheit 95

[XI]

 

Seite

 

IV. Von zwein vngelichen wegen, der ein gät nider zu der

 

helle, der ander stigt vf in den himel .... 98

 

V. Vnser sünde zukünftig val, irdenisch wesen, de himelrich,

 

gottes gäbe, söllent stän offen vor vnseren ŏgen. . 100

 

VI. Gotz vswelunge mag nieman stören. Rehtú rúwe hat ablas (von) gottes gnade und ist ane vegefür ... 101

 

VII. Wie ein vriü sele sprichet zu gotte in ganzer liebin. 102

 

VIII. Von gotz licham, der siechen, der verlassent und der craft 102

 

IX. Von vierhande opfer der priesteren. .. .. 102

 

X. Von der leien opfer nach iren statten .... 102

 

XI. Wie cristan gegen den Juden sich söllent halten an vier

 

dingen 103

 

XII. Wie die brüt, die vereinet ist mit gotte, verwirfst aller creaturen trost, sunder alleine gotz, und wie si sinket von der pine 103

 

XIII. Die schrift dis buches ist gesehen, gehöret unde bevunden

 

an allen lidern 107

 

XIV. Von der heligen drivaltekeit, von der geburt und von dem namen Jesu Cristi und von des menschen edelkeit. 107

 

XV. Die rehte luter mine hat vier ding. Gibest du dich gotte,

 

so git sich got ŏch dir. 109

 

XVI Die grosse mine hat me dene zehen stuke und zwieger— hande clage 109

 

XVII Von einer vrŏwe, die ze hove gerne was, von irme túfel

 

der ir siben bosheit riet 110

 

XVIII. Der geistlich Mensche ist glich ei m tier an drissig dingen

 

siner nature/. . 111

 

XIX. Das ambaht der gebenedigten mine ist manigvalt. . 114

 

XX. Von sehs tugenden S. Dominicus. .. .. 115

 

XXI. Dur sehszehen ding hat got predierorden liep. . 116

 

XXII. Von vierhande crone brůder Heinrichs und von der wirdekeit S. Dominicus. . 116

 

XXIII. Von Sante Johanes ewangeliste begrebde. .. 118

 

XXIV. Wie got in himelriche die seien enpfahet und wie er drierleie lüte crönet, und wie er si grüsset, zieret, lobet und

 

inen danket. . 119

 

XXV. Wie vnser gegenwirtekeit si nu in dem himelrich, in dem

 

vegefür und in der helle. 120

 

XXVI. Von dem gotztrost eis beswêreten brůders Baldewinus 120 XXVII. Von dem ende predierorden, von dem endecrist, Helya und Enoch 121

 

XXVIII. Von fünferleie craft der mine. Dur krenket und der lüte valscheit můs man swigen der warheit 127


[XII]

 

Seite


 

Dis ist der fünfte teil des buches.

 

I. Von drierleie rúwe und zehenhande nütze und von dem wege der engelen und der túfelen 128

 

II. Von zweierleie pine und von vierleie nutz und von der manigvaltigen schar der sünden 130

 

III. Got wil wêgen alle vnschuldige pine und ŏch drierleie lüte

 

blüt 131

 

IV. Der wunderlichen inine ist manigvaltige craft. Wie die smeket. Von vierhande diemüt. Von sibenleie schöni der minenden sele 131

 

V. Von einer begine vegefür, die dur eigen willen kein gebet half 134 VI. Wie die sele lobet die helige drivaltekeit 135

 

VII. Wie got widerlobet die sele 135

 

VIII. Drü kint sol der mensche haben, für die er bitten sol. 135

 

IX. Von der 6re sibenzig mane, die mit Cristo stünden ze gezüge 137

 

X. Wie die sünde si gelich gottes grössi 138

 

XI. Geistlich namen sol gehöhet werden. Von der swestern

 

gelas. Wie si betten und erbitten sönt mit gotte 138

 

XII. Wie got antwurtet einem brůdere von der scrift dis buches 140

 

XIII. Von zehenhande nützen eines guten menschen gebet. 140

 

XIV. Von böser priester vegefür 141

 

XV. Von eines guten priesters vegefür 141

 

XVI. Es ist túfelich, de man sündet 141

 

XVII. Dis ist ein grüs und ein lob und ein gebet der Sünderin 142

 

XVIII. Wie got hiezü antwurtet 143

 

XIX. Wie sibenzehenhande sünde jagent den menschen 143

 

XX. Ein lob gottes von aht dingen. Von der sünden oppfer 144

 

XXI. Warumbe der Mensch ist verworfen und doch geminet, und wie du dich segnen solt 144

 

XXII. Von siben dingen des gerihtes. Von schemede und gutem

 

willen 145

 

XXIII. Von sante marien gebet. Von Gabrieles lieht. Von des kindes tüch. Wavon die milch kam und des kindes oppfer.

 

Von den túfelen und von dem hungertüch 147

 

XXIV. Von sehsleic kleide vnsers herren gptz und von den til genden Sant Dominicus und wie got sinen orden geeret

 

hat an vier dingen 154

 

XXV. Eines dinges genüsset man in dem himelriche, de ist in siben dingen, danach volgent siben ding. Das lob des betrübten menschen ist nuz in siben dingen 157

 

XXVI. Wie got sich lobet und singec 158

 

XXVII. Mit zwölf worten enpfieng der himelsch vatter einen sun Jesum 159

 

XXVIII. Von siben cronen brůder Albrehtes. Ein anderes ist satzunge gottes, ein anders ist erwelunge 159

[XIII]

 

Seite

 

XXIX. Nach gotz znge were der mensch als ein engel, eb er dem volgete. Und von der bosheit des túfels 160

 

XXX. Von zwenzig kreften gottes mine und von manigvaltigen narnen 161

 

XXXI. Von zehen creften der mine und de keine creature mag volgedenken der sele gerunge ze gotte 163

 

XXXII. Von dem hohen ende swester Mehthilt 164

 

XXXIII. Wie die deine sünde schadet der vollekomenheit und wie sich der tufel davon nahet der sele 165

 

XXXIV. Von fünfleie nüwe heligen, dur böse lüte gesant, und wie got wil weschen die cristanheit in sin selbes blute hienach 166

 

XXXV. Wie swester Mehthild danket und lobet got und bittet für drierleie lüte und für sich selber 168


 

Dis ist der sehste teil dis bůches.

 

I. Wie ein prior oder priorine oder ander prelaten sich söllent halten gegen iren vndertanen 171

 

II. Von der regele eis kanoniken, wie er sich halten sol. Die ist von got komen 177

 

III. Got gibet herschaft. Wie die böke lamber werden t 178

 

Von der bescheidenheit und vorhte, die die sine bewarent von irdenischen dingen 179

 

V. Nach der mine und gerunge, die schöni der creaturen git bekantnisse mit jamer 180

 

VI. In der Jungesten zit soltu haben mine, gerunge, vorhte,

 

ruwe drierleie 181

 

VII. Vnser eigen wille mag widerstän den widerhaggen. Die

 

gute sele ist snell zu gotte 182

 

VIII. Zwischent Got und Lucifer ist zweierhande vegefür. Wie

 

der túfel piniget die seien 183

 

IX. Wer die heligen êret, den êrent si und tröstent an dem tode 184 X. Gebet, messen, gotteswort, guter lüte leben, vasten unde carrinen losen die seien von dem vegefür 185

 

XI. Wie ein schüler tot ist und ein predier 186

 

XII. Wie du dich halten solt an vierzehen dingen 186

 

XIII. Wie geistlich lüte von blintheit sich hutent vor der minekeit. Von sehsleie craft gottes gaben 187

 

XIV. Clager in der pine enbêrent sehs dingen. Wie man suche, smacheit tragen sol 188

 

XV. Von Enoch und Elyas pine und von den Jungesten predien—

 

den und von endecristes bosheit 189

 

XVI. Wie die sele vnsers herren wonet in der drivaltekeit und von irme ambahte. Wie si sprichet für den sünder, und von dem ambahte vnser frŏwen 193

 

XVII. Got sihet den sünder an vür gut. Was gut reht wille si.

 

Von der guten burdinen 195

[XIV]

 

Seite

 

XVIII. Du solt din herze ansehen ze allen ziten 195

 

XIX. Von dem guten willen, den man nit ze der getät mag bringen 196

 

XX. Dis buch ist komen von drierhande gäbe. Die mine vliusz. Sie ist rieh und gitig. Si wirt siech. Wer de himelrich habe. Got git pine und ŏch trost 197

 

XXI. Wie böse pfafheit sol genidert werden. Wie predier alleine predien sönt und bischöve sin und von den jungesten predieren 198

 

XXII. Von siben dingen der man fünfe vindet in himelrich und zwei in ertrich 199

 

XXIII. Wie in drien stetten sprichet got mit der seien 200

 

Wie in wetagen offenbart Cristus sine wunden. Vier ding kloppfent vor der himelporten 200

 

XXV. Von der verbranten mine 201

 

XXVI. Gedenken an den tot und lange leben ist gut 201

 

XXVII. Wie du solt danken und bitten 202

 

XXVII. Swene du sterben solt, so nim urlop zu zehen dingen 202

 

XXIX. Von zehen stukken gotliches füres vs der edelkeit gotz 203

 

XXX. Die luter mine hat vier ding 205

 

XXXI. Wie got die sele gemachet hat von wollust und pine Wie got glich ist eime clote 205

 

XXXII. Wie wir glich werden gotte, S. Marien und den engelen 207 XXXIII. Von dem scharpfen capittel, da der bilger in zukam, der schein ein gros herre 208

 

XXXIV. Der die weit versmahet den sol man eren mit aht dingen 209

 

XXXV. Wie die selig sele spricht zu irme lichamen an dem jungesten tage 209

 

XXXVI. Dc Johanes Baptista der armen dirnen messe sang, de wc geistlich bekantnisse in der sele 210

 

XXXVII. Du solt got loben, clagen und bitten zwölf ding 211

 

XXXVIII. Nieman mag Gotz himel stören. Die helle verwiset got 213

 

XXXIX. Von dem gegenblike gottes schin an vnser Vrŏwen und ir gewalt 213

 

XL. Bekorunge, die weit und ein gut ende prüfent vns 214

 

XLI. Von dem gegenblike gotz in den Menschen und in die engele. Fünf ding hindernt die schriift 214

 

XLII. Dis schreib swester mehtilt an einer cedelen irem brůder B. predier orden und sprach 215

 

XLIII. Dise schrift ist vs got gevlossen 215


 

Dis ist de sibende teil.

 

I. Von der crone und von der wirdekeit vnsers herren Jesu cristi, die er nach dem Jungesten tage empfahen sol. 216

 

II. Wie an aller seien tag ein mensche bat vur die seien gemeine 221

[XV]

 

Seite

 

III. Wie nüze de si, de ein mensche mit diemütigen worten

 

sin herze besehe äne vnderlas 222

 

IV. Von dem besmen vnsers herren 224

 

V. Warumbe de kloster ze einer zit angevohten wart 224

 

VI. Von dem capitel und wie der mensche besehen sol sine brtiche und die beweinen. Von zwein guldin pfeningen

 

und von gutem willen und gerunge 225

 

VII. Wie der mensche ze aller zit mit got vereinet si. 225

VIII. Wie ein mensche got suche 227

 

IX. Wie die minende sele lobet vnsern herren mit allen creaturen 228

 

X. Dis geschach ze einer zit, do gros vnfüre was 228

 

XL Wie vnser herre wart glich gesehen einem arbeitenden mafie 229

 

XII. Wie ein mensche ital ere und bekorunge widerstän sol 230

 

XIII. Wie unser herre wart gesehen glich einem pilgerin 230

 

XIV. Von gotz erwelunge und segene 231

 

XV. Wie der mensche, der die warheit minet, bitten sol. 231

 

XVI. Wie ein mensch geret und bat 232

 

XVII. Wie bekantnisse sprichet zu dem gewissede 232

 

XVIII. Von der bevelhunge der siben ziten der martir vnsers herren 233

 

XIX. Von dem grüsse vnser vrŏwen 235

 

XX. Wie man de ave Maria sol bevelheii vnser frŏwen. 236

 

XXI. Wie ein mensche sin herze sol besehen eb de er ze gotz tische ge 237

 

XXII. Von dem lobe des himelschen vatters 239

 

XXIII. Wie man dem sune danken sol 239

 

XXIV. Von der mine vlůt 239

 

XXV. Von dem grüsse der heligen drivaltekeit 239

 

XXVI. Wie man zu gotte vliehen sol in der bekorunge. . 240

 

XXVII. Wie der geistlich mensche sin herze sol kêren von der weit 241

 

XXVIII. Von der not eis urlüges 243

 

XXIX. Von einer lere 244

 

XXX. Ein gebet wene man die jungfrŏwen crönet 244

 

XXXI. Von einer klage 244

 

XXXII. Wie des guten menschen werk lühtent gegen den werken

 

vnsers herren 245

 

XXXIII. Von dem geistlichen trank 246

 

XXXIV.Von der geistlichen spise 246

 

XXXV. Von den siben sahnen 247

 

XXXVI. Von einem geistlichen closter 249

 

XXXVII. Von der ewigen hochgezit der heligen drivaltekeit. 251 XXXVIII. Wie ein geistlich mensch sol clagen und bekenen got

 

sin sünde alle tage 253

[XVI]

 

Seite

 

XXXIX. Wie die tüvel sich sclahent und jagent, bissent und nagent, wene ein minendü sele, die von götlicher mine breiiet, von diser weit scheidet 254

 

XL. Alsus sprichet du minende sele ze irme lieben herren 256

 

XLl Wie ein predierbrůder wart gesehen 256

 

XLII. Von dem honigtrank 257

 

XLIII. Von der einvaltigen mine, wie die wise wart gesehen 257

 

XLIV. Von fünf sünden und von fünf tugenden 258

 

XLV. Von siben dingen in der minenden gelinge 258

 

XLVI. Wie sich die sele meldet in geistlichem armüte 259

 

XLVII. Von einer sünde die böse ist über alle sünde 260

 

XLVIII. Wie die mine wart gesehen mit Iren jungfrŏwen 261

 

XLIX. Von eim leienbrůder 264

 

L. Von der pinlichin gottes 264

 

LI. Ein gebet vor versumekeit 265

 

HI. Wie sich die minende sele neiget under die hant gottes 266

 

LIII. Von dem gevengnisse geistlicher lüten 267

 

LIV. Von vier dingen des geloben 267

 

LV. Also schribet ein frünt sineme fründe 268

 

LVI. Wie got rüret sine fründe mit der pine 270

 

LVII. Ein wenig von dem paradyso 270

 

LVIII. Von Sante Gabriel 272

 

LIX. Wie die botschaft für got kam 272

 

LX. Wie das kint gesehen wart 273

 

LXI. Wie man sich bereiten sol zu gotte 273

 

LXII. Wie die jungfrŏwen dienent ir frŏwen der künegin 274

 

LXI1I. Gotz wille ist ein fürste in allem wesende 278

 

LXIV. Wie got dem menschen dienet 279

 

LXV. Wie got die sele zieret mit der pine 280

 

Zusatz über die sieben tagzelten 282

 

Bruchstück über mystisches lehen 283

 

Einige Worterklärungen 285

 

[XVII] Vorrede und Einleitung.


Es möchte gewagt scheinen, diese Visionen, mystischen Ergüsse oder „Offenbarungen“ einer mittelalterlichen Nonne in ihrem ganzen Umfange und ursprünglichen Gewände dem Publikum mitzutheilen, hätte nicht der gelehrte Herr Dr. Carl Greith, derzeit Bischof in St. Gallen, hiezu in seinem vortrefflichen Buche „die deutsche Mystik im Predigerorden“1

den Weg gebahnt, indem er nicht nur auf das Werk und die Verfasserin desselben aufmerksam machte, sondern auch eine beträchtliche Anzahl poetischer Bruchstücke dieser Visionen in erneuerter Sprache mittheilte. Auch über die, meines Wissens einzige Handschrift, welche die Visionen der Schwester Mechthild enthält, so wie über diese selbst ist in dem erwähnten Buche schon das Wichtigste gesagt, was hier theilweise wiederholt und jedenfalls ergänzt werden muss.

 

Die Handschrift, Nro. 277, der Stiftsbibliothek von Einsiedeln gehörend, ist ein wohlerhaltener, mit ursprünglichem weissen [XVIII] festen Lederbande versehener Codex in Oktavform, 221 Blätter enthaltend, und sehr deutlich und kräftig in der bekannten gothischen Minuskel des 13. bis 14. Jahrhunderts, und zwar bis Blatt 15 in einer, von da an aber in zwei Columnen geschrieben. Der erste Theil, Mechthildens Visionen, endet mit Blatt 166 a., worauf von gleicher Hand noch einige fromme Gedanken über die sieben Tagzeiten, und ein Bruchstück aus der unbekannten Schrift eines „Gottesfreundes“ folgt, auf das wir später noch zurückkommen.

Der zweite Theil der Handschrift, von Blatt 169 an, ist von anderer Hand, eben so schön und klar aber kleiner geschrieben, und wie der erste Theil, ziemlich reich mit leicht aufzulösenden Abkürzungen versehen. Er enthält Aufsätze und Predigten deutscher Mystiker, vorzüglich des Meisters Ekhart. Dieser zweite Theil ist beinahe ganz von Dr. Franz Pfeiffer im zweiten Bande seiner „deutschen Mystiker“2

herausgegeben worden,

Die Sprache der Handschrift ist die oberdeutsche, wie sie um den Oberrhein her zu Ende des 13. und im Anfang des 14. Jahrhunderts gesprochen und geschrieben wurde und wie sie bei uns Schweizern im Dialekte noch grossentheils sich erhalten hat, jedenfalls leicht verstanden wird, obschon gar viele bekannte Worte jetzt einen ändern Sinn erhalten haben.3

Der Styl ist kräftig und ziemlich gedrungen, die Orthographie aber nicht eine durchweg folgerechte. Sie konnte auch in diesem Abdrucke nicht folgerecht durchgeführt werden, und ich hielt mich daher,


 

[XIX] wo nicht offenbare Verstösse vorkommen, genau an die Schreibweise der Urschrift, was ich mir um so leichter erlauben zu dürfen glaubte, da es sich hier um die einzige und zwar gute Handschrift eines mittelalterlichen Werkes handelt. Ich berufe mich dabei auf Franz Pfeiffer, der zur Herausgabe von Herrmann’s Heiligen—Leben bemerkt: Bei einem Werke, das nur in einer Handschrift vorhanden ist, war eine streng kritische Behandlung des Textes, wie man sie bei Werken des 13. Jahrhunderts anzuwenden pflegt, nicht wohl thunlich, ja ich hätte sogar volle Berechtigung gehabt einen buchstäblichen Abdruck zu geben., ich mochte mich aber den Anforderungen, die an Herausgeber altdeutscher Schriften mit Recht gestellt werden nicht entziehen, selbst auf die Gefahr hin, dass ich hie und da etwas unrichtig aufgefasst habe.“ Meine geringen Aenderungen betreffen in dem vorliegenden Bache grösstentheils die Interpunktion, die zum Verständniss desselben nothwendig berichtigt werden musste. Auch die so oft wiederkehrenden Reime, Assonanzen und Alliterationen, die offenbar ursprünglich besser zusammenklangen, erlaubte ich mir, doch nur in seltenen Fällen, herzustellen.

 

Eine eigentümliche Schwierigkeit ergab sich aus der Bestimmung was vom Texte in Versen auszusetzen sei, da in der Handschrift Alles als Prosa fortläuft, obschon viele Abschnitte entschieden auf Verse hindeuten, während anderseits nur schwache Anklänge an solche bemerkbar sind. Entscheidend war hiebei für mich, nebst dem Reim, der höhere Schwung der Rede oder des Gefühles, der in den meisten Fällen auch die Sprache poetischer macht. Das ist bei dieser Schrift oft der Fall, wo Personen redend eingeführt werden, oder wo die Betrachtung oder die Vision dem Schlüsse zueilt.

 

Die Geschichte der Handschrift ist nicht ohne Interesse und [XX] knüpft sich auch an die Geschichte des religiösen Lebens im Hoch—Thale von Einsiedeln während dem Mittelalter. Es lebten nämlich schon sehr frühe, die Zeit ist nicht genau zu bestimmen, daselbst fromme Einsiedlerinnen, zuerst einzeln, dann in vier Häusern vertheilt, die später in einem einzigen Kloster vereinigt wurden. Man hiess sie Waldschwestern. In eines dieser vier Häuser, die vor der Au genannt, schrieb noch im 14. Jahrhundert, Heinrich von Rumerschein von Basel zu S. Peter folgendes, der Handschrift später beigefügtes Blatt: Den swesteren in der vorderen öwe: Ir sönt wissen, dz das buch, dz vch wart von der zem Guldin Ringe, dz do heist, das liecht der Gotheit, des sönt ir wol warnemen, also, das es soll dienen in alle hüser des waldes und sol us dem walde niemer komen und sol ie ein monat in eim huse sin, also dz es vmb sol gän von eim in dz ander wenne man sin bedarf, vnd sönt ir sin sunderlich behüt sin, wand si sunderlich trüwe zu vch hatte. Bitent ŏch für mich der ihr bichter was, leider vnwirdig. Von mir Herr Heinrich von Rumerschein von Basel ze sant Peter. — a tergo: der vordren owe. Ein ähnliches Blatt von Rumerschein ist dem Codex 268 beigefügt, welcher, ebenfalls mystischen Inhalts, von derselben Geberin den Schwestern in Alleg (Albegg, eines der vier Schwesterhäuser in Einsiedeln), geschenkt wurde. Diesen Schwestern schreibt Rumerschein: Ir sönt wissen, dz das buch, dz vch wart von jungfrow Greten zem güldin Ring, dz kun gunt... Hier ist eine Zeile ausgelöscht, der übrige Inhalt stimmt mit dem obigen Briefchen an die Schwestern in der vordem Au ttberein, nur ist noch beigefügt: Ir sönt wissen dz irs not usser den wald nüt sönt leng (leihen).

Nun ist merkwürdiger Weise diese Grete zum goldenen Ringe in Basel höchst wahrscheinlich keine andere als Margaretha, die Tochter des bekannten Schwärmers Nikolaus von [XXI] Basel, dessen mystische Schriften Dr. Karl Schmidt4

herausgegeben und mit einem sehr gediegenen Lebensabriss des Verfassers begleitet hat, wovon schon ein Theil in dem Buche: Basel im 14. Jahrhundert und in ändern Schriften mitgetheilt war. „Margaretha, so erzählt K. Schmidt (S. 71), ward Begine, Conversa, erwarb ein Stück Holz vom Kreuz Christi, das aus dem Münster gestohlen worden war und gab es diesem zurück; 1376 vermachte sie ihr ganzes Vermögen den Dominikanern und wählte bei ihnen ihr Grab. Sie ist ohne Zweifel die Margaretha zum goldenen King, der in den Briefen Heinrichs von Nördlingen als einer besondern Freundin Gottes gedacht wird. Das Beginen—Haus zum schwarzen Bären stiess an das Haus zum goldenen Eing, in letzterm selber scheint eine Zeitlang eine Sammung bestanden zu haben. Aus allem diesem lässt sich schliessen, dass in der Familie zum goldenen Ring der Hang zum geistlichen mystischen Leben heimisch war.“ So weit Dr. Schmidt. Es ergibt sich nun aus dem obigen Briefchen, wer Beichtvater der mildthätigen Geberin zum goldenen Einge war, und ergibt sich, dass zwischen den Gottesfreunden in Basel und deren Gönnern und Gönnerinnen Verbindungen mit den Beginen in der innern Schweiz bestanden. Dafür sprechen ohnehin noch andere Thatsachen, wie die Beziehungen der Gottesfreunde zu Engelberg, die Niederlassung derselben im Herrgottswald am Fusse des Pilatus u. s. w., wovon C. Schmidt (a. a. O.) erzählt.

 

In Einsiedeln selbst hat man keine weitere Spur von dieser Verbindung als eben diese Handschrift nebst der zweiten vorhin erwähnten, die aber nur Schriften eigentlicher deutscher Mystiker


 

2) Basel 1856, S. 283: Nikol. v. Basel und die Gottesfreunde und besonders S, 92 in der „Topographie des alten Basels“ von Dr. Fechter.

 

[XXII] enthält und woraus von Franz Pfeiffer in „Haupt’s Zeitschrift für deutsches Alterthum“ (Bd. 8, S. 209), und in Band 2 der „deutschen Mystiker“ sehr Vieles mitgetheilt wurde. Zu welcher Zeit diese zwei vortrefflich geschriebene und erhaltene Handschriften in die Stiftsbibliothek von Einsiedeln kamen, ist ungewiss. Eine Hand des 15. Jahrhunderts bemerkt noch: „Dis buch höret in die vier hüser in dem walde“, eine spätere des 16. Jahrhunderts: „Dem Gotshuss S. peter vff dem Bach in Schwitz gehörig.“

 

Ueber Inhalt und Verfasser vorliegender Schrift gibt diese selbst gleich Anfangs, zuerst in lateinischer, dann in deutscher Sprache Auskunft. Sie ward im Jahr 1250 und darnach während fünfzehn Jahren einer frommen Schwester geoffenbart in deutscher Sprache. Diese Schwester lebte über vierzig Jahre lang gottselig, der Regel des Predigerordens gemäss. Ihre „Offenbarungen“ aber sammelte und schrieb ein Bruder desselben Ordens. Der Name dieses Bruders war nicht zu ermitteln; die begnadigte Schwester aber wird einigemal, sowohl im Texte als in den Kapitel—Ueberschriften genannt. So z. B. S. 168: „Wie Swester Mehthild danket etc.“ und S. 215: „Dise schrift die in disem buche stat, ist gevlossen vs von der lebenden gotheit in Swester Mehtilden herze und ist also getrüwelich hie gesetzet, alse si vs von irme herzen gegeben ist von gotte und geschriben von Iren henden.“ Der scheinbare Widerspruch der eben angeführten Stelle, mit obiger Bemerkung, es sei das Buch von einem Dominikanerbruder gesammelt und geschrieben, findet seine natürliche Lösung in dem Worte gesammelt, so dass mit Greith (S. 207) anzunehmen ist, dieser Bruder habe die von Mechthild geschriebenen einzelnen Blätter gesammelt und abgeschrieben. Dass sie selbst diese „Offenbarungen“ schrieb, beweist auch das, was sie (S. 140) sagt: „Meister Heinrich, mich [XXIII] iamert... das ich sündig wip schriben müs, das ich die wäre bekantnisse und die heligen herlichen anschöwunge nieman mag geschriben, sunder dise wort alleine, si dünken mich gegen die ewigen warheit allzekleine.“ Meister Heinrich war ihr leiblicher Bruder und ebenfalls im Prediger—Orden.

 

Dass Schwester Mechthild diesem angehörte, unterliegt wohl keinem Zweifel, denn bei jedem Anlass ist auf diesen damals so frisch blühenden und fruchtbaren Orden und dessen Stifter hingewiesen, welchen Mechthild ausdrücklich ihren Vater nennt. Auch ist das Zeugniss zu Anfang des Buches: „Sequens perfecte vestigia fratrum ordinis praedicatorum“, deutlich genug. Wenn sie daneben eine Begine genannt wird, und sich einigemal selbst so nennt, so wird das durch die eben angeführte Stelle berichtigt und zudem war damals der Begriff Begine noch von der allgemeinern Bedeutung einer in besonderer Weise Gott suchenden Seele, wie etwa Schwester zu verstehen.

 

So wird denn Dominikus vor allen ändern Ordensstiftern genannt und gepriesen und sein Bild wird höchst lieblich geschildert. Für die Gegenwart wie für das Ende der Zeiten wird seinem Orden eine hochwichtige Aufgabe zugedacht. Im besondern werden noch genannt Br. Heinrich, vielleicht der Jugendfreund des berühmten Br. Jordans, ferner ein Br. Balduin und Br. Albrecht, wahrscheinlich Albrecht ocier Albert der Grosse. Es handelt sich nun hier nicht um Mechthild von Spanheim, die Zeitgenossin des heiligen Bernard und der heiligen Hildegard von Bingen, nicht von Mechthild von Diessen und Edelstetten, die schon 1160 starb, noch von Mechthild von Helfeda, die dem Benediktinerorden angehört, sondern von einer ganz ändern Persönlichkeit.

Ueber die Heimath und das Predigerkloster5, wo unsere [XXIV] Schwester Mechthild über vierzig Jahre gelebt, scheinen einige Stellen nach Thüringen oder Sachsen hinzuweisen. Wir lesen: „Von der not eines vrluges. Mir wart bevolhen mit eime heligen ernste, de ich bete vür die not, die nu ist in Sahsenlanden und in Düringenlanden“, in welchem Kriege, nach der Schilderung Mechthildens, furchtbare Gräuelthaten, an Gotteshäusern und durch Strassenraub verübt wurden. In einer ändern Betrachtung6

spricht sie von den Boten, die Gott zur Rettung der gesunkenen Christenheit gesandt habe und nennt unter diesen Sanct Elisabeth und die heiligen Dominikus, Franziskus, Petrus Martyr, den ersten Märtyrer aus den Predigerorden, endlich die Schwester Jutte von Sangershausen, über die ihr offenbart wurde: die han ich den heidene gesant ze bottenmit irme heligen gebete und mit irme guten bilde. „Wahrscheinlich geschah dieses gegen das Jahr 1260, als der deutsche Orden unter dem Hochmeister Anno von Sangerhausen einen neuen Kreuzzug gegen die Preussen unternahm.“

Diese Jutte von Sangerhausen und die Erwähnung der verweltlichten Domherrn von Magdeburg, gegen welche sich Mechthild mit scharfer Rüge ausspricht, veranlasst Mone7

, diese Schwester in das Kloster S. Agnes bei Magdeburg zu versetzen. Er schreibt in einer Anmerkung: „Das Kloster S. Agnes liegt an der Ostseite der Neustadt Magdeburg und hatte ursprünglich die Regel des Cistercienser—Ordens. H. Beyer hat im 17. Bd. S. 59, 156, 260 und 330 des allgemeinen Archivs für die Geschichtskunde des Preussischen Staates von L. v. Ledebur eine Geschichte des Nonnenklosters S. Agnes veröffentlicht, in welcher gerade der wichtigste Punkt fehlt, nämlich, dass [XXV] die Dichterin Mechthilde, deren Werke Greith herausgab, dort Äbtissin 1273 war. Die in den Gedichten der Mechthild genannte Vorsteherin Jutte von Sangershausen ist die Äbtissin Jutte von S. Agnes von 1270.“ Mone behauptet dann, Mechthild sei keine Dominikanerin gewesen, sie war aber doch wahrscheinlich wie gesagt, eine solche, das zeigt das ganze Werk. Gar viele Klöster Cistercienser—Ordens nahmen die Regel Dominiks an.— Nur ergibt sich dann wieder eine grosse Schwierigkeit aus dem urkundlichen Nachweis, dass in der Zeit von 1250 und den folgenden Jahrzehenden S. Agnes wirklich von Cistercienserinnen bewohnt war. Durch gütige Vermittlung meines hochverehrten Freundes, des Grafen R. von Stillfried, Graf von Alcantara, zog ich von den bewährtesten Forschern und Kennern der Geschichte Preussens, Erkundigungen hierüber ein. Was darüber, nebst dem Grafen Stillfried selbst, die Herren Riedel, Ledebur und Mülverstädt, Archivrath in Magdeburg mittheilten, geht dahin, dass die Nonnen von S. Agnes in Neustadt bei Magdeburg noch im Jahre 1260, laut einer Urkunde dieses Hauses „Cistercienser—Nonnen“ genannt werden. Später nahm das Kloster, wie es scheint, den Benediktiner—Orden an, schon 1270 heisst es, de regula S. Benedicti und 1311 noch bestimmter, ordinis S. Benedicti. — (Beyer a. a. O. S. 276). „Die in Rede stehende Mechtildis, bemerkt Herr Ledebur, wird allerdings am Schlüsse der Abhandlung S. 370 in der Reihe der Äbtissinnen und zwar mit den Jahreszahlen 1271 und 1281 aufgeführt, das Jahr 1271 ist daselbst urkundlich belegt; von dem interessanten Umstände aber, dass Mechtildis deutsche Lieder gedichtet, hat Beyer keine Kunde gehabt. Herr von Mülverstädt verweist einfach auf die „Magdeburgischen Geschichtsblätter“ (herausg. v. dortigen Geschichtsverein) Jahrg. II (1867) p. 339 ff. und auf das obengenannte „Allgemeine Archiv“ von Ledebur.

 

[XXVI] Wer nun die folgenden Blätter aufmerksam liest, wird sich kaum vorstellen können, wie unsere Schwester Mechthild später Äbtissin eines Bernardiner—Klosters wurde. Dass übrigens damals, und namentlich in Magdeburg geistliche Verbindung zwischen beiden Orden und den betreffenden Klöstern bestand, ergibt sich auch aus einem Wunder, das bei Mone (a. a. O. S. 30) erzählt wird, wie nämlich in Theutonia (Magdeburg) eine Cistercienser Äbtissin nebst ihren Schwestern für einen verstorbenen Predigerbruder Namens Albert viele Gebete verrichtete, worauf ihnen dieser Bruder erschien. Wenn Mone hier, wohl mit Recht, an die Äbtissin Jutte und jenen Albert, den Bruder unserer Mechthild denkt, so ist doch damit das Räthsel noch nicht gelöst. Die nun im Druck vorliegende Schrift wird tüchtigem Kennern und Kritikern Anhaltspunkte zu neuen Forschungen geben. Einstweilen mag deren Verfasserin zum Unterschied der genannten und anderer Namensverwandten immerhin Mechthild von Magdeburg genannt werden.

 

Vergessen wir indessen über der Dichterin und dem Aeussern der Handschrift nicht die Hauptsache, den Inhalt des merkwürdigen und seltenen Buches. In Bezug auf diesen verweise ich vor allem auf das was Greith in seinem oftgenannten Buche darüber sagt. Es würde auch zu weit führen, wollte ich mich hier in dem, wenn auch wundervollen und oft anmuthigen Irrgarten mittelalterlicher deutscher Mystik ergehen.

 

Eines vor —allem bitte ich zu bemerken, dass die Gattung Mystik in diesem Buche bedeutend verschieden ist von den spekulativen Schriften der etwas spätem Meister, besonders eines Meisters Ekhart und der sogenannten Gottesfreunde. Wohl wird dieses Wort auch einigemal von Mechthild genannt, wo es aber in einem allgemeinern Sinne zu nehmen ist, denn sie steht durchweg weit mehr auf dem Boden der Klosterregel, und ihre [XXVII] Visionen tragen fast ausschliesslich das Gepräge nicht von Vernunft—Spekulation, sondern von Gefühls— und Phantasie—Ergüssen. Der Unterschied von Auffassung und Sprache zeigt sich schon auffallend in einem kleinen, der Handschrift angehängten Fragment der Schrift eines Gottesfreundes (unten S. 283) das jedenfalls nicht von Mechtild herrührt.

 

Um indessen doch vom Inhalt Einiges anzuführen, lasse ich hier Greith reden:

 

Den Stoff für ihre Lieder, Betrachtungen und moralischen Lehren zog Mechthild aus dem Christenglauben und den selbsteigenen Erfahrungen ihrer mystischen Zustände. Sie feiert darin die innigen Bezüge Gottes und der Seele, welche die Minne vermittelt und nach unten das Wechselverhältniss zwischen Seele und Leib (Sinnlichkeit, Leichnam), welches durch die Begierlichkeit der Sünde zu einem gegenseitig feindseligen sich ausgebildet. Ihre didaktischen Sinnsprüche verbreiten sich über die Tugenden und Laster, die Vollkommenheiten und Mängel der Seele auf ihrem Pilgerzuge nach oben, und mit besonderer Vorliebe wählt sie zuweilen die Form des Zweigespräches, das sie zwischen Gott und der Seele, der Minne und der Seele, der Minne und der Erkenntniss und zwischen der Erkenntniss und dem Gewissen mit Gewandtheit zu führen weiss... Allein die „Offenbarungen“, die sie in den Stunden ihrer Beschaulichkeit empfangen, verbreiten sich auch noch über die jenseitigen Regionen der Hölle, des Fegfeuers und des Himmels mit eigenthümlicher Zeichnung. Sie beklagt wiederholt und nicht ohne eine gewisse Schärfe in der Weise der seligen Hildegardis den gesunkenen Zustand der Christenheit in Kirche und Reich, bei der Geistlichkeit und bei der Laienschaft, was, verbunden mit einigen gewagten Lehren, ihr auch die Misskennung von Seite ihrer Mitschwestern mag zugezogen haben, über die sie zum [XXVIII] öftern Klage führt. Die Erleuchtung, die ihr zu Theil geworden, will sie keiner Schule menschlicher Weisheit verdanken, „mit der man, wie sie irgendwo so schön sagt, viel gewinnen und auch viel verlieren könne;“ sie bezeugt gegentheils, selbe von oben herab erhalten zu haben.“

 

Die Ansichten und Ausdrücke in diesem Buche sind allerdings oft gewagt, und wer den streng dogmatischen Massstab anlegen wollte, könnte leicht Häretisches herausfinden. So sagt Mechtild von Maria: „Ir sun ist got und si göttine“ und an einer ändern Stelle heisst die Seele „aller creaturen göttine.“ Buch 2, Cap. 19 heisst es: So siht sie (die sele) werlich vnd bekenet, wie got ist allü ding in allen dingen. Nebst den Erläuterungen, die Greith (a. a. O.) über den Sinn solcher Aussprüche giebt, erwähne ich eine Stelle eines Mystikers aus derselben Handschrift, welche Mechthild’s Visionen enthält. Es heisst f. 169: Die heiligen sprechen: alle ding sint got, indeme alse si ewiklich in gotte gewesen sint. Nit also, de wir in gotte weren in der gropheit als wir nu sipt; wir waren in gotte ewiklich als die kunst in dem meister. Gott sach sich selben an und sach alle ding.

Auffallend ist in dogmatischer Hinsicht die Vision, worin die entzückte Schwester sah, wie der heilige Johann Baptist „der artnen Dirne Messe las“, obschon er ein Laie war.8 Es macht den Eindruck, als ob damit die Lehre von einem allgemeinen Priesterthume angedeutet werden wolle. Sie sagt aber zu ihrer Rechtfertigung später9

: „Dc Johanes Baptista der armen dirne messe sang, de wc nit fleischlich, es wc also geistlich, de die sele alleine beschöwete und gebruchte; aber der lichain hatte nit davon, dene er von der sele edelkeit in sinen menschlichen [XXIX] sinen mohte begriffen, darum müssen die wort menschlichen luten.“

 

Diese richtigen schönen Worte mögen auch zur rechten Auffassung sehr vieler anderer gewagter, ungewohnter Bilder und Worte einen Fingerzeig geben. Ich denke besonders hiebei an die, nach jetzigen Ansichten oft allzufreien Schilderungen geistlicher Minne, wobei man unwillkürlich an die unbefangene Naivetät frommer mittelalterlicher Künstler, germanischen sowohl als romanischen Stammes, in Darstellung des Sinnlich—Natürlichen, namentlich des Geschlechtlichen erinnert wird. Die heilige Schrift, zumal das Hohelied Salomons in seiner symbolischen Anwendung auf geistliche Minne, gab solchen Darstellungen eine höhere Weihe. Gleich zu Anfang von Mechtildens Visionen sind sechszehn Arten von Minne kurz beschrieben, die auffallendste derselben wohl:

 

Die tütesche mine von Gots lére,

 

Die böget sich noch zu einem kinde vil gerne.

 

Was ist diese deutsche Minne? Ist etwa mit dem zweiten Verse deren heilige Einfalt bezeichnet? Greith (S. 212) sagt: Die Wissenschaft und insbesondere die Poesie der christlichen Mystik hat zu aller Zeit in dem hohen Liede ein analoges Ideal für das gefunden was sie über den übersinnlichen Verkehr, der zwischen Gott und der Seele in der Minne waltet, auszusprechen versuchte... Wie die Reinen in der Anschauung des ewigen Geheimnisses, das in jenem Liede der Lieder seinen rein menschlichen Ausdruck gefunden, an den üppigen Bildern desselben keinen Anstoss nehmen, weil, wie der Apostel lehrt, den Reinen alles rein, den Unreinen aber alles unrein erscheint, so erregte es auch in der tiefsinnigen Zeit des Mittelalters selten ernsteres Bedenken, wenn die Mystiker in ihren Darstellungen eine Freiheit übten, wie solche in unserer Zeit schwer verletzen müsste.“

 

[XXX] Alles das rechtfertigt die Schilderungen unserer Dichterin um so mehr, weil eben dieselben mehr in’s Gebiet der Poesie als der Wissenschaft gehören. Poesie sind diese Ergüsse einer entzückten Seele und entbehren desswegen aller jener Formen der Wissenschaft, welche so oft nur zu sehr von dem Schönen sich entfernen. Es finden sich daher auch keine Citate, nicht einmal solche aus der heiligen Schrift, denn da ist Alles nur unmittelbare Schilderung innerer Seelenzustände. Wie diese wechseln, so wechseln, steigen oder fallen auch der Styl und die Sprache, die sich nicht selten in selbst auffallender Kraft und Schönheit erhebt. Mechthild spricht mit Recht zuweilen von einer Hofsprache: Ihren Gott grüsst sie „in der hovesprache, die man in diser kuchin nit vernimet.“ Diese Hofsprache ist keine andere als die dichterische und sie hat ihre äussern wie innern Schönheiten.

 

Mehr Wohlklang liegt schon überhaupt in diesem alten Hoch— oder Oberdeutschen und bei Mechthild wird es oft wahre Musik, und die Fülle von Keimen, Assonanzen, Alliterationen macht, eben weil sie ganz ungesucht, ganz Natur und kunstlos erscheint, desto mehr Wirkung. „Din wunder hat mich verwundet“ sagt z. B. Mechthild, und das ist kein Wortspiel, es kam ganz ungesucht im Zustand der Begeisterung, des Enthusiasmus, des Aussersichseins.

 

Mechthild selbst schildert gleich im zweiten Kapitel des Werkes, wie die Seele den Körper verlässt und zu Gott, ihrem Wirth, ihrem Bräutigam kommt und was sie da sieht und hört; kehrt sie dann in den Leib zurück, so fragt dieser: „Wa bist du nu gewesen? Du kumest so mineklich wider, schöne und creftig, frie und sinenrich?.. So sprichet si: Swig, morder, la din clagen sin“. Und wenn sie beifügt: „Das ist ein grüs, der hat manige ädern, der dringet usser dem vliessenden gotte in die armen, [XXXI] dürren seien ze allen ziten mit nuwer bekantnüsse und an nüwer beschowunge und in sunderliche gebruchunge (genuss) und nüwer gegenwiirtekeit“, so sind damit vier der wichtigsten Eigenschaften jeglicher ächten Begeisterung gezeichnet das Erkennen der Vernunft, das Schauen der Phantasie, das Geniessen des Gefühles und das Unmittelbare eines höheren Zustandes, das Conzentriren von Vergangenem und Künftigen in der Gegenwart, von Himmel und Erde, Hölle, Fegfeuer und Paradies im Auge der Seele. Diese vier Eigenschaften finden sich an Mechtildens Poesie. Der Denker wird in dieser Schrift, die dem nüchternen Verstand als Phantasterei erscheinen möchte Goldkörner tiefer Spekulation finden. Aus dem geistigen Schauen erklärt sich die Wahrheit und Lebendigkeit der Schilderungen so wie der einzelnen Bilder und der wirklich epische Gehalt vieler Visionen, vor allen derjenigen, die das Geheimniss der Menschwerdung des Sohnes Gottes schaut; (B. 5, Kap. 23) in welcher Lucifer und sein Diener Satanas als das feindliche Princip so trefflich geschildert ist, und die ausführliche Be Schreibung der typischen Bilder des Hungertuches sogar an den Schild des Achilles oder des Aeneas bei Homer und Virgil erinnert.

Derlei Schilderungen gehen oft in sinnreiche Allegorien über, von denen einige, vielfältig im Mittelalter in ähnlicher Weise behandelt wurden. So z. B. das Leiden Christi mit Anwendung auf das geistige Leben, Leiden und Sterben der Seele (B. 7, K. 53) oder „das geistliche Kloster“, unter welchem Titel nur in München allein vier alte deutsche Handschriften sich finden.10

 

[XXXII] Eine solche, welche diese Allegorie dem heiligen Bernhard zuschreibt, besitzt auch Einsiedeln.

 

Ausführlich und vortrefflich geschildert ist der goldene Pfennig der Messe, die Krone der Gemeinschaft der Heiligen, analog der goldenen Schmiede des Konrad von Würzburg, die Wohnung der Seele, die Hölle, das Fegfeuer und besonders lieblich das Paradies, wo jetzt noch Henoch und Elias wohnen. Ferner das geistliche Hofleben, des Ritters Streit, das Ruhelager der Gnade, die Kirche, der Adler der Betrachtung u. s. w.

 

Dabei gebricht der Dichterin oft das Wort. Vom Himmel weiss sie nicht mehr zu sagen

 

Als ein bini honiges

 

Vs einem vollen stok an sinem fuss mag getragen.

 

Dagegen fliessen die Worte bei Schilderung von grässlichen und schrecklichen Dingen, wie z. B. der Höllenpeinen, oder des Kampfes der Dämonen um eine scheidende Seele, nur zu reichlich, und es ist als ob solche Bilder mit gewisser Vorliebe ausgeführt seien. Auch das ist analog und im Geist der mittelalterlichen Kunst, vorzüglich der bildenden, die selbst einen Orcagna und Giovanni da Fiesole zu solchen Ungeheuerlichkeiten verleitete. (Vgl. z. B. S. 83.) Die plastische Darstellung der verschiedenen Abteilungen jenseitiger Räume, vor allem des Paradieses (B. 7, K. 57) und der Hölle (B. 3 K. 21), und der verschiedenen Strafen je nach Verschiedenheit der Sünde, erinnern an Dante, von welchem übrigens natürlich Mechtild keine Kenntniss haben konnte.

 

Solche entsetzliche Schilderungen finden sich auch in der Vision der letzten Zeit, der Zeit des Antichrists, in welcher dem Predigerorden eine grosse, schwere Aufgabe zugedacht ist.

 

[XXXIII] Neben diesen an’s Rohe streifenden Ausmalungen finden sich wieder die zartesten, reizendsten Bilder, wie etwa in der Beschreibung des Grabes des heiligen Apostels Johannes (B. 4, K. 23), bei welchem je zu sieben Stunden die Engel singen: „Zwischen! sinem lichamen und der schöpfnisse des himelriches ist nit me deiie ein dune want als eines eies hüt, und ist doch als ewig veste, das dar kein lichame me dur mag untz an den Jungesten tag.“ In reicher Fülle sprudelt der Quell der kleinsten poetischen Figuren, durch das ganze Werk, besonders im ersten Buche. Viele dieser Bilder kommen auch in der heiligen Schrift oder bei altern Dichtern vor. So nennt schon Ottfried die heilige Jungfrau: Taube ohne Galle; die meisten aber sind neu und um so lebendiger.

 

Poesie spricht auch aus einzelnen kurzen Sprüchen wie z. B.: „Wer von mine stirbet, den sol man in Gott begraben.“ Oder, wo vom Leben in Gott die Rede ist: „der visch mag im Wasser nit ertrinken etc;“ (S. 21). Gnade kommt von oben: „Das der adeler also hohe vlüget, de darf er nit der vwelen danken.“ Die Seele soll sich vor der Sünde hüten: „reht als ein müs, die in der vallen sitzet und wartet ires todes“. Einmal wird die Dichterin entzückt in Gott, „de si sich rehte vfhüp ane arbeit ir selbes und bewant (wand) sich rehte in die helige drivaltekeit, als ein kint sich bewindet in den mantel siner müter und leit sich rehte an ir brüst.“

 

Bei solcher Poesie klingt etwas prosaisch das vielfache Zerstückeln der Gedanken nach Zahlen, wie das ebenfalls in der Prosa des Mittelalters Manier war, und wie wir es fast durchweg bei Mystikern und Predigern z. B. bei Bruder Berchthold finden. Hievon finden sich in dieser Schrift Beispiele zur Genüge schon in den Kapitelaufschriften.

 

[XXXIV] Angenehm sind die Anklänge an Culturzustände und Sitten des Mittelalters. Das „Kaiserreich“ wird hochgehalten „es sol ŏch an der cronen (der Herrlichkeit Gottes) stan gebildet, gewiret und geblumet untz an den Jungesten geburen (Bauer) jemer danach wirdig de si gotte gedienet haut. Der Hof, das Ho flehen, das Höfische wird oft als Bild benutzt, wie schon aus der oben genannten Hofsprache erhellt, „die man nit in der kuche hört. Es begifit ein spil das der lichame mit weis, noch die dörper (Arbeiter) bi dem pflüge noch die ritter in dem turnei.“ Die Seele wird zu ihrer Hofreise gekleidet „mit den kleidern so man ze palaste tragen sol.“ Von dieser Hofreise spricht das Kap. 4 des ersten Buches und B. 4, Kap. 17: Von einer Frau die zu Hofe gern war. Merkwürdig ist in dieser Hinsicht auch das Kapitel (B. 3, 18) „von des ritters strite mit vollen waifenen wider die begerunge.“ Wollte, heisst es da z. B. ein im Streit ungeübter Mann

 

in fürsten turneien komen,

dem were schiere sin lip benoinen.

 

Darumbe niüs ich (sagt Gott) der hUe schonen,

 

die so lihte ze valle komen:

 

Die lan ich striten mit den kinden,

 

vf de si ein blümenschappel ze lone gewinen.

 

Auch der Kreuzztige wird an einigen Stellen Erwähnung gethan. Die Unsitte des Strassenraubes ergibt sich aus der oben angeführten Schilderung des Krieges in Sachsen und Thüringen, da es heisst: „Die die strasse röbent ze füsse, were kein urlüg, so weren sie diebe und valsche lute.“

 

Doch genug und vielleicht schon zu viel hievon. Ich übergebe nun die Schrift der Beurtheilung des Publikums, und hoffe, mit derselben einen schönen Beitrag zur Kenntniss älterer deutscher Litteratur geleistet zu haben. Wenn Mone (a. a. O.) bemerkt, Herr Greith habe die Werke der Mechtilde [XXXV] herausgegeben, so wird schon ein Blick in Greith’s, übrigens höchst werth—volles Buch über deutsche Mystik zeigen, dass nur ein geringer Theil des vorliegenden Werkes daselbst mitgetheilt ist. Dieser ist zudem, wie es des Buches Zweck und Leserkreis verlangte, in die neue Sprachweise übersetzt und endlich ist als Poesie grösstentheils nur das lyrische Minnelied und einiges didaktische und allegorische mitgetheilt, während gerade das poetisch Schönste und Erhabenste, wie z. B. das schon genannte Kapitel von der Menschwerdung Christi übergangen ist. Ueberhaupt möchte ich den epischen Gehalt des Werkes, als Dichtung betrachtet, als höher und auch für die Literaturgeschichte bedeutender ansehen, als den lyrischen, den Minnesang und ich hoffe darum, unsere Literarhistoriker, werden das Buch, so wenig Geschmack viele derselben in anderer Beziehung an ihm finden mögen, nicht ganz tibersehen.

Bei preussischen Gelehrten, die so Vieles für deutsche Sprache und deren Geschichte gethan, wird dieses Uebersehen um so weniger zu befürchten sein, da die Dichterin ihre Landsmännin ist. Nach einer Mittheilung des Herrn v. Ledebur hat um die gleiche Zeit eine andere Mathilde, nämlich eine Gräfin Mathilde von Sayn durch ihre in deutscher Sprache abgefassten Urkunden um die deutsche Sprache sich Verdienste erworben.11

So bieten sich frühe schon im Norden auf zwei der verschiedensten geistigen Gebieten zwei ebenfalls sehr verschiedene Frauen die Hand zur Ausbildung unserer deutschen Sprache, beide wahrscheinlich ohne ein solches Verdienst auch nur zu ahnen. Dem Predigerbruder, der diese Visionen niederschrieb, fällt ebenfalls ein Theil jenes Verdienstes zu, und ich wünsche) es möchte [XXXVI] auch der Benediktinerbruder, der so spät diese Schrift der Lesewelt mittheilt, nicht ganz leer ausgehen.

 

Vorläufig wird diese Ausgabe in der Ursprache einen kleinern Kreis von Lesern finden, es ist aber bereits dafür gesorgt, dass das Buch in Uebersetzung auch einem grössern Lesekreis zugänglich werde.

 

[1]

 

Von Offenbarungen einer liebhabenden Seel.


Ano domini MCCL fere per anos XV über iste fuit teutonice cuidam begine, quse fuit virgo sancta Corpore et spiritu per gratiam a domino inspirata,12

quse in humili simplicitate, in exu—lari paupertate, in oppresso conceptu, in coelesti eontemplatione ut in scriptura ista patet, plus quam XL anos domino devotissime servivit, sequens perfecte vestigia fratrum ordinis praedicatorum, de die in diem semper proficiens, semper melior se flebat. Con—scriptus autem a fratre quodam predicti ordinis et continet multa bona, prout in titulis praenotatur.

 

Dc trinitate II. lib. 3. Cap., III. lib. 9. C., IIII. 1. 12. et 14. C., V. lib. 26. 0.

 

Dc Christo II. 1. 3. C., IV. 1. 24. C., V. 1. 23. Cap.

 

Dc domina nostra L 1. 4. C., II. 1. 3. C., V. 1. 23. C. de IX ordinibus angelorü I. 1. 6. C., III. 1. 1. C., V. 1. 1. Cap.

 

Dc prerogativa quorundam Sanctorü IIII. 1. 20. et 21. et 23. Capitulo.

 

Dc malitia demonum IV. lib. 17. C., II. 1. 24. C., V. lib. 29. C., V. lib. 9. Cap.

 

Dc hominis dignitate I. 1. 44. C., IV. 1. 14. Cap.

 

Dc raptu et separatione anirnse a carne I. 1. 2. C.

 

Dc descriptione coeli III. 1. 1. C.

 

Dc descript. inferni III. 1. 21. C.

 

[2] Dc multiplici purgatorio II. 1. 7. Cap., III. 1. 15., 16. Cap., 1. XIV., 15. C.

 

Dc multis virtuiibus et vitiis I. 1. 22., 25. C., III. 1. 7. et 14. C., IV. 1. 4. Cap. et de caritate maxime III. 1. 13. Cap.

 

Dc praedicatoribus in fine mundi tempore antichristi IV. 1. 27. Cap. et de multis inauditis quae intelliges, si cum cre—dulitate, humilitate et devotione novies perlegeris librü istü. Hie est prophetia de preterito presenti et futuro. Hie est etiä distinctio trium personarü V. 1. 26. Cap.

 

In dem jare von Gottes geburte drizehendhalphundert jar, bi darnach fünfzehen jaren wart dis buch geoffent in tusche von Gotte einer swester, was ein helig maget beide an lip und an geiste. Si dienete Gotte andehtekliche in demutiger einvaltekeit, in eilender armüt in himelschem contemplierende, in verdrukter versmehte, me deiie vierzig jar, und nachvolgete vesteklich und vollkommenlich dem lichte und lere des predier orden; und nam für von tage zu tage und besserte sich tegelich. Aber das buch >samente und schreib ein brůder des selben ordens und vil gutes stat in disem buche von vil Sachen, als in den tavelen ist vor—gezeichent das solt du gelöblich, diemuteklich und andehteklich nfinstunt vberlesen.

[3]

 

Dis ist das erste teil dis bůches.


 

Dis buch sol man gerne enpfan, wafi got sprichet selber die wort.

 

Dis buch das sende ich nun ze botten allen geistlichen litten, beidv bösen und guten, wand wen die sule vallent, so mag das werk mit gestan, und ez bezeichent alleine mich, und meldet loblich mine heimlichkeit. Alle die dis buch wellen verneinen die söllent es ze nun malen lesen.


 

Dis buch heisset ein vliessendes lieht der gotheit.

 

Eia, herre got, wer hat dis buch gemachet. Ich han es gemachet an niiner vnmaht, wan ich mich an miner gäbe ntit enthalten mag. Eya herre, wie sol dis buch heissen, alleine ze dinen eren? Es sol heissen: ein vliessende lieht miner gotheit, in allü die herzen die da lebent ane valscheit.


I. Wie die mine und die kunegine zesamene sprachen.13

 

Die sele kam zu der mine

Und grfiste si mit tieffen sinnen

 

Und sprach: Got grusse vch vro mine.

 

Got lone vch, liebe vro kunegine.

 

Vrŏ mine ir sint sere vollekomen.

 

Vro künigine, des bin ich allen dingen oben,

 

Vro mine, ir hand manig jar gerungen,

 

Ê ir habint die hohen drivaltekeit darzü betwungen,

Das su sich hat alzemale gegossen

 

In Marien demütigen magetüm.

 

[4] Frowe künigine, das ist vwer ere und vrome.

 

Fro mine, ir hant mir benome

 

Alles das ich in ertrich je gewan.

 

Frowe künegin, ir hant einen seligen wehsei getan.

Frowe inine, ir hant mir benomen mine kintheit.

 

Frowe künegine, dawider han ich vch gegeben himelische vriheit.

Frowe mine, ir hant mir benomen alle mine jugent.

Frowe künigin, dawider han ich vch gegeben manig helige tugent.

 

Frowe mine, ir hant mir benomen gut fn’mde und mage.

 

Eia frowe künigin, das ist ein snödü klage.

 

Frowe mine ir hant mir benomen die weit, weltlich ere und allen weltlichen richtüm.

 

Fro. künig., das wii ich vch in einer stunde mit dem heiligen geiste nach

 

allem vweren willen in ertrich gelten.

 

Frowe mine, ir hant mich also sere betwungen, das min licham ist komen

in sunderlich krankheit.14

 

Frowe kün., dawider han ich vch gegeben manig hohe bekantheir.

Frowe mine, ir hant verzert min fleisch und min blut.

 

Frowe kün., damit sint ir gelütert und gezogen in got.

 

Frowe mine, vr sint ein röberine, deiioch sont ir mir gelten.

Frowe kün., do nement reht mich selben.

Frowe mine, n u hant ir mir vergolten hundert valt in ertriche.

 

Frowe kün., noch hant ir ze vordernde got und alle sine riche.


 

II. Von drien personen und von drien gaben.

 

Der wäre gottes grus, der da kumet von dem himelscheu flüt vs dem brunen der vliessenden drivaltekeit, der hat so grösse kraft, das er dem lichamen beniniet alle sine mäht, und machet die sele ir selben offenbar, das si sihet dich selben den heligen gelich und emphahet deiie an sich gotlichen schin, so scheidet die sele von dem lichamen mit aller ir macht, wisheite, liebin und gerunge; sunder das minste teil irs lebendes belibet mit dem lichame als in eiine süssen schlaffe. So sihet sü einen ganzen got in driü personen und bekenet die drie personen in eime gotte vngeteilet. So grusset er si mit der hove spräche die man in dirre kuchin nit vernimet, und kleidet sü mit den kleidern, die man ze den palaste tragen sol und git sich in ir gewalt. So mag sü bitten und vragen was si wil, des wirt si beriht. Warvmbe si mit beriht wirt, das ist du erste sache von drien. So zühet er si fürbas an ein heimliche stat. Da můs si [5] für nieman bitten noch fragen, wan er wil alleine mit ir spilen ein spil das der lichame mit weis, noch die dörper bi dem phlüge noch die Ritter in dem turnei, noch sin mifieklichl müter Maria, der mag si nüt gepflegen da. So swebent si fürbas an ein wunenriche stat, da ich nüt vil von sprechen mag noch wil. Es ist ze notlich; ich engetar, wan ich bin ein vil sündig monsche. Mer weile der endelose got die grundelose sele bringet in die höhin, so verlüret si das ertrich von dem wunder, und bevindet nüt, das si je in ertrich kam. Wefie das spil allerbest ist, so můs man es lassen. So sprichet der blüiende Got: Junefrö, ir müssent vch neigen, so erschriket si: Herre, nu hast du mir hie so sere verzogen, das <ich dich in minein lichamen mit keinem orden mag geloben, sunder das ich eilende lide und gegen dem lichame strite: So sprichet er: Eya, du liebü tube, din stimme ist ein seitenspil minen oren; dine wort sint wurtzen minem munde, dine gerunge sint die miltekeit miner gäbe. So sprichet sü: Lieber herre, es můs sin als der wirt gebütet. So er—süfzet si mit aller mäht, das der lip erweget wirt. So sprichet der licham: Eya frowe, wa bist du nu gewesen? Du kumest so mineklich wider, schone und creftig, frie und sinenrich. Din wandelen hat mir benomen minen smak, rüwe, farwe und alle min mäht. So sprichet si: Swig, morder, la din klagen sin; ich wil mich iemer hütten vor dir, das min vient verwundet sie, das wirret vns nüt, ich frowe mich sin.

 

Dis ist ein grüs, der hat manige ädern, der dringet usser dem vliessenden gotte in die armen, dürren seien ze allen ziten mit nüwer bekantnüsse, und an nüwer beschöwunge, und in sunderliche gebruchunge der nüwer gegenwürtekeit. Eya süs—licher got, fürig inwendig, blügende vswendig; nu du dis den minesten hast gegeben, mohte ich noch ervarn das leben, das du dinen meisten hast gegeben, darvmbe wolt ich dest langer qweln. Disen grüs mag noch můs nieman empfan, er si defie vberkomen und ze nihte worden.

 

In disem grüsse wil ich lebendig sterben;

 

Das wögen mir die blinden heligen niemer verderben.

 

Das sint die da minent vnd nit bekennent.


[6]

III. Von den megden der sele und von der mine schlage.15

 

Alle heilige cristanliche tilgende sint der seien megede. Der seien sfisser verdrutz claget der mine ir not:

 

Die sele: Eya allerliebeste jungfrowe,

 

Nu hast du lange min kamerin gewesen;

 

Nu sage mir, wie sol ich darane— wesen.

 

Du hast mich gejagt, gevangen, gebunden,

 

Und so tief gewundt,

 

Das ich nierner werde gesunt.

Du hast mir manigen kulenschlag geben;

 

Sage mir, sol ich ze jungest vor dir genesen?

 

Wirde ich nüt getödet von diner hant?

 

So were mir bas, das ich dich, nie hotte bekant. Die mine: Das ich dich jagete, das luste mich;

 

Das ich dich vierig, des gerte ich;

 

Das ich dich bant, des frŏwete ich mich,

 

Do ich dich wundete, do wurde du mit mir vereinet,

 

So ich dir kuline schlcge gibe, so wirde ich din gewaltig.

 

Ich han den almehtigen got von dem himelrich getriben

 

Und han ime benomen sin menschlich leben

 

Und han in mit eren sinein vatter widergegeben.

 

Wie mögest du, sriöder wurm, vor mir genesen.

 

Die sele: Sprich, min keiserine, ich vorhte ein kleine heimeliche arzenie,

 

Die mir got dikke hat gegeben,

 

Das ich von derselben möge genesen.

 

Die mine: So man die gevangenen nüt wil haben tot,

 

So git man inen wasser und brot.

 

Die artzenie, die dir got dikke hat gegeben,

 

Das ist anders nüt dene ein vristtinge in dis menschliche leben.

 

Sweiie aber kirnt din ostertag,

 

Und din lichame enpfat den totschlag,

 

So wil ich dich alumbe van

 

Und wil dich aldurch gän,

 

Und wil dich dime licham Stelen

 

Und wil dich dime liebe geben.

 

Die sele: O mine, disen brief han ich us dinem munde geschriben, nu

 

gib mir frowe din ingesigel.

 

Die mine: Swer got je vber sich selben liep gewan, der weis wol, wa

 

er das ingesigel nemen sol; es lit zwischent uns z wein.

 

Die sele spricht: Swig liebe, sprich nüt me.

 

Genigen sie dir aller juncfrowen liebeste

 

Von allen creaturen und von mir.

 

[7] Sage minem lieben, das sin bette bereit sie

 

Und das ich minesiech nach iine bin.

 

Ist dirre brief ze lang, das ist des schult: Ich war in der

matten, da ich manigerleige blümen want. Dis ist ein süsse jamer clage: Wer von mine stirbet, den sol

 

man in gölte begraben.


IV. Von der hovereise der sele an der sich got wiset.16

 

Sweiie die arme sele kumet ze hove, so ist si wise und wolgezogen; so siht si iren got vrölichen an. Eya, wie lieplieh wirt si da enpfangen. So swiget si und gert vnmesseklich sines lobes. So wiset er ir mit grosser gerunge sin götlich herse. Das ist gelich dem roten golde das da brifiet in eime grossen kolefüre. So tut er si in sin glügendes herze alse sich der hohe ftirste und die kleine dirne alsust hehalsent und vereinet sint als wasser und win. So wird si ze nihte und kumet von ir selben, alse si mit mere mögi, so ist er minesiech nach ir, als er je was, wan im gat (weder) zu noch abe. So spricht si: herre, du bist min trost, min gerunge, min vliessender bruiie, min sune, und ich bin din Spiegel. — Dis ist ein hovereise der minenden seien, die ane got mit wesen mag.


 

V. Von dem qwale und von dem lone der helle.

 

Min licham ist an langer qwale, min sele.ist an hoher—wuiie, wan si hat beschowet vnde mit armen vmbevangen iren lieben alzernale. Von ime hat si die qwale, die vil arme. So zuchet er si, so vlüset si. Si kan sich mit enthalten, vntz er sü bringet in sich selber. So spreche si gerne und si emnag. So ist si gar verwunden in die wunderlichen drivaltekeit mit hoher einunge. So lat er si ein kleine, das si geron möge. So gert si sines lobes, das kan si nach irem willen mit vinden. Ja si wolte das er si zu der helle senden wolte, vf das er von allen creaturen über vnmasse gelobet werde. So sihet si in an und sprichet im zu: Herre gip mir dinen segen. So sihet er si an und zühet si wider, und git ir einen grůs,

 

[8] Dem der licham sprechen nit müs.

 

So spricht der licham zu der sele:

 

Wa bist du gewesen? Ich mag nit me.

 

So spricht die sele: Swig, du bist ein tore.

 

Ich wil mit mime liebe wesen,

 

Soltest du niemer me genesen.

 

Ich bin sin fröde, er ist min qwale.

 

Dis ist ir qwale, niemer müsse si genesen.

 

Dise qwale müsse dich bestan,

 

Niemer müsest du ir entgan.


 

VI. Von den nun koren wie sie singent.

 

Nu höre, liebü, höre mit geistlichen oren, sust singent die nun köre:

Wir loben dich herre das du uns hast gesuchet mit diner demütikeit: W. l. d. h. d. d. u. h.17

behalten mit diner barmherzekeit.

 

W. l. d. h. d. d. u. h. gehöret mit diner smahheit.

 

W. l. d. h. d. d. u. h. gefuret mit diner miltekeit.

 

W. l. d. h. d. d. u. h. geordent mit diner wisheit.

 

W. l. d. h. d. d. u. h. beschirmet mit diner gewalt.

 

W. l. d. h. d. d. u. h. gehelget mit diner edelkeit.

W. l. d. h. d. d. u. h. gewisset mit diner heimlichkeit.

W. l. d. h. d. d. u. h. gehohet mit diner mine.


 

VII. Von gottes vluch in ahte dingen.

 

Ich vlüche dir: din lichame müsse sterben,

 

Din wort müsse verderben

Din ŏgen müssen sich schliessen,

 

Din herze müsse vliessen,

Din sele müsse stigen,

 

Din licham müsse bliben.

Dine mönschliche sine müssin vergan,

Din geist müsse vor der heligen drivaltekeit stan.


 

VIII. Der minste lobet got an zehen dingen.

 

O du brenender berg, o du vserwelte sune!

 

O du voller mane, o du grimdeloser brune!

 

O du unreichhaftü hohl, o du klarheit ane masse!

 

O wisheit ane grünt!

 

O barmherzikeit ane hinderunge!

 

O sterki ane widersatzunge!

O Crone aller eren!

Dich lobet der minste, den du je geschüffe!


[9]

 

IX. Mit drin dingen tvonestu in der hohin.

 

Die da brinent in der waren mine und uf einen steten grünt buwent der warheit und fruht bringen mit vollem huffen des seligen endes, die wonent in der höhin.

 

Glosa: das ist vber seraphin.


 

X. Der got minet der angesiget drin dingen.

 

Swelcher mönsch die weit vbersiget

 

Und sime lichamen allen vnnutzen willen benimet

 

Und den tüvel überwindet,

 

Das ist die sele die got minet.

 

Tut ir die weit einen stoss,

 

Davon leidet si kleine not.

 

Tut i r das vleisch einen wank,

 

Davon wirt der geist nüt krank.

 

Tut ir der tüvel einen blik,

Das achtet die sele aber niht;

Si minet und si minet

 

Und si kan anders nit beginen.


 

XI. Vier sint an dem strite gottes.

 

O tube ane gallen! O maget ane sere!

O Ritter ane wunden! O kneht vnverzaget!

Das sint die vier die gotte in sinem strite wol behagent.


XII. Die sele lobet got an fünf dingen.18

 

O keyser aller eren! O Crone aller fursten! O wisheit aller meistern! O geber aller gäbe! O löser aller gevangnisse.


 

XIII. Wie got kumet in die sele.

 

Ich kum zu miner lieben Als ein töwe vf den blümen,


 

XIV. Wie die sele got enpfahet und lobet.

 

Eja fröliche anschowunge! Eya liepliche grůs! Eja minek—liche vmbehalsunge! Herre din wunder hat mich verwundet, din gnade hat mich verdruket. O du hoher stein, du bist so wol durgraben, in dir mag nieman nisten dene tuben vnd nahtegal.


[10]

 

XV. Wie got die sele enpfdhet.

 

Siest wilkomen liebü tube, du hast so sere geflogen in dem ertriche, das dine vedern sint gewahsen in dem himelriche.


 

XVI. Got gelichet die sele vier dingen.

 

Du smekest als ein wintrtibel, du ruchest als ein baisam, du lühtest als du sufie, du bist ein zünemunge miner höchsten mine.


 

XVII. Die sele lobet got an fünf dingen.

 

O du giessender got an diner gäbe!

O du vliessender got an diner mine!

 

O du brenender got an diner gerunge!

 

O du smelzender got an der einunge mit dinem Irebe!

O du ruwender got an minen brüsten, ane die ich mit wesen mag!


 

XVIII. Got gelichet die seien fünf dingen.

 

O du schone rose in dem dorne! O du vliegendes bini in dem honge! O du reinü tube an dinem wesende! O du schönü sune an dinem schine! O du voller mane an dinem stände! Ich mag mich nit von dir gekeren.


 

XIX. Got liebkoset mit der sele an selis dingen.

 

Du bist min legerkussin, min mipckliches bette, min heirn—ichestü rüwe, min tiefeste gerunge, min höhste ere. Du bist ein lust miner gotheit, ein trost miner mSnscheit, ein bach miner hitze.


 

XX. Die sele widerlobet got an selis dingen.

 

Du bist min spiegelberg, ein ŏgenweide, ein verlust min selbes, ein stürm mines hertzen, ein val und ein verzihunge miner g^walt, min höhste Sicherheit.


 

XXI. Von der bekantnisse und von der gebruchunge.

 

Mine ane bekantnisse

 

Dunket die wisen sele ein vinsternisse.

 

Bekantnisse ane gebruchunge

 

Dunket si ein helle pin.

 

Gebruchunge ane mort kan si nit verklagen.


[11]

XXII. Von Sante Marien botschaft und wie ein lugent der ändern volgety und toie die sele ein iubilus der drivaltekeit wart gemachot und wie sante Maria alle heligen gesöget unde noch söget19

.

Der süsse töwe der vnbeginlicher drivaltekeit hat sich gesprenget vs dem bruiien der ewigen gotheit in den blümen der vserwelten maget, und des blümen fruht ist ein vntötlich got, und ein tötlich mensche und ein lebende trost des ewigen liebes, und vnser losunge ist brütegöm worden. Die brut ist trunken worden von der angesihte des edeln antlütes. In der grösten sterki kunt si von ir selber, und in der grösten blintheit sihet si allerklarost. In der grösten klarheit ist si beide tot und lebende. Je si lenger tot ist, je si vrölicher lebt. Je si vfö— licher lebt, je si mer ervert. Je si miner wirt, je ir me au fhisset. Je sisich mere vörhtet20

Je si richer wirt je si armer ist. Je si tiefer wonet, je si breiter ist. Je si gebietiger ist, je ir wunden tieffer werdent. Je si mer stürmet, je got miiienk—licher gegen ir ist. Je si hoher s webet, je si schöner lohtet von dem gegenblik der gotheit, je si im naher kunt. Je si mer arbeitet, je si sanfter rüwet. Je si mer begriffet, je si stiller swiget. Je si luter rftffet, je si grosser wunder wirket mit siner kraft nah ir macht. Je sin lust me wahset, je ir brutloft grosser wirt, je das minebet enger wirt. Je die vmbehalsunge naher gat, je das muntkussen süsser smekket. Je si sich mineclicher ansehent, je si sich nöter scheident. Je mer er ir gibet, je mer si verzert, je me si hat. Je si demüteklicher vrlop nimt, je e si wider kunt. Je si heisser blibet, je si e entfunket. Je si mere brennet, je si schöner lühtet. Je gottes lob mer gebreitet wirt, je ir girheit grosser blibet.

Eya war vart vnser loser brütgöm in dem jubilus der heligen drivaltekeit. Do got nit me mohte in sich selben, do mähte er die seien und gab sich ir ze eigen von grosser liebi. Wovon bist du gemachet, sele, das du so hohe stigest über alle creaturen, und mengest dich in die heligen drivaltekeit vnde belibest doch [12] gantz in dir selber?21

Du hast gesprochen von minem anegenge, nu sage ich dir werlich: Ich bin in derselben stat gemachet von der miiie, darvmbe mag mich enkein creature nach miner edelen nature getrosten noch entginen defie allein die miiie. Vrŏwe sant Maria, dis Wunders bist du ein müter. Weile ge—schach dir das? Do vnsers vatter jubilus betrübet wart mit adames valle, also das er müste zürnen. Do enphieng die ewige wisheit der almehtigen gotheit mit mir den zorn. Do erweite mich der vatter ze einer brut, das (er) etwas ze minende hette, wand sin liebü brut was tot, die edel sele. Vnd do kos (erkies) mich der sun zu einer müter, und da enpfieng mich der helig geist ze einer trutiiie. Do was ich alleine brut der heligen drivaltekeit und müter der weisen, und trüg si für gotz ŏgen, also das si nit ze male versunken als doch etliche taten. Do ich also müter was maniges edeln kindes, do wurden mine brüste also vol der reinen vnbewollener milch der waren muten barmherzekeit, das ich sogete die propheten und die wissagen e dene got geborn wart. Darnach in miner kintheit sogete ich Jesum; fürbas in miner jugent sogete ich gotz brut die heligen cristanheit bi dem crütze, das ich also dürre und jemerlich wart, das das swert der vleischlicher pine Jesu sneit geistlich in min sele. Do stünden offen beide, sine wunden und ir brüste. Die wunden gussen, die brüste vlussen also, das lebendig wart die sele und gar gesunt. Do er den blanken roten win gos in iren roten munt, do si alsust vs den offen wunden geborn und lebendig wart, do was si kindesch und vil jung. Solte si do nach irem tode und ir geburt volleklich genesen, so müste gottes müter ir müter und ir ame sin. Gotte, es was und ist wol billich. Got ist ir rehter vatter und si sin rehtú brut, und si ist im an allen iren liden glich Vrŏwe in dinem alter sögetost du die heligen aposteln mit diner müter—lichen lere und mit dinem creftigen gebette, also das Gott sin ere und sinen willen an inen tete. Vrŏwe, also sögetestu da und sögest noch die martyrer in iren herzen mit starkem geloben, [13] die bihter mit heliger beschirmunge an iren oren, die megde mit diner küscheit, die wittewen mit stetekeit, die durehten mit miltekeit, die Sünder mit der bittunge.

 

Vrŏwe, noch müst du uns sögen, wan dine brüste sind noch also vol, das du nüt mäht verdruken. Woltostu nit sögen me, so tete dir die milch vil we. Wan werlich ich han gesehen dine brüste so vol, das siben stralen gussen, alzemale us von einer brüste vber minen lip und vber min sele. In der stunde be—nimest du mir ein arbeit, die kein Gotzfrünt mag getragen one herzeleit. Alsust solt du noch sögen bis an den jüngsten tag, so inftst du ersihen, wan so sint gotz kint und dinü kint gewenet und volle gewahsen in dem ewigen lip. Eja, darnach sollen wir bekenen und selien in unzellicher lust die milch und ŏch dieselbe brust, die Jesus so dikke hat gekust.


XXIII. Du solt beten, de dich got mine sere dikke unde lange so wirdest du reine, schone und lange.22

 

Eya herre, mine mich sere und mine mich dike und lange; wände je du mich dikker minest, je ich reiner wirde; je du mich serer minest, je ich schöner wirde; je du mich langer minest, je ich heliger wirde hie in ertrich.


 

XXIV. Wie got antwurtet der sele.

Das ich dich mine dikke, das han ich von nature, wan ich selbe die mine bin. Das ich dich sere mine, das han ich von miner gerunge,23 wan ich gere das man mich sere miüe.24

Das ich dich lange mine, das ist von miner ewekeit, wan ich ane ende bin.


 

XXV. Von dem ivege pine ze lidene gerne dur got.

 

Got leitet sinü kint, die er vserwelt hat wunderliche wege. Das ist ein wunderlich weg und ein edel weg und ein helig weg, den Got selber gieng, das ein mensche pine lide ane sünde [14] und ane schulde. In disein wege frŏwet sich die sele, die nach got jamerig ist, wan si frŏwet sich von nature ze irem herren, der dur sine woltat manige pine, gelitten hat. Und sin lieber herre der himelsche vatter gap sinen liebsten sun, das er gepingot wart von den beiden, und gemarterot von den Juden ane sine schulde. Und ist die zit komen de etlich lüte die geistlich schinent gotz kint pingent am übe und marterent an dem geiste, wan er wil si sinem lieben sune geliehen, der an übe und an sele gepinget wart.


 

XXVI. In disen weg zuhet die sele îr sine und ist vrî ane herzeleit.

 

Es ist ein selzen und ein hoher weg, da wandelt du getrüwe sele ine und leitet na ir die sine, als der sehende tut den blinden. In disem weg ist vri die sele und lebt ane herzeleit, wan si wil anders nit defie als ir herre, der allti ding uffen das beste tut.


 

XXVII. Wie du siest wirdig dis weges und în behaltest und vollekomen siest.

 

Drü ding machent einen des weges wirdig, das er in er—kene und körne darin. Dc erste, de der mönsche sich selber twinget in gotte ane alle meisterschaft und die gottesgnade heleklich behalte und willekliche trage, in verzihunge aller dingen nach dez menschen willen. Das ander behaltet den menschen in dem wege das im allü ding ze danke sint ane allein die stinde. Das dritte machet den menschen vollekomen in dem wege, de man allü ding glichlich gotte ze eren tu, wan min snödeste notdurft wil ich got also hohe reiten, als ob ich were in der hohesten contemplacie, da ein mensch inkomen mag; warumbe, (den) tun ich es in einer liebin gotte ze eren, so ist es alles ein. Swenne ich aber sünde, so bin ich an disern wege nit.


[15] XXVIII. Die mine sol sin mortliph âne masse âne vnderlass, de ist toren torheit.25

 

Ich frŏwe mich, de ich minen můs den der mich miiiet und gere des, de ich in mortlieh mine ane masse und ane underlas: Vr6we dich, min sele, wan din leben ist gestorben von mine dur dich, und mine in so ser, de du mögest sterben dur in, so brefiest du jeiner mere vnverlöschen als ein lebend funke in dein grossen füre der lebend majestat.

 

So wirst du minefüres vol,

 

Damit dir hie ist so wol.

Du darfst mich nit me leren,

 

Ich enmag mich nit von der mine keren;

Ich můs ir ge van gen wesen,

 

Ich mag anders nit geleben. —

 

Da si wonet, da mag ich beliben

 

Beide, an tod und an übe.

 

Das ist der toren torheit,

 

Die lebent ane herzeleit.


 

XXIX. Von der schoni des brutegomes und wie wi die brutini volgen sol.

 

Vide mea sponsa: Sich wie schöne min ŏgen sint, wie reht min munt si, wie fürig min herze ist, wie geringe min hende sint, wie snel min füsse sint und volge mir. Du solt gemartert werden mit mir, verraten in der abegunst, gesüchet in der vare, gevangen in dem hasse, gebunden in höresagen, din ŏgen verbunden de man dir die warheit nit wil bekenen, gehalsschlaget mit dem grime der weite, fvr gerillte gezogen an der bichte, georschlaget mit der büsse, ze herode gesant mit dem spote, entkleidet mit dem eilende, gegeiselt mit dem armüte, gekrönet mit bekorünge, angespiet mit der smahheit, din crüze tragen in dem hasse der sünden, gecrüzegot in verzihunge aller dingen nach dinem willen, genegelt an das crüze mit den heligen tugenden, gewundot mit der mine, sterben an dem crüze in heliger bestandunge, in din herze gestochen mit steter eintrage, von dem crüze gelöset in warem sige aller diner [16] vienden, begraben in der unahtbai’keit, uferstan von dem tode in einem heligen ende, ze himel gevarn in einem zuge gotz atemes.


 

XXX. Von den siben ziten.

 

Mettin: minen vol in süsse wol. Prime: minen gere ein süsse swere. Tercie: minen lust ein susse turöt. Sexte: minen vülen ein süsse külen. None: minen tot ein süsse not. Vesper: minen vliessen ein süsses giessen. Complet: minen rüwen ein süsses frŏwen.


 

XXXI. Du solt nit ahten smahheit.

 

Ich wart versmehet sere, do sprach vnser herre: la dich nit sere wundern; sit de here drisem vas so sere verworfen und angespiet wart, was sol dene dem essig vas geschehen, da nüt gutes ine von im selber ist?


 

XXXII. Du solt nit ahten eren, pine, gut betrübdi an der sunden.

 

So man dir ere bütet, solt du dich schämen; so man dich pineget, so solt du dich vrŏwen; so man dir gut tut, so solt du dich vörhten; so du wider mich tust, so solt du dich betrüben von herzen. Mäht du dich nit betrüben, so sich wie sere und wie lange ich dur dich betrübet was.


 

XXXIII. Von der pfrunde trost und mine.

 

Min sele sprach alsust zu irem lieben: Herre din miltekeit ist die prünende mines lichamen wunderliche, dine barmherzig—keit ist der trost miner sele sunderlich. Die mine ist die rúwe mines lebens ewiklich.


 

XXXIV. Du solt sin in der pine ein lamp, ein turteltube, ein brût.

 

Du bist min lamp an diner pine.

 

Du bist min turteltube an diner süfzunge.

 

Du bist min brut an diner beitunge.


[17] XXXV. Die wostin hat zwölf ding.26

 

Du solt minen das niht,

 

Du solt vliehen das iht,

Du solt alleine stan

 

Und solt zu nieman gan.

 

Du solt sere unmüssig si’n

 

Und von allen dingen wesen vrî.

 

Du solt die gevangenen enbinden

 

Und die vrien twingen.

Du solt die siechen laben

 

Und solt doch selbe nit haben.

 

Du solt das wasser der pine trinken

 

Und das für der mine mit dem holtz der tilgende entzünden,

 

So wonest du in der waren wüstenunge.


 

XXXVI. Von der bosheit gilt in und wundere.

 

Mit der bosheit diner vienden solt du gezieret werden. Mit den tilgenden dines herzen solt du gelieret werden. Mit dinen guten werken solt du gecrönet werden. Mit vnser zweiger (Zweier) mine solt du gehöhet werden. Mit minen lustlichen wunder solt du geheliget werden.


 

XXXVII. Die sele antwurtet got, de si wirdig sî der gnaden.

 

O vil liebe! vnschuldiger smacheit lustet mich,

 

Herzeklicher tugenden beger ich,

 

Guter werken han ich leider nit,

 

Unser zweiger mine die verderbe ich,

 

Dines schonen wunders bin ich gar vnwirdig.


 

XXXVIII. Got rümet sich de die sele überwunden hat vier sunde.

 

Unser herre rumet sich in himelriche

 

Siner minenden sele, die er hat in ertriche,

 

Und spricht: Sehent wie si kunt gestiegen,

 

Die mich verwundet hat.

 

Sie hat den äffen der weit von sich geworfen,

 

Si hat den beren der vnküschi vberwunden,

Si hat den löwen der hochmuti nnder ir fasse getreten,

 

Si hat dem wolf der girheit sinen rans zerrissen

 

Und kunt gelöffen als ein verjageter hirze

 

Nach dem brunen der ich bin.

 

Si kumet geswungen als ein are

Usser der tieffi in die hohin.


[18]

XXXIX. Got v raget die sele was sî bringe.27

 

Du jagest sere in der mine.

 

Sage mir, was bringest du mir, min kunigine.


 

XL. Des antwurt si im de besser ist defie vier ding.

 

Herre, ich bringe dir mine kleinöter:

 

Das ist grösser defie die berge, es ist breiter deiie die weit, tieffer defie das mer, hoher defie die wölken, schöner defie die sone, manigvaltiger defie die sterne; es wiget me defie alles ertrich.


 

XLI. Got vraget mit einem lobe, icie das cleinöter heisse.

Dein28

bilde miner gotheit, gehert mit miner menschheit, gezieret mit minem heligen geiste, wie heissent dinü kleinöter?


 

XLII. Das cleinöter lieisset des herzen lust.

 

Herre, es heisset mins herzen lust, den han ich der weite entzogen, mir selben erhalten und allen creaturen versaget; nu mag ich sin mit fürbas getragen. Herre, war sol ich in legen?


 

XLIII. Dinen lust leg in die drivaltekeit.

 

Dines herzen lust solt du nienar legen defie in min götlich herze und an min menschlich brüste. Da alleine wirst du getrost und mit minem geiste geküsset.


 

XLIIII. Von der mine weg an siben dingen, von drm kleiden der brüte und vom tanze.

 

Got spricht: Eja minendü sele, wilt du wissen wielich din weg si?

 

Du sele: Ja lieber heliger geist, lere mich es. Also du kumest über die not des rirwen und über die pine der bihte, [19] und über die arbeit der Msse, und über die liebe der weite, und über die bekorunge dez tüvels, und über die überflüssekeit des vleisches und über den verwassenen eigenen willen, der inanig sele zeruggen zühet so sere, de si niemer zu rehter liebin kunt, und so du alle dine meisten viende hast nidergeschlagen, — so bist du also müde, de du den sprichest: Schöner jungeling, mich lustet din; wa sol ich dich vinden? So sprichet der jungeling:

 

Ich höre ein stime,

 

Die Ititet ein teil von ininen.

 

Ich han si gefriet m an igen tag,

 

Dc mir die stime nie geschach.

 

Nu bin ich beweget,

Ich můs ir engegen.

 

Sü ist diejene, die kunber und mine mitenander treit.

 

Des morgens in dem towe, de ist die besclossen inekeit,

Die erst in die sele gůt.

 

So sprechent ir kamerere, de sint die fünf sinne:

 

Die sine: Vrŏwe ir söllent vch kleiden.

 

Die seele: Liebe, wa sol ich hin?

 

Sine: Wir han das rnnen wol verneinen, Der fürste wil vch gegen komen In dem töwe und in dem schonen vogelsange. Eja frowe, so sument nit lange.

 

So zühet si an ein hemede der sanften demütikeit, und also demütig, de si vnder ir nit mag geliden. Darvber ein wisses kleit der luteren küschekeit, und also reine, de si an gedenken, an worten, noch an berürunge mit me mag geliden, de si bevlekken möge. So nimet si vmbe einen mantel des heligen geruchtes, den si vergolten hat mit allen tagenden.

So gat si in den walt der gesellesehaft heiliger lüteu. Da singent die allersüsseste nähtegale der getemperten einunge mit gotte tages und nahtes, und rnanig sftsse stime hört si da von den vögeln der heligen bekantnüsse. Noch kam29

der jungeling mit. Nu sendet si botten vs, wan si wil tanzen, und sant vmb den geloben abrahe, und vmb die gerunge der propheteu und vmb die kusche diemütekeit mser vrŏwen Sante Marien, und [20] vmb alle die helige tugende Jesu ehristi, und vmb alle die frümekeit siner vserwelten. So wirt da eine schone loptantzen. So kunt der jungeling und spricht ir zu: Junkfrowe, alsust fromeklich sont ir nachtantzen, als üch mine vserwelten vorgetantzet hant. So spricht si:

 

Ich mag nit tanzen, herre, du enleitest mich,

 

Wut du das ich sere springe,

 

So müst du selber voran singen.

 

So springe ich in die mine.

 

Von der mine in bekantnisse,

 

Von bekantnisse in gebruchunge,

 

Von gebruchunge über alle menschliche sine.

Da wil ich bliben und will doch vürbas crisen.

 

(Wie die brut singet) Unde můs der jungeling singen alsus dur mich in dich und dur dich von mir gerne mit dir, von dir note. — So sprichet der jungeling: Juncfrŏwe, dirre lobetantz ist vch wol ergangen. Ir süllent mit der megde sun vwern willen han, wan ir sint nu inenkliche müde, kument ze mittem tage zu dem brunen schatten in das bette der mine, da sont ir üch mit im erkulen. So spricht die jungfrŏwe:

 

O herre, das ist vbergros, Dc du ist diner mine genos, Du nit mine an ir selber hat, Si werde e von dir beweget.

 

So spricht die sele zu den siiien, die ire kammerere sint: Nu bin ich ein wile tanzens müde. Wichent mir, ich můs gan, do ich mich erküle. So sprechent die sine zu der sele: Vrŏwe, wellent ir vch külen in den mine trehneri Sante Maria Magdalene, da mag vch wol benügen. Die sele:

 

Swigent, ir herren; ir wissent nit alle was ich meine.

Lant mich ungehindert sin;

 

Ich wil ein wenig trinken den vngemengeten win.

 

Sine: Vrŏwe, in der megde küschikeit

 

Ist die grosse mine bereit.

 

Seele: Das mag wol sin, das enist das hohste nit an mir.

 

Sine: In der marterer blute mögent ir vch sere külen.

 

Seele: Ich bin gemartert so manigen tag,

 

Dc ich dar nu nit komen mag.

 

[21] Sine: In dem rate der bihteren wonent reine lüte gerne.

 

Seele: Mit rate wil ich jemer stan, Beide tun und lan, Doch mag ich nu dar nüt gan.

 

Sine: In der aposteln wisheit

 

Vindent ir grosse Sicherheit.

 

Seele: Ich han die wisheit bi mir hie,

 

Damit wil ich je zem besten kiesen»

 

Sine: Vrŏwe, die engel sint klar Und schöne minevar; Went ir üch külen, so hebent vch dar.

 

Seele: Der engelen wune tut mir minen we,

 

Swene ich iren herren und minen brütgöme nit anseh.

 

Sine: So külent vch in dem heligen herten leben, Dc got johani baptisten hat gegeben.

 

Seele: Zu der pine bin ich bereit,

 

Jedoch gat der mine kraft vber alle arbeit.

 

Sine: Frowe, went ir vch minekliche külen, So neigen t vch in der jungfrŏwen schos Ze dem kleinen kint., und sehent und smekent, Wie der engel frode von der ewigen maget Die unnatürlichen milch sog.

 

Seele: Dc ist ein kintlich liebi,

 

Das man kint söge und wiege; Ich bin ein voilewachsen brüt, Ich wil gan nach minem trüt.

 

Sine: O Frowe, körnest du dar,

 

So müssen wir erblinden gar,

Wan du gotheit ist so fürig heis,

 

Als du selb wol weist,

 

Das alles für und alle die glüt

 

Das den hiniel und alle heligen lühten tut,

 

Und brenften, das ist alles geflossen

 

Usser sinem götlichem ateme,

 

Und von sinem menschlichen munde

 

Von dem rate des heligen geistes;

 

Wie macht da beliben ioch eine stunde?

 

Seele: Der visch mag in dem wasser nit ertrinken, Der vogel in dem lüfte nit versinken. Das gold mag in dem füre nit verderben, Wan es enpfät da sin klarheit und sin lühtende varwe. Got hat allen creature das gegeben, Das si ir nature pflegen;

 

[22] Wie möhte ich den miner nature widerstan?

 

Ich muste von allen dingen in got gan,

 

Der min vatter ist von nature,

 

Min brůder von siner mönscheit,

 

Min brütegöm von mine

 

Und ich sin ane anegenge.

 

Went ir, das ich nit enpfinde ire wol?

 

Er kan beide, kreftiglichen brenen und trostlichen kulen.

 

Nu betrubent vch nit ze sere.

 

Ir söllent mich noch leren.

 

Swene ich widerkere,

 

So bedarf ich vwer lere wol,

 

Wan das ertrich ist maniger strikke vol.

 

So gat die allerliebeste zu dam allerschönesten in die ver—holnen kamern der vnschuldigen gotheit: da vindet si der mifie bette und mine gelas, und gotte und menschliche bereit. So spricht unser herre: Stant, vrovve sele. — Was gebütest du herre? — Ir sont vs sin. — Herre, wie sol mir defie geschehen? — Frow sele, ir sint so sere genaturt in mich, de zwischen! vch und mir nihtes nit mag sin. Es enwart nie engel so her, dem das ein stunde wurde gelitten, das vch eweklich ist gegeben. Darumbe sont ir von vch legen beide, vorhte und schäme und alle iiswendig tugent. Wer alTeinc die ir binen vch tragent von nature, den sont ir eweklich enpfiuden wellen. Das ist vwer edele begerunge und vwer grundelose girheit, die wil ich eweklich erfüllen mit miner endelosen rniltekeit.

 

Herre, nu bin ich ein nakent sele,

 

Und du in dir selben «in wolgezieret got

 

Unser zweiger gemeinschaft

 

Ist das ewige liep ane tot

 

So geschihet da ein selig stille

 

Nach ir beider wille.

Er gibet sich ir und si git sich ime.

 

Was ir nu geschehe de weis si

 

Und des getroste ich mich.

Nu rtis mag nit lange stan.

Wo zwoi geliebe verholen zesamen kqment,

 

Sie müssent dikke vngescheiden von einander gan.

Lieber Gottesfrund, disen mine weg han ich dir geschriben;

 

Got müsse in «n clin herze geben. Amen.


 

[23] XLV. Von ahte tagen in denen vollebraht der propheten gerunge.

 

Dis ist ein tag der gerunge und der seligen fröden in der kündunge cristi.

 

Dis ist ein tag der rúwe und der liplichen zartekeit in der geburte cristi.

 

Dis ist ein tag der trüwe und de seligen einunge, der hohe Donrstag.

Dis ist ein tag der miltekeit und herzeclicher liebi, der stille vritag.

 

Dis ist ein tag der gewalt und frölicher vröde, die vrstandunge.

 

Dis ist ein tag des geloben und des elenden jamers, der vffart tag.

 

Dis ist ein tag der warheit und des brenenden trostes, der pfingestag.

 

Dis ist ein tag der rehtekeit und der waren stunde, de jungest gerihte.

 

Dis ist ein wuche, der sollen wir siben tag began Stetegunge.

 

Einen wil vnser herre began an dem jüngsten tage mit uns allen.


 

XLVI. Von der manigvaltigen Zierde der brüte, und wie si kunt zu dem brütegöme und wielich ir qesinde ist, de ist nunvalt.

Die brut ist gekleidet mit der suiien und hat den manen vnder die fusse getreten, und si ist gekrönet mit der einunge. Si hat ein cappellan, de ist die vorhte, der hat eine guldine rüte in der hant, de ist die wisheit. Der capellan ist gekleidet mit des lambes blüt, und ist mit der ere gekrönet. Und die wisheit ist gekleidet mit der wolsamikeit und ist gekrönet mit der ewekeit. Die brut hat vier jungfrŏwen. Die miiie leitet die brut. Die inine ist gekleidet mit der küschekeit und ist gekrönet mit der wirdekeit. Die ander ist demutikeit, die haltet die brut, die ist gekleidet mit der vnahtbarkeit und ist gekrönet mit der höhi. Die dritte juncfrŏwe das ist rüwe, die ist gekleidet mit den wintrübelin und ist gecrönet mit der vröde. Die vierde juncfrŏwe ist erbarmherzekeit, die ist gekleidet mit der salbe und ist gecrönet mit der wune. Du zwei tragent der brut den mantel uf, das ist das helige geruhte. Si hat einen bischof, das ist der gelobe, der bringet die brut vor den brütegöme. Der bischof ist gekleidet mit türem gesteine und ist gecrönet mit dem heligen geiste. Der bischof hat zwene ritter, der eine ist die starchekeit, die ist gekleidet mit dem strite und ist gekrönet mit dem sige. Der ander künheit, der ist gekleidet mit gefiedikeit und gekrönet mit aller selikeit. Si hat einen kamerer das ist die hüte, [24] der ist gekleidet mit stetekeit und ist gekrönet mit bestandunge: er treit das lieht vor der brüte und treit ir das tepet nach. Das lieht ist vernünftekeit, die ist gekleidet mit der bescheidenheit und ist gekrönet mit miltekeit. Das tepet ist die helige conscientie,30

die ist gekleidet mit gutem willen und ist gekrönet mit gotz behagunge. Si hat einen schenken, das ist die be—gerunge, die ist gekleidet mit girikeit und ist gekrönet mit vride. Si hat ein spilman, das ist die minesamkeit. Sin harpfe das ist inikeit; der ist gekleidet mit dem gunste und ist gekrönet mit der helfe. Du brut hat fünf küngrich. Das erste sind die ŏgen, die sint gebuwen mit den trehnen und gezieret mit getwange. Das ander ist die gedenke, die sint gebuwen mit dem strite und gezieret mit dem rate. Das dritte ist de sprechen, das ist gebuwen mit der not und ist gezieret mit der trüwe. Das vierde ist das hören, das ist gebuwen mit dem gotzworte und ist gezieret mit dein tröste. Das fünfte ist die berürde, die ist gebuwet mit der gewalt und ist gezieret mit der reinen gewonheit.

 

Dise fünf küngriche haut einen voget, de ist die schuld, die ist gekleidet mit der bihte und gekrönet mit der Misse. So hat er einen rihter, der ist gekleidet mit der discipline und gekrönet mit der gedult. Du brut hot einen sömer, das ist der lichame, der ist gezömet mit der unwirdekeit, und smacheit ist sin füter, und sin stal ist bihte. Der sömeschrin den er treit ist die imschulde. Die brut hat einen pellelbovivir, das ist die hoft’en, die ist gekleidet in die warheit und gekrönet mit dein sänge. Si hat einen palinen in der hant, das ist die sege vber die Sünde, und ein bühsen in der ändern hant, die ist vol gerunge und miiie, die wil si iren lieben bringen^ Si het einen pfawenhüt, das ist das gute geruhte in dem ertrich und hohe ere in dem himelrich. So gat si einen weg, das ist die senftmütekeit, die ist gekleidet mit dem vliessenden honge und gekrönet mit Sicherheit. So singet si dene: Vserweltes liep, ich geren din. Du nimest und gibest mir vil mange [25] herzensweri. Joch han ich von dir vnsifipliche not. Swene du herre gebütest, so wird ich von mir erlost. So sprichet er:

 

Minekliche liebe, gedenke an die stunde, Da du begriffest den vollen fuut, Und la dich nit belangen, Joch han ich ze aller stnnt Mit armen (dich) vmbevangen.

 

So spricht vnsef herre zu siner vserwelten brut: Veni, dilecta mea, veni coronaberis. So git er ir eine crone der warheit, die nieman tragen můs dene geistliche lüte. In der kröne siht man vier tagende: Wisheit und kumer, gerunge und behaltnisse. Got gebe vns allen die kröne! Amen.


[26]

 

Dis ist das ander teil dis buches.


 

I. Die mine machet hohi in der sele nit vmbe menschlich sine, de kunt von eigem willen.

 

Die hohe der sele geschiht in der mine, und die zierde des lichamen geschiht in dem heligen cristan töffe; wan über die mine ist kein höhe, und ussen der cristanheit ist enkeine zierde. Darumbe torent si sich selber vil sere, die mit grülichen, unmenschlichen arbeiten wenent erstigen die hohi, und tragent doch ein grimes herze, wan si hant der heligen diemütige tugent nit, die die sele in got kan leiten; und da stütet gerne valschii helikeit, da der eigener wille die meisterschaft in dem herzen treit.


 

II. Von zwein liederen der mine des der in der mine wart gesehen.

 

Ich stürbe gerne von mine, möhte es mir geschehen,

 

Den jenen den ich minen, den han ich gesehen,

Mit minen lihten ougen in miner sele stan.

 

Swelü bnit iren lieben geherberget hat,

 

Die bedarf nit vere gan.

 

Du mine mag nit wol vergan,

 

Swa die juncfrŏwen dike nach dem Jungelinge gant.

 

Sine edel nature die ist so bereit,

 

Das er si aber gerne enpfät, und leit

 

Sie im von herzen nach Das mag den tumben lichte entgan,

 

Die ungerne nach der liebe stant.


[27] III. Von der Zungen der gotheit, von dem liehte der warheit, von den vier stralen gotz in die nun kSre und der drivaltekeit und von S. Marien.31

 

O edeler arn! o süsses lamp!

O füres glüt, entzünde mich!

 

Wie lange sol ich alsus dürre sin?

 

Ein stunde ist mir alze swere.

Ein tag ist mir tusent jar.

 

So du mir frömede wöltest sin,

Solte es ahte tage weren,

 

Ich wölte lieber ze helle varn,

 

Da ich doch ine bin,

Wand de got der minenden sele vrîtinbde si.

 

Das ist pine über menschlichen tot

 

Und über alle pine,

 

Das glöbent mir. Die nahtegal

 

Die můs je singen,

 

Wan ir nature spilet von minen al.

 

Der ir das beneme, so were si tot.

 

Eia grosser herre, bedenke min not.

 

Do sprach der helig geist zu der sele: Eva edele jnnkfrŏwe bereitent vch, Vwer lieber wil komen. Do erschr.ik si und wart inerlich fro Und sprach: Eva trut botte, kcme es jemcr also! Ich bin so böse und so gar ungetrüwe, Das ich sunder minen lieben niena mag gerüwen. Swene ich das bevinde, Das ich von siner mine enwenig erküle, So ist mir in allen enden we Und ist mir ze danke, Das ich jamerig můs nach im gan. Do sprach der botte: Ir sollent wünschen Und begiessen und betten und blumen strowen. Do sprach die eilende sele: Wen ich wünsche, so mfis ich mich schämen, So ich begüssc, so můs ich weinen. So ich betten, so můs ich hoften, So ich blviiuen briche, so můs ich mifien. Swene min herre kunt, so kum ich von mir selben, Wan er bringet mir so mangen süssen seitenklang, Das mir beniinet allen miues fleisches wank, Und sin seitenspil ist so vol aller sussekeit, Damit er mir benimet alles herzeleit.

 

[28] Die grosse zunge der gotheit

Hat mir zugesprochen manig kreftig wort,

 

Du han ich enpfangen mit wenigen oren miner snodikeit.

 

Und das allergröste lieht hat sich ufgetan

 

Gegen die ŏgen miner sele.

 

Daine han ich gesehen die unsprechliche ordenunge

 

Und bekante die unzellichen ere,

 

Das unbegriflich wunder

 

Und das sunder trüten mit vnderscheide,

Die genůgekeit vf das höhste

Und die grossen zuht in der bekantnisse,

 

Die gebruchunge mit der abebrechunge

Nach der mäht der sinen,

Die ungemengete fröde in der einunge

Der geselleschaft, und das lebende liep der ewekeif,

Als es nu ist und jeiner wesen sol.

 

Da werden vch gesehen vier stralen,

 

Die schiessent alzemale

 

Usser dem alleredelsten armbrust der hei igen drivaltekeit,

Von dem gotlichen throne dur die nun köre.

 

Da blibet nieman so arm noch so rieh,

 

Er treffe in mineklich.

 

Die strale der gotheit schlisset si

 

Mit einem vnbegriffenlichem lichte.

 

Die minende mönscheit grüsset si

 

In brůderlicher geselleschaft,

 

Der helig geist rüret si

 

Mit der durchfliessunge

 

Der wunderlichen schöppfunge

Der ewigen wöne.

Der vngeteilet got spiset si

 

Mit dem blikke sines heren antlütes

 

Und füllet si mit dem unlidigen ateme

 

Sines vliessenden mundes.

 

Und wie si gant ane arbeit als die vögele

 

In dem lüfte, so si keine vedren rürent,

Und wie si varent swar si wellent

 

Mit übe und mit sele,

Und doch in ir satzunge blibent unvermischet,

 

Und wie die gotheit clinget,

Die mönscheit singet,

 

Der helig geist die liren des himelriches vindet,

Das alle die Seiten müssent clingen,

Die da gespanet sint in der mine32


 

[29] Da ward ŏch gesehen dasselbe here trisem vas, Da Christus nun manot in sas Mit sele und mit übe, Als si jemer sol beliben Aneht alleine die grosse zierde, Die der himelische vatter an dem jungosfen tage Allen seligen lichamen sol geben. Der můs vnser frŏwe noch enbern, Diewile das dis ertrich swebet vf dem mere.

 

Do wart gesehen wie schone vnser frŏwe stund an dem throne zer linggen hant des himelschen vatters unverborgen an aller megdlicher schöpfnisse, und wie der menschlich licham ist getempert und geformet in die edel lühtnisse der sele vnser frŏwen, und wie die lustlichen brüste vnverborgen sint vol der suessen milche, de die tropfen vliessent dahin dem himelschen vatter ze eren und dem menschen ze liebe, also das der mensche vber alle creature wilkomen si. Wan so sere wundert den hohen fürsten, die ertzengel sin des, das andere fürsten der menschen über in komen sint, das es loblich ist das vnser volle züge da si.

 

Zu der vordem hant vnsers herren stat Jesus, vnser loser mit offenen wunden,

 

Blutig, unverbunden,

 

Ze überwindende des vaters gerehtekeit,

Die mangen sünder vil nahe leit,33

 

Wan diewile de die sünde uf ertrich weret,

So söllent Christi wunden offen sin,

 

Bhitig ane sere.

 

Mer nach dem gerihte

 

So sol Christus ein sogetan cleit anzien,

 

Das nie wart gesehen,

Es wisete dene got vngeschehen.

 

So sollen die süssen wunden heilen,

 

Als ob ein rosen blat

Geleit were an der wunden stat.

 

Da sieht man dene die vrolich minevar,

 

Die niemer söllent vergan.

Dene wil der ungeschaffen got

 

Alle sin schöpnisse nüwe machen,

 

Und also nüwe, das si niemer mügent alten.


 

[30] Nu gebristet mir tüsches, des latines kan ich nit, so was hie gutes anliget, das ist min schult nit, wan es wart nie hunt so bSse, lokete im sin herre mit einer wissen simelen, er kerne vil gerne.


 

IIII. Von der armen dirnen, von der messe joh. baptiste, von der wandelunge der ouelaten in de lamp, von enget schoni, von vierhande lute geheliget und von guldinen pfeningen.

 

Eya lieber herre, wie nütze de si, das ein mensche von gutem willen sie, noch defie das si der werke nit vermag, de wisete unser lieber herre einer armen dirne, da si nit me mohte alteine si, doch leider ze sinem dienste nit endohte. Do sprach si alsust ze gotte:

 

Eya lieber herre min,

 

Sol ich hüte ane messe sin?

 

In dirre begerunge benam ir got alle ir irdensche sine und brahte si wunderlich hin in ein schone kilchen. Da vant si nieman ine; do gedahte si: O we du vil arme, tragti; nu bistu ze spate komen, das du nit bist vfgestanden. Das mag dir hie kleine fromen. Do sach si einen jungeling komen, der brahte ein gebunt wisser blümen, die ströwete er niden in dem turne und gieng hin. Do kam ein änderer und brahte ein gebunt vielaten, die ströwete er mitten in die kilchen. Do kam aber einer und brahte ein gebunt rosen, die ströwete er schone vor vnser frŏwen alter. Do kam ein vierter und brahte ein gebunt wisser lilien und ströwete si in dem köre. Do si dis hatten getan, do nigen si schone und giengen enweg. Diese Jungelinge waren also edel und schone anzesehende, das niemer menschen pine mohte wesen also gros am übe; mohte er si reht ansehen, alle sin pine müste vergan:

 

Do kamen zwene schüler mit wissem gewete, die brahteu zwöi lieht; die sasten si ufen den alter. Do giengen si vil schone und bliben in dem köre. Do kam ein vngelich lang man, der was vil mager, und doch nit alt. Sinü kl eider waren also arm, das im sin arm und sin bein blekoten. Der trüg ein [31] wisses lamp vor siner brüst und zwo ampellen braht er an sinen vingeren. Do gieng er zu dem alter und saste das lamp daruf und neig do lieplich dar. Das was Job an es Baptista, der solte singen die messe. Do kam ein jungeling, was rehte verzartet mit sinem gelasse, der trüg einen adlar vor siner brüst. Dc was Johaiies ewangelist. Do kam ein einvaltig man, S. Peter. Do kam ein jungeling gros, der brahte ein gebunt gegerwedes, damit gerweten sich die drie herren. Da kam ein grossü schar, das was das kreftige gesinde des himelriches, und fülleten die kilchen also vol, de die arme dirne dekeine stat konde vinden da si bliben möhte. Do gieng si iiiden in den turn stau. Do vant si einerhande lüte mit wissem gewete, die enhatten kein har, mere si hatten einvaltige krönen vf iren höpten. Das waren die nit hatten gelept nach der e. Die gezierde des hares, das ist guter werken, hatten si nit. Wamit waren si dene zu dem himelrich komen? mit rüwen und mit gutem willen an irem ende. Fürbas vant si noch schöner lüte gekleidet mit vielvar kleidern, die waren gezieret mit schönem hare der tilgenden und gekrönet mit der Gottes e. Noch vant si schöner lüte, die waren mit rosenvar kleidern gekleidet, die hatten ein schon zeichen der wittewen und ein crone der angenomenen küscheit.

 

Die arme dirne was übel gekleidet, und was krank am übe, und bi den drin scharen mohte si niena bliben. Do gieng si für den kor stan und sach hinin, wa unser liebü frŏwe stünt in der höhsten stat, und sant Katharina, Cecilia, bischove, marterere, engele und megde harte vil. Do dirre arme mensche dise grosse herschaft gesach, do sach si ŏch sich selben eb si bliben getörste vor ir snödekeit. Do hatte si vmbe einen roten brunen mantel, der was gemachet von der mifie und nach der brunekeit der sine, nach Gotte und nach allen guten dingen. Der mantel was gezieret mit golde und ŏch mit einem Hede; das sang alsust: Ich stürbe gerne von minen.

 

Si sach sich ouch einer edeln juncfrowen glich und trug vf irem höbet ein schapel von golde herlich, daran was geleit aber ein liet, de sang alsust:

 

[32] Sin ŏgen in min ŏgen, sin herze in min herze,

 

Sin sele in min sele

 

Vmbevangen und unverdrossen.

Und ir antlüt sach sich selben den engein glich.

 

O we, ich unselig phül, wie ist mir nu geschehen

 

Joch bin ich leider so selig nit,

 

Als ich mich da han gesehen.

 

Alle die in dem köre warent,

 

Die sahen si mit eim süssen lachen an.

 

Do winkete ir vnser frŏwe,

Das si oben katherine stünde.

 

Do gieng si bi vnser lieben frŏwe stan,

 

Wände es selten mohte geschehen,

Dc si gotz müter müste sprechen und sehen.

Eja, du liebe wolgemüt!

Das nam si vr (für) gut,

 

Dc du unedele kra bi der turteltube stünt.

 

Alle die in dem kor waren, Die waren gekleidet mit lühtendem golde, Und waren bevangen mit einer swebender wune, Klarer dene die sune.

 

Do hüben si eine messe an alsust: Gaudeamus omnes in domino. Und als dikke vnser frŏwe wart genant, so knüwen si und die andren nigen, wann ir got die grössesten ere hat gegeben. Do sprach die snöde, du do zu der messe komen was: Eya frŏwe, mohte ich hie gotz lichamen enpfangen, wan es stat hie nüt ze vare. Do sprach gotz müter: Ja, liebü, tu din bihte. Do winkete die himelsche künigine Johafii ewan—gelistae, der gieng us und horte der siinderiiie bihte. Do bat si, de er ir wolte sagen, wie lange si sölte leben. Do sprach Johanes: Ich můs dir es nüt sagen, wan got wil es nüt; wand, were das zit lang, so möhtest du von dinem manigvaltigen kumber vallen in ein Verdrossenheit; were aber di zit kurtz, so möhtest du von iamer dines herzen vallen in ein gerunge lange ze lebende.

 

Do gieng Johanes lesen das ewangelium: Liber genera—tionis. Do sprach die arme zu vnser frowen: Sol ich opferen? Do sprach vnser frŏwe: Ja, wilt du im es nit wider nemen. Do sprach du arme: Eya frŏwe, die gnade müst du mir von gotte geben. Do sprach vnser frŏwe: Nu nini disen guldinen

 

[33] pfening, das ist dinen eigenen willen, und oppfer den minem herren sune an allen dingen. Mit grosser zuht und mit heliger vorhte enpfieng der kleine man den grossen pfening. Do sach si den pfening an, wie er gemünzet were. Do stünt an dem pfening, wie Christus von dem crüze wart geloset. Anderhalp stünt alles himelrich, da ine du nun köre, da oben der Gottes tron. Do sprach ir gottes stime zu: Oppferst du mir disen pfening also, de du in nit widernimst, so wil ich dich losen von dem crüze, und bringen dich zu mir in min riche.

 

Darnach tet der selbe priester die stillen messe, der ge—wihet wart in siner müter übe mit dem heligen geiste. Do er die wissen ouelaten nam in sine hende, do hup sich das selbe lamp vf, de vf dem alter stünt, und vögete sich mit den Worten vnder die zeichen siner hant in die ouelaten und die ouelaten in das lamp, also das ich der ouelaten nüt rae sach, mere ein blutig lamp, gehangen an einem roten crüze.

 

Mit also sussen ŏgen sach es uns an, Dc ich es niemer vergessen kan.

 

Do bat die arme dirne unser liebe frowe alsust: Eya liebü müter, bitte dinen herren sun, de er sich selber mir armen welle geben. Do sach si de ein lühtender strale schein usser vnser frŏwen munt vf den alter, und rurte de lamp mit ir gebette, also das got selbe vs dem lambe sprach: Müter, ich wil mich gerne legen in die stat diner girde. Do gieng die arme dirne zu dem altar mit grosser liebe und mit einer offenen sele. Do nam sant Johanes de wisse lamp mit sinen roten wunden, und leit es in den köwen irs mundes. Do leite sich de reine lamp uf sin eigen bilde in iren stal, und sog ir herze mit sinem sflssen munde. Je me es sog, je me si es im gonde.

 

Nu die, der dis geschach, die ist tot und ist hingevarn. Got helfe vns, de wir si noch müssen sehen in der engel schar, amen.


[34]

V. Ein sang der Selen zu gölte an fünf dingen und wie got ein kleit ist der seien und die sele gottes.34

 

Du lühtest in die sele min Als die sune gegen dem golde. Swene ich můs rüwen in dir herre, So ist min wune manigvalt. Du kleidest dich mit der sele min Und du bist ŏch ir nehstes kleit, Das da ein scheiden můs geschehen, Joch ervant ich nie grösser herzeleit. Wöltist du mich serer minen, So kerne ich sicher von hinan, Da ich dich ane vnderlas Nach wünsche möhte minen. Nu han ich dir gesungen, Noch ist mir nit gelungen; Wollest du mir singen, So müste mir gelingen.


 

VI. Ein widersang gottes in der sele an fünf dingen.

 

Swene ich schine so miist du lullten,

 

Swene ich vlüsse, so müst du wuthen,

Swen du süfzest, so zühehst du min35

götlich herze in dich.

 

Swene du weinest na mir, so nim ich dich an den aren min;

Swene du aber miiiest, so werden wir zwöi ein,

Und wene wir zwöi alsust eines sin, so mag da nieraer geschehen scheiden,

 

Mere ein wonenklich beiten wonet zwüschent vns beiden.

 

Herre, so beite ich dene mit hunger und mit durste,

 

Mit jagen und mit luste,

 

Vnz an die spilenden stunde

Dc vs dinem gotlichen munde

 

Vliessen die erweiten worty

 

Die von nieman sin gehört,

 

Mere von der sele alleine,

 

Die sich von der erde enkleidet

 

Und leit ir ore für dinen munt; —

 

Ja die begriffet der mine funt.


 

VII. In der pine lobe so erschinet er dir. Von zwein guldin köpfen der pine und des trostes.

 

Ich sundigü, tregti, ich solte zu einer stunt betten, do tet got als ob er mir enkeinerleie gnade wolte geben. Do wolte [35] ich mich betrüben jämerlich vpab mine vleisehlich suche, die mich duhte ein hindernisse geistlicher gebruchunge. Eya nein, sprach min sele, gedenke noch aller trüwe und lob dinen herren alsust. Gloria in excelsis deo.

 

In dem lobe erschein ein gros lieht miner sele und mit dem liehte wisete sich got in grosser ere und unzallicher clarheit. Do hup vnser herre zwene guldin köpffe in sinen henden, die waren bede vol lebendiges wines. In der linggen haut waz der rote win der pine, und in der vordren hant der vberhere trost. Do sprach vnser herre: Solich sint die disen win trinkent, wand alleine ich bede schenke von gotlicher liebi, so ist doch der wisse edeler in im selber und aller edlest sint die, die beide trinkent wissen und roten.


 

VIII. Von dem vegeför alzemale; davon losete ein mensche tusent seien mit den minetrehenen.

 

Ein mensche s6lte betten mit grosser begirde

Vil einvalteklich vür die armen seien Got von himelriche.

Do wisete in got de grüwelich vegefür zemale,

 

Und daine so mengerleige quäle

 

Als die sünde an in waren.

Do wart also kreftgrimig des menschen geist,

 

Dc er de vegfür ze male in sin arme begreif.

 

Do geharte er kumberlich

 

Und begerte minekiich.

 

Do sprach got von himelrich:

 

Last du nu zu dir nüt we,

 

Es ist dir alzeswere.

 

Do sprach der geist jernerlich:

 

Eya vil lieber, nu lose doch etliche.

Do sprach vnser herre: Wie vil wilt du ir?

 

Der geist sprach: Herre als vil als ich mit diner gftti mag vergelten. Do sprach vnser herre: Nu nim tusent und bringe si war du wilt. Do hüben si sich vsser der pine, swartz, fürig, phülig, brinnendig, blutig, stinkende. Do sprach aber des menschen geist: Eya lieber herre min, was sol disen armen nu geschehen? Wand alsus egeschlich koment si niemer in din rieh. Do neigete got vnmassen sere nid er sine edelkeit und sprach ein wort, das uns sündigen sere ze tröste stat: Du solt si baden in den mine [36] trehnen, die da nu vliessent usser den ŏgen dines licharaen. Do wart da gesehen ein sinwel grosse. Da hüben si sich mit einem swunge zemale in, und badoten in der mine klar als die sune. Do enphieng des menschen geist vnzelliche wune und sprach: Gelobet siest du villieber von allen creaturen eweklich! Nu ziment si dir wol in dinem riche. Do neigete sich vnser herre zu in von der höhin und saste in vf ein kröne der mine, die si gelöset hatte von hinan und sprach: Dise kröne sont ir tragen eweklich ze erkenende allen den in minem riche, das ir mit den minen trehnen erlöset sint nun jaren e dene üwer rehten zit.


 

IX. Got lobet sin brut an fünf dingen. Du bist ein lieht der weite, Du bist ein krön der megde, Du bist ein salbe der verserten, Du bist ein trüwe der valschen, Du bist ein brut der heligen driualtekeit.


 

X. Die brut widerlobet got an fünf dingen.

 

Du bist ein lieht in allen liebten,

 

Du bist ein blüme ob allen cronen,

 

Du bist ein salbe ob allen seren,

Du bist ein unwandelbar trüwe sonder valscheit,

 

Du bist ein wirt in allen herbergen.


 

XI. Von sibenhande liebin Gottes.

 

Du rehte gotz mine het siben angenge:

 

Du vröliche mine trit in den weg,

 

Die vörhtende mine enpfat die arbeit, du starke mine mag vil tun,

 

Die minende mine enpfat enkeinen rüm,

 

Du wise mine hat bekantheit,

Du vrie mine lebet sunder herzeleit,

 

Du gewaltige mine ist jemer me gemeit.


 

XII. Von sibenhande vollekomenheiten.

 

Gerne vngeeret, gerne vngevörhtet, gerne alleine, Gerne stalle, gerne nider, gerne hoch, gerne gemeine.


 

XIII. Zwischen Got und der Sele sol die mine sin.

 

Zwischcnt dir und got sol jemer mere die raine sin. Zwischent irdenschen dingen und dir sol angest und vorhte sin. Zwischent sünden und dir soll hass und strit sin. Zwischent himelriche und dir sol stete hoffen sin—


[37]

 

XIV. Wavon kunt luterkeit, swacheit, krankheit, tvisunge, swindekeit, note, eilende, selten getröstet.

 

Bitterkeit des herzen kunt von der mönscheit, Swacheit d—es lichamen kunt von dem vleisch alleine, Swinde gemüt kunt von der edelkeit der sele, Engschbarkeit vor der pine kunt von der schulde, Krankheit des libes kunt von nature, Not ellendig kunt von mütwillen, Selten getrost kunt von vnrüwe.


 

XV. Wie der von minen ist wunt wirt gesunt.

 

Swelch mensche wird ze einer stunt Von warer mine reht wunt, Der wirt niemerme wol gesunt, Er enküsse no denselben munt, Von dem sin sei ist worden wunt.


 

XVI. Von siben gaben eis brůders.

 

Die sele ist grundelos an der gerunge, brenende an der lieben, minesam an der gegenwürtekeit, Spiegel der weite, wenig an der grössi, getrüwe an der helfe, gesament in gotte.


 

XVII. Wie got vriet die sele und machet wise in siner liebin.

 

Alsust friet got die einvaltigen sele und machet si wise in siner liebi. Eya liebü tube, din füsse sint rot, din vedern sint eben, din mund ist reht, din ŏgen sint schone, din höbet ist sieht, din wandelunge ist lustlich, din flug ist snel, und du bist alzesnel zu der erde.


 

XVIII. Wie die sele berüret gottes vriheit in aht dingen.

 

Herre, min fusse sint geuerwet mit dem blute diner waren losunge, min vedren sint verebent mit diner edeln erwelunge, min munt ist gerihtet mit dinem heligen geiste, min ŏgen sint gekläret in dinem fürigen lichte, min höbet ist gesichtet mit diner getrüwen beschirmunge, min wandlunge ist lustlich von diner muten gäbe, min flug ist gesneliet mit diner unrüwigen lust, min irdensch sinken kunt von diner einunge mines lichamen. Je grösser losunge du mir gist, je langer ich in dir můs sweben.


[38]

XIX. Wie die bekantnisse und die sele sprechent zesamne, und si spricht de si drivaltig si von drien himelen. Die bekantnisse spricht allererst.36

 

O ininende sele, ich sach dich an,

 

Du bist harte miiienklich wunderlich getan.

 

Ein liht wart darzu gclühen

 

Dc ich dich mochte besehen,

Es were mir anders nie besehenen.

 

Du bist drivaltig an dir.

 

Du mäht wol gotz bilde sin.

 

Du bist ein menlich man an dinem strite,

Du bist ein wolgezieret juncfrowe

 

In dein palast vor dinem herren.

 

Du bist ein lustlichü brut in dinem minebette.

 

Gotz minende sele, in deme strite

 

Bist du gewäfent mit vnmezlicher kraft,

Und mit so grosser samenunge dines gemütes,

Das dich alle die mengi der weite,

 

Noch alle helfe dines fleiches,

Noch alle scharen der tüvel,

Noch die kraft der hellen

 

Nit mag von gotte gevellen.

Du werst dich als mit blümen, Din swert das ist die37

edel rose Jesus Christus, Damit werst du dich. Din schilt der ist die wisse lylie Maria, Es enhilfet si nit de si dich bestände, Mere das si dich ziere und an dir mere Unermesseclich gottes ere.

 

Alle die luterlich an diseme strite stan, Die söllerit riehen solt von dem keyser enpfan.

 

Eia notlichü sele, an dinem palaste der heligen Drivaltekeit, do du so minekliche stast gezieret vor dinem heren, wielich ist dein ere?

 

Vrŏwe bekantnüsse, ir sint wiser dene ich si, warumbe vraget ir mich?

 

Vrŏwe sele, got hat vch erweit ob allen dingen; ir sint min vrŏwe und min künigine.

 

[39] Vrŏwe bekantnisse, ich bin edel und vrt geborn; ich můs nit vngeeret sin des ich alleine mine. So můs ich gewinen das mich miiiet, tratet, und eret.

 

Du heilige driualtekeit Und alles das himel und erde treit Müs mir eweklich vndertenig sin. Lan ich nun die mine gewaltig vber mich, Also das ich ir die state gebe, Das si mich müsse binden in die heligen geduld, Dc ich nit enmere mine schuld, So leitet si mich dene in die edel sanftmütekeit, Das ich zu allen guten dingen můs wesen bereit, Und spanet mich in die starke gehorsami, Das ich got und allen creaturen Lieplich můs wesen vndertan.

 

Die bekantnisse. Eya vrŏ brut, went ir mir noch ein Wortzeichen sagen Der vnsprechlichen heimlicheit, Die zwischent got und vch leit?

 

Vrŏwe bekantnisse, das tun ich nit; Die brüte müssen alle nit sagen was in beschiht. Die helig beschöwunge und du vilwerde gebruchunge Sont ir han von mir. Die vserwelte bevindunge von gotte Sol vch an allen creaturen jeiner me verborgen sin. Sunder alleine mir.

 

Vrŏwe sele, vwer wunderschowen und vwer hohi wort Das ir in gotte hant gesehen und gehört, Wen ir mich darzü twingent, Das ich das ein kleinen fürbringe, So setz ich des keysers lieht In einen vinstern fulenden stal.

 

Die rinder essent doch ir strö wol; W«n etteliche, die schinen gotzkinder, Und stossent sich doch als vngebundene rinder In dem vinsteren stalle

 

Und sprechent was inen sogtan getüsche solle. Es si von mütwillen gedaht, Und in valscher helikeit vürbraht.

 

Vrŏwe bekantnisse, man vindet also geschriben, Das sant Paulus wart gefurt in den dritten himel. Es were im nie beschehen, were er Saulus belibea. Hette er die warheit funden In dem ersten und in dem andren himele, Er were nie in den dritten gestigen.

 

[40] Du sele: Ein himel ist, den het der tüvel gemachet, Mit sinen schonen valschen listen. Do wandeint die gedenke ine mit truHgen sinen, Und die sele lit alstille, Wan si bevindet nit ir nature mine. Da blibet die sele vngetröst Und betrüget die einvaltigen sine, In disem himele wiset sich der túfel Einem lühtenden engel gelich, Ja ŏch an sinen fünf wunden gotte glich. Einvaltigü sele hüte dich!

 

Der ander himel ist gfmachet Von heliger gerunge der sine, Und von dem ersten teile der mine. In disem himel ist enkein liht, Die sele siht da gotz nit ine.

 

Si smeket ein vnbegriffliche süssekeit, Die ir alle irü lider durgat. Si hört ŏch eine stime von etlichen dingen, Die si doch gerne wil,

 

Wan es ist noch gemenget mit irdenschen sinen. Ist dene die tieffi aller diemütikeit da nit, So bütet der túfel dar sin liht; Das dene da geschiht, Dc ist von gotte nit.

 

Ist aber die volle diemütikeit da, So můs die sele vürbas varn In den dritten himel; Da wirt ir de wäre lieht gegeben. — So sprechent die sine:

 

Vnser frŏwe, du sele hat gesclaffen von kinde, Nu ist si erwachet in dem lihte der offenen mine. In disem lichte sihet si sich al umbe Wie der st, der sich iro wiset, Und was das si das man ir zu sprichet. So siht si werlich und bekenet Wie got ist allü ding in allen dingen. — Nu leg ich allen kumber nider Und var mit sant Paulo in den dritten himel. Wene got minen sundigen licharnen mineklich sclat da nider. Dirre dritte himel ist gewelbet und geordent, Und verlüthet schone mit den driri personen, Die beginen alsust: Der wäre gottes grüs, Der da kunt von der himelschen blüt


[41]

 

XX. Wie swester Hiltegunt ist gezieret in dem himelriche mit dem mantelen, mit VII Cronen, wie si lobet die nun köre.

 

An einer seligen juncfrŏwen tag, sante Barberen, enpfieng Swester hiltegunt ir ere. Das wisete got eim lamen hunde, der noch mit jamer lekket sine wunden. In minem gebete es also beschach, das ich nit weis, weder de himelrich were geneiget zu mir, oder ich was gezogen in das wunerrich hus gotz. Da stünt hiltegunt vor dem trone des himelschen vatters gezieret als ein nüwe brut, die der künig geholet hat zehuse. Si het vmbe sich drie mentel und treit vf irem höbet siben cronen, und sunderlichen loben si nun köre. Do ich si sach, do bekante ich si in aller gäbe die si enpfangen hat von gotte. Doch luste mich mit ir ze redene und vragete si doch in der ge—bruchunge, vf de ich deste langer bi ir were. Eya, wavon hast du disen rosenuarwen mantel? Do sprach Hiltegunt: Ich was ein martererine in der fürinen mine, also de dikke min herze blüt vber min höbet gos. Do vragete ich si fürbas: wavon hastu disen guldinen mantel, der so schone lühtet. Do sprach si: von dem bilde guter werke. Do sprach ich: Wavon hastu disen blümenden wissen mantel? Do antwort si: von der notlichen mine, die ich heimlich trüg in miner sele und in miner sinnen.

Dis waren die siben cronen: Crone der stetekeit, Crone des heligen glöben, Crone der trüwen, Crone der milten barmherze—keit, Crone der heligen vernünftekeit, Crone der mine, Crone des magtümes. Do vragete ich me: Liebü, wa ist die crone der diemütikeit, die geistlichen lüten so wol anstat? Do antwürte si: Der han ich nit sunderlich, noch nie gewan, mere also vil, das mich got hochmütes mitte benam. Dise siben cronen sint alle gezieret sunderlich mit dein schapel der edelkeit der lüteren heren38

küscheit.

 

Alsust lobent si die köre an nun tilgenden: Wir loben dich an diner rüwe, an dinem guten willen, an diner warheit, an diner wisheit, an dinem süssen jamer, an dinem willigen armüte,

 

[42] an diner starkheit, an diner gerehtekeit. Alsust lobent die von Seraphin, wan si ir gesellen sint: Wir loben dich an der mifie gottes, künegifie. Die throni loben si alsust: Wir loben brüti—göme an der schöni der brüte.

 

Ich vragete si mancher dingen,

 

Der ich nu ewigen wil,

 

Wan alleine, das himelriche st minevar,

 

So ist doch leider das ertriche vil wandelbar

 

An mir und an mangein man,

Der noch ze himel nie kam,39

 

Da man die warheit schöwen sol.


 

XXI. Wiltu den berg ansehen, so solt du haben siben ding.

 

Einen berg han ich gesehen, Das was vil scheire (sie) geschehen, Wan enkein lichame mohte das getragen, Das die sele ein stunde da were.

 

Der berg war niden wis, wölken var Und oben an einer höhin fürig sunenclar. Sin beginen und sin ende konde ich niena finden, Und binen spilte er in sich selber Vliessende göldvar in vnzellicher mine. Do sprach ich: Herre, selig sint die ŏgen, Die das minesweben eweklich sont schöwen Und dis wunder bekenen, Ich mag es niemer genemen. Do sprach der berg: din ŏgen, Du mich sont alsust sehen, Die müssent gezierent sin mit siben dingen, Es mag enanders niemer beschehen. Die sprechent alsust: Note bürgen gerne gelten, Und nit halten an im selben, Vngetrüvve wider den hass Und rninneklich wider die vreislicheit, Luter an der schulde und bereit Gegen der enpfengnisse.


 

XXII. Wie die schowunge vraget die minenden seien von seraphin und von dem nidersten menschen.

 

Vrŏwe sele, wöltet ir lieber sin ein engel von seraphin oder ein mensche mit übe und mit sele in dem niederosten köre der engel?

 

[43] Die sele zu der beschowunge: Vrŏwe beschöwunge, ir hant de wol gesehen, de die engel von seraphin hohe fürsten sint, und das si ein mine, und ein für und ein äten und ein lieht mit gotte sint.

 

Die beschowunge: Vrŏwe sele, ir hant das wol gesehen, das die engel einvaltige personen sint und das si got nit me lobent, noch miiient, noch bekeiient, deiie in an ist geborn; und des mag sich der niederste mensche alsust erholen mit cristanen geloben, mit rüwe, mit gerunge, und mit gutem willen, mere sin sele mag in der gotheit so sere nüt breiien.

 

Die sele: Vrŏ beschowunge, ir hant das wol gesehen, das die engel von seraphin gotz kinder und doch sine knehte sint. Die minste sele ist tohter des vatters und swester des sunes und vründine des heligen geistes und werliche ein brut der heligen driualtekeit.

 

Swene das spil vberein get,

 

So sehe man den weles allermeist wege,

 

Den werdesten engel Jesum Christum,

 

Der da swebet oben seraphin,

 

Der mit sinem vatter ein ungeteilet got můs sin.

 

Den nim ich, minste sele, in den arm min,

 

Und isse in und trinke in

Und tun mit im was ich wil.

 

Das mag den engein niemer geschehen,

Wie hohe er wonet ob mir,

Und sin Gotheit wirt mir niemer so tiir,40

 

Ich müsse ir ane vnderlas

 

Allü minü gelide vol beuinden,

 

So mag ich niemer mere erkülen.

 

Was wirret mir dene was die engel beuinden?


 

XXIII. Wie die mine vraget und leret die stumpfen seien und brechte si gerne zu irme liebe und spricht allererst und du stumpfe sele antwurt.

 

Mine: Eya torechtige sele, wa bistu,

 

Oder wielich ist din wonunge und wes lebestu? Wa macht du rüwen nu du nit enminest Dinen lustlichen got vber dinen eignen Willen Und über alle dine mäht?

 

[44] fiele: Las mich vngeweket,

 

Ich weis nit was du mir sagest

 

Mine: Man můs die Künigine wol weken,

 

Swene ir künig komen wil.

 

Sele: Ich bin in einem heligen orden,

 

Ich vaste, wache, ich bin ane höptsünde,

 

Ich bin gnüg gebunden.

 

Mine: Was hilfet, das man ein ital vas vil bindet,

 

Und das der win doch usrinet?

 

So můs man es füllen mit Steinen der vswendigen arbeit

 

Und mit eschen der vergenglicheit.

 

Sele: Ich wonen in der wollust miner mage

 

Und miner Üben geistlichen vründen;

 

Und wie möhte ich den lustlich minen,

 

Den ich nit erkene?

 

Mine: O we, kannst du den herren nit erkenen,

 

Den man dir so dikke nemet?

 

Du bist mer bekümbert mit dinem huntlichen lichamen,

 

Dene mit Jesu, dinem süssem herre.

 

Des gewinestu vor sinen ŏgen niemer ere.

 

Sele: Ich leben mines eignen willen,

 

Das ich den gerne vollebringe.

 

Mine: Wiltu got rehte trüwe leisten,

 

So soltu in siner liebin volgen sinem geiste.

 

Sele: Ich rúwe in der weite mines lichamen.

 

Mine: Des mäht du dich hütte vor gotte schämen,

 

Das du doch treist geistlichen namen,

 

Und gast doch alles umbe mit dinem lichamen.

 

Sele: Wes solte ich mich generen,

 

Ob ich mich mit dir wölte besweren.

 

Mine: Eya untrüwe, der die sele so edel het gemäht,

 

Das si nüt dene got essen mag,

 

Der lat noch iren lichamen nit verwüschen.

 

Sele: Du schiltest mich sere,

 

Wiste ich wa er were,

 

So möhte ich mich noch bekeren.

 

Mine: Wiltu mit im wonen in edeler vriheit,

 

So müstu e rumen dise wonunge der bösen gewonheit.

 

Sele: O we! das tut menig man nit der wise ist von lere

 

Und von natürlichen sifien,

 

Das er sich iht getörre legen

 

In die gewalt der nakkenden inine.

 

Mine: Mere die einvaltigeri reinen,

 

Die got in allem irem tünde luterlich meinen,

 

Zu den můs sich got natürlich neigen.

 

[45] Sele: Ich wände, wene ich mich dur got begebe,

 

Das ich deiie vil hohe were gestigen.

 

Mine: Was hilfet, das man ein schaffenden man schone kleidet

 

Und im edele spise vorsetzet diewile er schlaffe t,

 

So mag er doch nit essen?

 

Eya liebi mi, lä die weken.

 

Sele; Eya, nu sage mir, wa sin wonunge si.

 

Mine: Es ist en kein herre mer,

 

Der zemale in allen sinen hüsern wone, dene alleine er.

 

Er wonet in dem vride der heligen minesamkeit

 

Und runet mit siner liebi in de enge enote der sele

 

Er halset si ŏch in der edelen behagunge siner Jiebi.

 

Er grüsset si mit sinen liplichen ŏgen,

 

Wene sich die lieben werlichen schöwen.

 

Er durküsset si mit sinem götlichen munde.

 

Eya wol dir, me deiie wol der Überheren stunde!

 

Ertratet si mit voller mäht in dem bette der mine.

 

So kunt si in das höchste wol

 

Und in das minenklichste we,

 

Wirt si sin rehte ine.

 

Sele: Eya liebü nu la dich minen

 

Und were dich nit mit grime.

 

Wie sint die die sich mit grime werent?

 

Mine: Dc sint die, die ander lüte und sich selber

 

Mit ir bosheit beswerent.

 

Nu sage ich dir wer er si:

Er ist der allerhohste hoher,

 

Und der selbe höhste hohe hat sich geneiget

In das allerniderste tal,

 

Und dis allerniderste tal

 

Hat sich gesetzet in den allerhöhsten hohen.

 

Stumpfü sele, sich dich vmb und vmbe

 

Und tu uf die blinden ŏgen.

 

Sele: Ist er von der höhsten höhi dur mini liebi nidergetreten,

 

Und hat sich gentzlich mir mit allen creaturen gegeben,

 

Ja enwolte er sine guti mir nüt benemen,

 

So mochte ich mich jemer me vor sinen ŏgen Schemen,

 

Dc ich min vngeneme kupfer me

 

Gentzlich vmb sin türes gold wolte geben.

 

O we, wa bin ich gewesen ich vnselige blinde,

 

Das ich also lange gelebet han ane kreftige mine,

 

Damit ich werlich alle mine not

 

Sunder aller miner viende dank vberwinde?

Nu alleine ich armü vil gutes versumet han.41


 

[46] So wil ich doch noch vs allen dingen in got gan. Eya mine, wil tu mich noch enpfan?

 

Mine,: Ja, got hat sich nieman verseif, Das ist ein glich masse. Wiltu liep haben so müst du liep lassen.


XXIV. Wie sich die m inende sele gesellet gölte wie] sinen userweiten lieben, und sol gelich sin allen heligen. Wie der tufel und die sele sprechen zesamene.42

Eya, herre Jesu christe, die vnsehuldigti pine tröstet mich,43

wan ich an allen minen pinen schuldig bin, und din helige tot haltet min hügenisse lebendig in dir, und din vnbe—wollen blüt hat min sele durchvlossen.

 

Maria, trut müter, ich stand bi dir bi dem cruze mit allem minem cristanen geloben, und das swert des heligen jamers snidet durch min sele, darumbe das der so vil ist wandelber die geistlich schinent.

 

Johanes baptista, ich bin mit dir gevangen, wan die vngetrü von dirne der valscheit hat gotz wort getötet in minem munde.

 

Johanes ewangelista, ich bin mit dir entsclafenin herzeklicher liebe vf den brüsten Jesu christi, und danen da hau ich so erhaftigü wunder gesehen und vernomen, das min lichame ist dikke von im selber komen.

 

Petre, ich bin getrüte got mit dir, wan mir wirt niemer menschlich wol, und mir ist dikke geistliche we nach dem lobe Jesu Christi.

 

Paule, ich bin wunderlich vfgezuket mit dir und han ein solich hus gesehen, das mich nie keines dinges so gewunderte, so das ich sider dem male ein lebendig mensche mohte sin. Swene ich gedenke das der himelsche vatter da ist der seligen schenke und Jesus der köpf, (Becher) der helig geist der luter wiu, und wie die ganze drivaltekeit ist der volle köpf, und mine der gewaltige keller, — weis got, so neme ich gerne, das mich die [47] miiie da ze huse bete. Nu ich wil noch hie gerne gallen trinken. Eya lieber Jesu, nu lone es ineri allen liplich, die mir hie sclren—kent bitterkeit, wan si machent mich gnadenricb. Mir kam ein köpf mit gallen, der was also kreftig, das er min lip und sele al durgieng. Do bat ich sunderlich got für mineii schenken, das er im wölte schenken den himelschen win. Werlich das tet er und sprach: Du jungfrowe, gehabe dich wol. Die grössi mines wunders sol vber dich gan, die lowen solten dich vörhten, die beren solten dich sicheren, die wolfe solten dich fliehen. Das sol din geselle sin. Ich bin des gewiss, unde als mir vntz—har ist beschehen, das ich noch manigen köpf mit gallen vs sol trinken, wand leider der túfel hat noch vüder geistlichen lüten vil manigen schenken, die der gift so vol sint, das si es nit alleine mögent getrinken, si müssen si gottes kinder bitterlichen schenken.

 

Stephane, ich knüwe bi dir vor dem judeschen herzen vnder den scharpfen steinen, wand si vallent vf mich gros und deine. Die, welche gute lüte schinent die steinent mich ze rugge und vliehent und wellent nit de ich es it wisse, de es mir von inen si geschehen. Got hat es doch gesehen.

 

Laurenti, ich was in dir gebunden, mer defie zwenzig jar uf einen grülichen rost; doch behielt mich got vnverbrant und hat mich nu me defie siben jar geloschen.

 

Martine, ich wonen mit dir in der vnahteberkeit und du wäre gotzmine hat mich gemarteret ob aller arbeit.

 

Dominice, lieber vater min, ich habe enwenig teiles mit dir, wan ich habe es gegert manigen tag,

 

Dc noch müsse min sündiges herzblüt vliessen Under der vngelöbigen ketzeren fassen.

 

Katherina, ich gan mit dir ze strite, wan die meister von der helle wolten mich gerne vellen. Do einer kam zu mir, schone als ein schin von der sufien, de ich solte wissen de er ein engel were und brahte ein lühtendes buch und sprach. Nime doch das peize (pax) da du zu der messe nit komen mäht. Do sprach di sele mit gezogner wisheit: Der selber keinen vriden hat, der mag mir keinen vriden geben. Do vür er hin und verwandelt

 

[48] sich und kam wider gelich eim vil armen siechen mafie, dem sin gederme vs wil, und sprach: Eya, du bist also helig, mache mich gesunt. Do sprach aber du sele: der selber siech ist, der mag nieman heilen. Es ist geschriben: Wer bas mag der sol dem ändern helfen. Es ist ŏch geschriben, man sol nieman wider got helfen, de man wol tut de ist nit wider got. Da nit gutes an ist, da mag nieman nit gutes antun. Du hast ein ewig siechi, wiltu gnesen, so var hin und zöge dich einem priester, oder einem bischof oder einen erzbischof oder dem babest. Ich han en keinen gewalt defie alleine de ich sündigen mag. Do sprach er mit grime: das wil ich niemer getün. Do wart er gelich einem scwarzen rüche und zögete sich vngezogen und für hin. Ich fürchte mich doch nit von ime.

 

Maria Magdalena, ich wone mit dir in der wöstunge wan mir sint ölü ding eilende, sunder alleine got. Herre, himelscher vatter, zwischent dir und mir gat ane underlas ein vnbegriflich aten, da ich vil Wunders und vnsprechlicher dinge ine bekeiie und sihe und leider wenig nütze empfahe, wan ich bin so snöde ein vas, de ich dinen minsten funken nit erliden mag. Die ungebunden mifie wonet in den sinen, wan si ist noch gemenget mit Menschen dingen, also de der mensche rufen mag: In der gnade ist die mifie in den siüen vtlegen und hat noch leider die sele nit erstigen. Der lüten ist vil gevallen, wan ir sele bleip vnverwunt. Salomon und David enpfiengen den heligen geist in iren menschlichen sifien; do sich aber die sine wandolten, do vielen si in die valschen mifie. Weis got, ir sele war nit gesenket in die niedersten tieffi vnder aller creature, noch gewendet mit dem creftigen teil der mifie,

 

Von der des besten wines nie enbeis, Der groieret dike allermeist

 

die gebunden mifie wonet in der sele und stiget über menschliche sine und gestattet dem lichamen enkeines sines willen. Si ist gezogen und vil stille. Si lat ir flügel nider und höret nach der vnsprechlichen stime, und sieht in das vnbegriffelich lieht und wirbet mit grosser begirde nach irs herren willen. Mag dene der licham veder schlagen, so enmag du sele de höhste [49] de menschen geschehen mag niemer eruaren. In diser gebundenen mine wirt rieh die gewundete sele, und vil arme ir vs—wendigen sine, wand, je nie got richtümes in ir vindet, je sie sicli von rehter edelkeit der mine tieffer diemutet. Svveleh mensche alsust gebunden wirt mit der gruntrürunge der kreftigen mine, den kan ich entkeinen val zu den hoptsünden viuden, wan du sele ist gebunden, si mfis ie minen. Gott müsse vns alle alsust binden!


XXV. Von der klage der min enden sele, wie ir got schont—1 und enziehet sine gäbe, von wisheit, wie du sele rraget got wer er st und wie er sß. Von dem bongarten, von den blümen und von dem sänge der megde.44

 

O du unzalhaftiger schätz an diner richeit! O du vnbe—grifFenliches wunder an diner manigvaltekeit! O du endelose ere in diner herschaft diner edelkeit! Wie we mir dene na dir sie, als du wilt schonen min,

 

Dc mohten dir alle creaturen nit volle sagen,

 

Ob si musten vür mich elagen,

 

Wan ich lide vninenschliche not,

Mir tete vil sanfter ein menschlich tot.

 

Ich suche dich mit gedenken,

 

Als ein junkfrŏwe verholn ir liep;

 

Des můs ich sere kranken,

 

Wan ich mit dir gebunden bin.

 

Dc bant ist sterker dene ich si,

Des mag ich nit werden von minen vri.

 

Ich rufte dich mit grosser ger

 

In ellendiger stime.

 

Ich beiten din mit herzen swer,

 

Ich mag nit ruwen, ich brine

 

Vnverlöschen in diner heissen mine.

 

Ich jage dich mit almaht.

 

Hette ich eines risen kraft,

 

Du were schiere von mir verlorn,

 

Kerne ich reht von dir vf das spor.

Eya lieber, nu löfe mit ir nit ze lange vor

Und ruwe ein wenig mineklich,

 

Uf de ich dich begriffe.


 

[50] Eia herre, als du mir hast alles eiizogen de ich von dir han, so la mir doch von gnade dieselben gäbe, die du von nature einem hunde hast gegeben, de ist, de ich dir getrüwe si in miner not ane allerleie widertrutz: Des gere ich sicherlich serer deiie dins himelriches.

 

Liebü tube, nu höre mich:

Min götlichü wisheit ist so sere über dich,

 

Dc ich alle min gäbe an dir also ordene,

 

Als du si an dinem armen übe mäht getragen,

 

Din heimliches suchen můs mich vinden,

 

Dines herzen iamer mag mich twingen,

 

Din susses jagen machet mich so müde,

 

Dc ich begere, de ich mich küle

In der reinen sele din,

 

Da ich in gebunden bin.

 

Din ser herze süfzende biben

 

Hat min gerehtekeit von dir vertriben,

 

Des ist vil rehte dir und mir.

 

Ich mag nit eine von dir sin.

 

Wie wite wir geteilet sin,

 

Wir mögen doch nit gescheiden sin»

 

Ich kan dich nit so kleine beriben,

 

Ich tu dir vnmassen we an dinem übe.

 

Sollte ich mich dir ze allen ziten geben nach diner ger,

 

So müste ich meiner sfissen herbergen In dem ertrich an dir enbern; AVan tusent lichamen mochten nit Einer minenden sele irre ger volle wem. Darumbe, je hoher mine, je heliger marterer.

 

O herre, du schonest alzesere mines pfüligen kerkers, Da ich ine trinke der weite wasser Und isse mit grosser jamerkeit Den escheküchen miner brödekeit, Und ich bin gewundet vf den tot Mit diner fürigen mine strale. Nu lastu mich herre ligen Ungesalbet in grosser qwale.

 

Liebe herze min künegifie, Wie lange wiltu also vngedultig sin? Wefie ich dich allerserost wunden,

 

So salben ich dich allermineklichost in derselben stunden. Die grossi mines richtümes ist alleine din, Und über mich selber solt du gewaltig sin. Ich bin dir mineklichen holt; Hast du de gelöte, ich habe de golt.

 

[51] Alles das du hast dur mich getan, gelassen und gelitten,

 

Dc wil ich dir alles widerwegen

Und wil dir mich selben eweklich vergeben

 

Nach allem dinem willen geben.

 

Herre, ich wil dich zweier dinge vragen; Der berihte mich nach dinen gnaden: Wene min ŏgen trurent eilendekliehe Und min mund swiget einvaltekliche Und min zunge ist mit jamer gebunden Und min sine mich vragent von stunde ze stunden, Was mir sie, so ist es mir Herre alles nach dir,

 

Und min vleisch mir entvallet, min blut vertrnkent, Min gebein kellet, min ädern krempfent Und min herze smilzet nach diner mine, Und min sele brenet mit eines hungerigen löwen stime. Wie mir dene si, wa du dene bist, Vil lieber das sage mir.

 

Dir ist als einer nüwen brut, Der sclafende ist engangen ir einig trut, Zu dem si sich mit allen trüwen hat geneiget, Und mag des nit erliden, de er ein stunde von ir scheidet. Alse si den erwachet, so mag si sin nit nie haben, Dene alse vil als si in iren sinen mag getragen, Davon hebet sich alle ir chigen.

 

Diewile de der jungcling siner brut ist nit heim gegeben, So můs si dikke ein von im wesen. Ich kum zu dir nach miner lust, wene ich wil; Siest du gezogen und still Und verbirg dinen kumber wa du mäht, So meret an dir der mine kraft. Nu sage ich dir wa ich dene si.

 

Ich bin an mir selben an allen stetten und in allen dingen, Als ich je was sunder beginen Und ich warten din in dem bömgarten der mine Und briche dir die blüme der süssen einunge Und machen dir da ein bette Von dem lustlichen grase der heligen bekantheit Und die lichte sune miner ewigen gotheit Beschinet dich mit dem verborgenen wunder miner lustlicheit, Des du ein wenig heimlich hast erzöget.

 

Und da neigen ich dir den hohsten bön miner heligen drivaltikeit, So brichest du dene die grünen, wissen, roten opfel miner sanftigen menscheit, Und so beschirmet dich der schatte mines heligen geistes Vor aller irdenscher trurekeit, So kanst du nit gedenken an din herzeleit.

 

[52] 5O du den bön vmuahest, so lere ich dich der inegde sang, Die wise, die worte, den sussen klang,

 

Den die eine an inen selben mit mögen verstan, Die mit der vnkuscheit sint durgangen,

 

51 söllent doch sussen wandel han.

 

Liebii nu sing an und la hören wie du es kanst.

 

O we, min vil lieber, ich bin heiser in der kelen miner kiischeif, Mere das zukker diner sussen miltekeit Hat min kelen erschellet das ich nu singen mag, Alsust, herre: Din blüt und min ist ein vnbewollen, Din mine und minü ist ein vngeteilet, Din kleit und min ist ein unbevleket, Din munt und miner ist ein vnküst etc.

 

Dis sint du wort des sanges der mine stime, Und der süsse herzeklang müsse blibcn, Wan de mag kein irdenschü hant geschriben.


 

XXVI. Von diseme lache und von deme schriber dis buches.

 

Ich wart von disem buche gewarnet,

 

Und wart von menschen also gesaget;

 

Wolte man es nit bewaren,

 

Da möhte ein brant übervaren.

 

Do tet ich als ich von kinde han gepflegen;

Wene ich betrübet je wart, so müste ich beten.

 

Do neigete ich mich ze minem liebe und sprach:

 

Eya herre, nu bin ich betrübet,

 

Dur din crc sol ich nu ungetrostet von dir beliben.

 

So hastu mich verleitet,

 

Wan du hies mich es selber schriben.

Do offenbarte sich got zehant

 

Miner trurigcn sele, und hielt dis buch in siner vordem hant,

Und sprach: lieb minü, betrübe dich nit ze verre,

 

Die warheit mag nieman verbrenen.

Der es mir vs miner hant sol nemen,

Der sol sterker dene ich wesen.

 

Dc buch ist drivaltig

 

Und bezeichent alleine mich.

Dis bermint, de hie vmbegat

 

Bezeichent min reine wisse gerehte menscheit,

 

Die dur dich den tot leit.

 

Du wort bezeichent mine wunderliche gotheit,

Du vliessent von stunde ze stunde

In dine sele us minem gotlichen munde.

Du stiiiie der worte bezeichent minen lebendigen geist

 

Und vollebringent mit ir selben die rehten warheit.

 

Nu sich in allu disu wort,

 

[53] Wie; löblich m mine hcimlichcit melden Und zwil’d nit an dir selben.

 

Eya herre, were ich ein gelerct geistlich man, Und hettistu dis wenig grosso wunder an im getan, So möhtistu sin ewige erc enphahn. Wie sol man dir im das getruwen, Das du in den vnfletigen pffil Hast ein guldin hus gebuwen, Und wonest da werlich ine mit diner müter Und mit aller creature Und mit allem dinem himelschen gesinde. Herre da kiin ich die irdische wibheit nit gevinden.

 

Tohter, es verlüret manig wise man sin türes golt Von verwarlosi in einem grosscn herwege, Da er mitte ze hoher schule mohte varen; Dc m As jeman vinden.

 

Ich habe von nature das getan mnnigen t—ig. Wan ich je sundcrliche gnade gap, Da suchte ich je zu die nidersten, Minsten, heimlichosten stat, Die hosten berge mogent nit enpfan Die oftenbarunge miner gnaden, Wan die vlůt mines heligen geistes Vhisset von nature ze tal.

 

Man vindet manigcn wisen meister an der schrift, Der an im selben vor minen ŏgen ein tore ist. Und ich sage dir noch me, Das ist mir vor inen ein gros cre Und sterket die heligen cristanheit an in vil sere, Dc der vngelertc munt Die gelerte zungen von minem heligen geiste leret.

 

Eya min herre, ich süfze und gere Und bitte für dinen schribere, Der das buch na mir habe geschriben, Dc du im ŏch welest die gnade geben ze lone, Die nie menschen wart gelühen, Wan herre, diner gäbe ist tusend stunt me Dene diner creaturcn die si mogent nemen:

 

Do sprach vnser herre:

 

Si hant es mit guldinen buchstaben geschriben, Also sont allü disü wort des buches An irem obersten clcide stan Eweklich offenbar an mincm riche Mit himelschcm, lühtenden golde Ober aller ir gezierde wcsen geschriben. Wan du vric raiiie mus je das hohste an dem menschen wesen.

 

[54] Die wile de mir vnser herrc disü worte saget,

 

Do sach ich die herliche warheit

 

In der ewigen wirdekeit:

 

Eya herrc, ich bitte dich, de du dis buch wellest bewaren

 

Vor den ŏgen der valschen vare,

 

Wan si ist von der helle vnder vns komen.

 

Sie wart nie us dem himelriche genomen,

 

Si ist gezuget in lucifers herze

 

Und ist geborn in geistlichem homüte

 

Und ist gedruten in dem has

 

Und ist gewahsen in dem gewaltigen zorne als gros,

 

Dc si des dunket, de kein tugent si ir genos.

 

So müssent gottes kinder vndergan

 

Und müssent sich mit der smacheit verdruken lan,

 

Wellent si die hohstcn cre mit Jesu enpfan.

 

Ein helige vare Müssen wir uf uns selber

 

Ze allen stunden tragen,

 

Das wir uns vor gebresten verwaren.

 

Ein mineklich vare

 

Son wir ze vnsern ebencristanen haben,

 

So si missetünt, de alleine getruwelich sagen,

 

So mögen wir manig unnütze rede bewaren. Amen.


[55]

 

Dis ist das dritte buch.


 

I. Von dem himelriche und von den nun koren und wer den brücken solle erfüllen. Von dem trone der apostelen und Sante Marien und da Cristus ine sint. Von dem lone der predieren, martereren und megden und von den vngetöften kinden.

 

Du sele sprach alsust zů ir gerunge:

 

Eya var hin und sich wa min lieber si,

 

Sag im, ich wolte minen.

 

Do vür die gerunge drahte hin,

 

wan si ist von nature snel und kam zu der hohen und rief: Grosser herre, tu uf und la mich in. Do sprach der wirt: Was wiltu de du so sere brenest?

 

Herre, ich künde dir,

 

Min Frowe mag nit lange alsust leben,

Wöltistu vliessen so möhte si sweben,

 

Wan der visch mag uf dem sand nit lange leben

 

Und frisch wesen.

 

Var wider ich la dich nu nit in,

 

Du inbringest mir die hungerige sele,

 

Der mich lustet ob allen dingen.

 

Do der botte nu widerkam

 

Und die sele irs herren willen vernam,

 

Eia, wie mineklich si es do erkam!

 

Si hup sich uf in einem sachten zuge

 

Und in einem lustlichen finge.

[56] Do kamen ir zwene engel gemützet vil schiere, die sante ir got gegen von herzeklicher liclii und sprach ir zu: Vrŏwe sele, was welleilt ir s’ust verre? Ir sint je noch gekleidet mit der vinsteren erden.45

Do sprach si: Je herre, swigent des all stille und gruessent mich ein wenig bas, ich wil varen minen. Je naher ir dem ertrich sinket, je mer ir verbergen! vwer sftsses himelbliken, und je hoher ich stige, je klarer ich nehme. Do namen si die sele /wuschen sich, und vorten si vrölich hin.

 

Do die sele gesaeh der engel lant,

 

Da ei anc vare ist bckaiit,

 

Do wc ir der himcl vf getan,

 

Do stünt si und smaltz ir herze und sach

 

Iren Heben an und sprach:

O herre, wen ich dich sieh.

 

So müsse ich dich loben in wunderlicher wlsheit.

 

War bin ich?

 

Körnen bin ich im in dir verlorn.

 

Joch m;ig ich nie gedenken in das ertrich,

 

Noch an kein min herzeleit.

 

Ich hatte willen, wene ich dich gesehe,

 

Dc ich dir von dem crtrich vil wolti clagen;

 

Nu hat mich, herre, din ansehen erschlügen,

 

Wan du hast mich über mine edclkeit

Alzeuinlc erhaben.

 

Do knüwete si nider und dankete im siner gnaden, und nam ir cremen von irem höbet und saste si vf den roseuarwen naren siner fflssen und gerte des, de si im nahe komen müsste. Do nam er si unter sine gütlichen arme, und leite sin vetterliche hant uf ire brüste und sach si an ir antlüt. Merke, ob si do vt geküsset wart. In dem küsse wart si do vfgeruket in die höhsti höhi vber aller engel köre.

 

Du minste warheit,

 

Die ich da han gesehen, gehöret und bekant,

 

Der gelichet nit du hohste wisheit,

Die in disein ertrich je wart genant.

 

Ich han da ine vngehortü ding gesehen, als mine bihter sagent, wa ich der schrift vngeleret bin. Nu vörhte ich got ob

 

[57] ich swige, und vorhte aber vnbekante lüte ob ich swige. Villiebe lüte, wc mag ich des, de mir dis geschult und dike geschehen ist? In der demütigen einvaltekeit und in der ellendigen armüte, und in der verdrukten schmacheit hat mir got sinü wunder erzöget: Do sach ich die schöpnisse und die ordenunge gotzhuses, de er selber mit sinem munde hat gebuwen. Da in het er de liebeste gesasst, de er mit sinen henden hat gemäht. Du schöpnisse des huses heisset der himel; die köre da ifie heissent de riehe, darumbe sprichet man zesamen himelrich.

 

Dc himelrich hat ende an siner satzunge, aber an sinem wesende wirt niemer ende funden. Der himel gat vmb du köre, und zwischen dem himel und den liplichen kören sint geordenet die weltlichen sünder jemer danahe gelich hohe den kören, de si sich besseren und bekerent. Die köre sint so kleinlich und helig und notlich, de an küscheit und mifie verzihunge aller dingen nieman darin kumet, wan si waren alle helig die da vs vielen, und danach müssent si wesen helig die wider in koment. Alle westbaren und kint von sehs jaren füllen den brach nit höher deile in den sehsten kor. Danach untz in seraphin sönt die megde den brach erfüllen, die sich besodelten mit kintlichem willen, und doch der tat nie geschach, und die reinten sich danach in der bihte. Si mögen sich doch des nit erholn, si haben die luterkeit verlern. Die luter geistliche megde sint, die söllent nach dem Jungosten tage den brach erfüllen oben seraphin, da lucifer und sin nehsten von verstossen sint.

 

Lucifer begieng ze male drie höbetsünde, has, hofart und gitekeit, die sclugen den kor also geswinde in de ewig abgrunde, so man mohte sprechen alleluja. Do erschrak alles das riche und erbibeten alle des himelriches süle. Do vielen der ändern etliche. Dc eilende ist noch ital und lidig, da ist nieman ine und ist als luter in sich selber, und spilet von wuiie got ze eren. Ob dem eilende ist der gottes thron gewelbet mit der gotteskraft in bluiender, lühtender, füriger clarheit und gat hernider untz an den himel gegen von kerubin, de der gotzthron und der himel ein erlich hus sint; und da ist de eilende und die nun köre beuangen iüe.

 

[58] Ob dem gottes thron ist nit me deiie got, got, got, vnmesselicher grosser got. Oben in dem throne siht man den Spiegel der gotheit, de bilde der menscheit, de liht des heligen geistes und bekefiet wie die drie ein got sint, und wie si sich fügen t in ein. Nilit mere mag ich hievon sprechen.

 

Lucifers brach müss erfüllen Johanes Baptista und sin ere besitze in dem süssen eilende ob seraphin, und alle luter geistliche megde mit im, di sint noch behalten gegen dem eilende. An dem throne vnser vrŏwe Sante Marien da sol enhein brach erfüllen, wan si hat mit irem kinde geheilet aller menschen wunden, die in selber der gnade gonden, de si es behalten wolten und konden. Ir sun ist got und si göttinne, es mag ir nieman glich gewiiien. Die apostelen wonent allernaheste got in dem throne und hant de eilende von seraphin ze lone nachdem de si reine sint. Johanes Baptista ist ŏch in dem throne ein fürste. Die engele wonent nit hoher dene in seraphin. Da obe müssent si alle menschen sin. Die heligen martirere und gottes brediere und geistlichen minere koment in die köre, alleine si nit megde sin. Ja si komen erlich in kerubin.

 

Da han ich vngegert der predier Ion gesehen Als es noch sol geschehen, Ir stüle sint wunderlich, Ir Ion ist sunderlich.

 

Die vordersten stüle sint zwoei brinendü liehter, die be—zeichenent die mine und de helige bilde und die getrüwe meinunge (bine). Die lene der stüle ist also sanfte vri und in wuneklicher rúwe also süsse, me dene man sprechen müsse wider den starken gehorsam, dem si hie sint undertan.

 

Ir füsse sint gezieret mit manigerleie Türen .gesteine, also schone, Dc ich mich ‘werlich frŏwete, Wurde mir so erlich ein crone. Dc haben si wider ir arbeit, Die hie an ir fussen ist, geleit.

 

O ir predier, wie regent ir vwer zungen nu so ungerne und neigent vweri oren so nöte vor des sünders mimt!

 

[59] Ich hau vor gotte gesehen, de in dem himelriche sol geschehen das ein atem sol schinen vs von vwerme munde, der sol vfgan vs den kören vor dem— throne und sol loben den himelschen vatter vmb die wisheit, die er an vwer zungen hat geleit, und grüssen den s im vmbe sin ersam geselleschaft, wan er selber ein predier was, und danken dem heligen geiste vmb sine gnade, wan er ein meister ist aller gaben. So sollen! die gottes predier und die heligen martirer und die minenden megde sich vfheben, wan inen die größte ere ist gegeben an sunder—lichem gewete, und an liplichem gesange und an wunderlichen schappeln, die si tragen! got ze eren.

 

Der megde gewete ist wisse lilienvar, Der predier gewete ist furig sunenclar, Der martyrer gewete ist lühtende rosenrof, Wan si mit Jesu litten den blutigen tot. Der megde schappel ist manigerlei var Der martyrer crone ist gros offenbar.

 

Der predier schappel ist alles von blümen, de sint die gotz wort, damit si in die grossen ere sint hie komen. Sust gant diser drier seligen usspilen für die heligen drivaltekeit in einen süssen reien.

 

So flüsset inen engegen vs von gotte

 

Drierleie spilende vlůt,

 

Die erfüllet iren müt,

 

Dc si singent die warheit

 

Mit vröden ane arebeit,

 

Als si got an si hat geleit.

 

Alsust singen die predier: O vserwelter herre, wir han ge—volget diner muten gütin in willeklichem armüte, und haben dinü wizelosen schaf ingetriben, die dine gemieteten hirten Hessen gan usser dem rehten wege.

 

Alsust singen die martyrer: Herre din vnschuldiges blüt hat erfüllet vnsern tot, de wir sint diner marter genos.

 

Die seligen die nu in dem himel sweben! und da so wunek—lichen leben!, die sint alle beuangen mit einem Hellte, und sint durchflossen mit einer mine und sint vereinet mit einem willen, jedoch so haben si der wirdekeit noch nit, die an den erlichen stulen lit. Si rüwent in der gottes kraft und vliessent in die

 

[60] wune und halten! sich in dem gotzzuge als der luft in der sufien, mere nach dem jüngesten tage.

 

8O got sin abentessen wil haben, so sol man stülen den brüten gegen irme brütegome, und so sol liep zu liebe komen, der lip zu der sele, und besitzen dene volle herschaft in der ewigen ere.

 

O du lustliches lamp und woiieklicher jungeling Jesu, des hinielschen vatters kint, als du dich dene vfhebest und alle köre durchverst und winkest den megden wunenklichen, so volgen si dir lobeliche in die allernotlichesten stat, de ich nieman sagen mag. Wie si dene mit dir spilent und dinen minelust in sich verzerent, de ist so himellichü süssekeit und so notliche ver—einikeit, de ich desgliches nit weis. — Die witwen sollen ŏch volgen in herlicher lust, und in siisser anschowunge lassen si sich begnügen in die höhsten, so si das müssent ansehen, wie sich de lamp zu den megden füget. Die ehte söllent sich ŏch mineklich ansehen, also verre, als es in nach ir edelkeit mag geschehen. Wan je me man sich hie sattet mit irdenschen dingen, je me vns da der himelschen wofie můs überbliben.

 

Die köre hant alle sunderliche lühtenisse an irem schine und der himel die sine. Du lühtenisse ist so seltzen erlich, de ich nit můs noch mag geschriben. Den kören und dem himele ist von gotte manig würdekeit gegeben,

 

Do mag ich von jegelichem ein wörtelin sagen.

 

Dc ist nit me dene also vil,

 

Als ein bini honges mag

Vs einem vollen stok an sinem füsse getragen.

 

In dem ersten köre ist die lustlicheit Dc höhste de si haben in allen gaben. In dem ändern köre die sanftmütekeit, In dem dritten köre ist die minlicheit, In dem vierden süssekeit, in dem fünften frolicheit, In dem sechsten edele rüche, In dem sibenderi ist richeit, In dem achtoden wirdekeit, In dem nünden das minebrenen, In dem süssen eilende ist du luter helikeit

 

Das höhste in dem throne ist du gewaltigü ere, und die kreftigü herschaft. Dc höhste vberal das je wart in dem himele,

 

[61] ist die wunderunge. Dc höchste de ist, das si mögent ansehen de nu ist und jemer sol geschehen.

 

Eya das erliehe tüme und du siisse ewekeit, und de kreftig durschauen aller dingen, und die sunderlichü heinilicheit, das zwischen! gotte und einer jeglichen sele ane vnderlas gat! Die lit an so notlicher zartekeit, hette ich aller menschen wisheit und aller engele stifne, ich könde es nit für bringen.

 

Du vngetöften kint vnder fünf jaren wonen in einer siimler—liehen wirdikeit, die inen got vs sinem rieh hat bereit.

 

Si sint nit an irme schopnisse

 

Gewahsen von drissig jaren,

 

Wan si nit cristan mit cristo waren.

 

Si haben keine cronen,

 

Got mag inen nihtes getanen;

 

Er hat in doch sine guti gegeben,

Das si in grosscm gemache leben.

 

Dc höhstc de si habent,

 

Dc ist die vollede der gmidon. Si singent alsust:

 

Wir loben den der vns geschaffen hat,

 

Alleine wir in nie gesahen,

Mohten wir pine liden, so wölten wir es jemer clagen;

 

N u sollen wir uns wol gehaben.

 

Nu mag etliche lüte wundern des, wie ich sündig mensche das mag erliden, de ich sogtan rede schribe. Ich sage vch werlich fürwar: hette es gott vor siben jaren nit mit sunderlicher gäbe an minem herzen vndervangen, ich swige noch und hette es nie getan. Nu wart es mir von gotz gute nie kein schade, de kunt von dem Spiegel miner offenen bosheit, die so rehte gegen miner sele offen stat und von edelkeit der gnaden, die da lit an der rehten gotz gäbe.

 

Doch je hoher die sele ist gefctigen, je me dem lichainen mit Worten und mit gelassc iniure lobes sol geben; man sol ŏch sinen kumber vor dinen ŏgen nit klagen, wan er ist von nature ein zage. Man sol in halten als einen alten pfründener, der nit me ze hove mag gedienen, so git man ime die almüsen alleine dur die gotz liebi. Dis ist warlich nütze, wan: je edeler hunt, je vester halsbant.

 

Nu lieber herre, dise rede wil ich diner muten gut! bevelhen

 

[62] und bitte, vil lieber min, mit süfzendem herze und mit weinenden ŏgen und mit eilender sele, de si niemer kein pharisei müsse gelesen und bitte dich vil lieber herre nie, de dise rede dinü kint müssen also verneinen, als du si, herre, in der rehten warheit hast vsgegeben.


 

II. Wie die sele lobet got an siben dingen und got si von der salbe beite.

 

O susser Jesu, allerschöneste forme unverborgen in ii(e)ten und in liebe ininer eilenden sele, ich lobe dich mit derselben, in miiie, in noten und in liebe mit der gemeinschaft aller creaturen. Des luste mich deiie ob allen dingen. Herre, du bist die suiie aller ŏgen, du bist die lust aller oren, du bist die stime aller worten, du bist die kraft aller vromekeit, du bist die lere aller wisheit, du bist de liep in allem lebende, du bist die ordenunge alles wesendes.

 

Da lobte got die minende sele loblich, des luste in susseklich alsust: Du bist ein liht vor minen ŏgen, du bist ein lire vor minen oren, du bist ein stime miner worten, du bist ein lueinunge miner vromekeit, du bist ein ere rmner wisheit, du bist ein liep in minem lebende, du bist ein lop in minem wesende.

 

Herre, du bist ze allen ziten minesiech na mir,

 

Dc hast du wol bewiset an dir.

 

Du hast mich geschriben an din buch der gotheit,

 

Du hast mich gemalet an diner miner monscheit,

 

Du hast mich gegraben an diner siten

 

An henden und an fussen,

Eya erlöbe mir, vil lieber,

 

Das ich dich salben müsse.

 

Ja wa woltestu die salben nemen herzeliebe?“

 

Herre, ich wolte miner sele herze in zwoi rissen

 

Und wolte dich darin legen,

So mohtest’du mir niemer so liebe salben gegeben,

Als de ich ane vnderlas

 

In diner sele rauste sweben.

 

Herre, woltest du mich mit dir zo huse nemen,

 

So wolte ich jemer din artedine weson.

 

Ja, ich wil; jedoch min trüwe heisset dich beiten,

 

Min mine heisset dich arbeiten,

 

Min geduld heisset dich swigon,

 

[63] Min kumber heisset dich annut liden,

Min Smahheit heisset dich vertragen,

Min gerunge lieisset dich not clagen,

 

Min sig heisset dich an allen tilgenden volle varn,

Min ende heisset dich vieles46 tragen;

 

Des hast du ere, swene ich dinen grossen last entlade.“


 

III. Ein clage das die sele maget ist, und von der mitte yotz.

 

Seele: „O herre, wel ein armü sele de ist und eilende, die hie in ertriche von diner mine maget ist! O wer liilfet mir clagen wie we ir ist, wan si weis es selbe nit des si enbirt, was de ist.“

Mine: Fröwe brut, ir sprechen! in der mine buch liwerem liten zu, de er von vch vliehe. Berihtet mich notliche, frowe, wie ist vch defie geschehen? wan ich wil lieber sterben, möhte es mir geschehen, in der luteren rniüe, defie ich got in der vinsteren wisheit heisse von mir gan. Weile ich mit minem lieben můs notlichen spielen, so darf mich die wisheit kein vnderscheit leren. Swene ich aber arbeite an anderen dingen mit minen fünf siüen, so nim ich vil gerne, de si mir die helige messe bringe. Hör mich liep gespile<