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Dis ist das erste teil dis bůches.
Dis buch sol man gerne enpfan, wafi got sprichet selber die wort.
Dis buch das sende ich nun ze botten allen geistlichen litten, beidv bösen und guten, wand wen die sule vallent, so mag das werk mit gestan, und ez bezeichent alleine mich, und meldet loblich mine heimlichkeit. Alle die dis buch wellen verneinen die söllent es ze nun malen lesen.
Dis buch heisset ein vliessendes lieht der gotheit.
Eia, herre got, wer hat dis buch gemachet. Ich han es gemachet an niiner vnmaht, wan ich mich an miner gäbe ntit enthalten mag. Eya herre, wie sol dis buch heissen, alleine ze dinen eren? Es sol heissen: ein vliessende lieht miner gotheit, in allü die herzen die da lebent ane valscheit.
I. Wie die mine und die kunegine zesamene sprachen.1
Die sele kam zu der mine
Und grfiste si mit tieffen sinnen
Und sprach: Got grusse vch vro mine.
Got lone vch, liebe vro kunegine.
Vrŏ mine ir sint sere vollekomen.
Vro künigine, des bin ich allen dingen oben,
Vro mine, ir hand manig jar gerungen,
Ê ir habint die hohen drivaltekeit darzü betwungen,
Das su sich hat alzemale gegossen
In Marien demütigen magetüm.
[4] Frowe künigine, das ist vwer ere und vrome.
Fro mine, ir hant mir benome
Alles das ich in ertrich je gewan.
Frowe künegin, ir hant einen seligen wehsei getan.
Frowe inine, ir hant mir benomen mine kintheit.
Frowe künegine, dawider han ich vch gegeben himelische vriheit.
Frowe mine, ir hant mir benomen alle mine jugent.
Frowe künigin, dawider han ich vch gegeben manig helige tugent.
Frowe mine, ir hant mir benomen gut fn’mde und mage.
Eia frowe künigin, das ist ein snödü klage.
Frowe mine ir hant mir benomen die weit, weltlich ere und allen weltlichen richtüm.
Fro. künig., das wii ich vch in einer stunde mit dem heiligen geiste nach
allem vweren willen in ertrich gelten.
Frowe mine, ir hant mich also sere betwungen, das min licham ist komen
in sunderlich krankheit.2
Frowe kün., dawider han ich vch gegeben manig hohe bekantheir.
Frowe mine, ir hant verzert min fleisch und min blut.
Frowe kün., damit sint ir gelütert und gezogen in got.
Frowe mine, vr sint ein röberine, deiioch sont ir mir gelten.
Frowe kün., do nement reht mich selben.
Frowe mine, n u hant ir mir vergolten hundert valt in ertriche.
Frowe kün., noch hant ir ze vordernde got und alle sine riche.
II. Von drien personen und von drien gaben.
Der wäre gottes grus, der da kumet von dem himelscheu flüt vs dem brunen der vliessenden drivaltekeit, der hat so grösse kraft, das er dem lichamen beniniet alle sine mäht, und machet die sele ir selben offenbar, das si sihet dich selben den heligen gelich und emphahet deiie an sich gotlichen schin, so scheidet die sele von dem lichamen mit aller ir macht, wisheite, liebin und gerunge; sunder das minste teil irs lebendes belibet mit dem lichame als in eiine süssen schlaffe. So sihet sü einen ganzen got in driü personen und bekenet die drie personen in eime gotte vngeteilet. So grusset er si mit der hove spräche die man in dirre kuchin nit vernimet, und kleidet sü mit den kleidern, die man ze den palaste tragen sol und git sich in ir gewalt. So mag sü bitten und vragen was si wil, des wirt si beriht. Warvmbe si mit beriht wirt, das ist du erste sache von drien. So zühet er si fürbas an ein heimliche stat. Da můs si [5] für nieman bitten noch fragen, wan er wil alleine mit ir spilen ein spil das der lichame mit weis, noch die dörper bi dem phlüge noch die Ritter in dem turnei, noch sin mifieklichl müter Maria, der mag si nüt gepflegen da. So swebent si fürbas an ein wunenriche stat, da ich nüt vil von sprechen mag noch wil. Es ist ze notlich; ich engetar, wan ich bin ein vil sündig monsche. Mer weile der endelose got die grundelose sele bringet in die höhin, so verlüret si das ertrich von dem wunder, und bevindet nüt, das si je in ertrich kam. Wefie das spil allerbest ist, so můs man es lassen. So sprichet der blüiende Got: Junefrö, ir müssent vch neigen, so erschriket si: Herre, nu hast du mir hie so sere verzogen, das <ich dich in minein lichamen mit keinem orden mag geloben, sunder das ich eilende lide und gegen dem lichame strite: So sprichet er: Eya, du liebü tube, din stimme ist ein seitenspil minen oren; dine wort sint wurtzen minem munde, dine gerunge sint die miltekeit miner gäbe. So sprichet sü: Lieber herre, es můs sin als der wirt gebütet. So er—süfzet si mit aller mäht, das der lip erweget wirt. So sprichet der licham: Eya frowe, wa bist du nu gewesen? Du kumest so mineklich wider, schone und creftig, frie und sinenrich. Din wandelen hat mir benomen minen smak, rüwe, farwe und alle min mäht. So sprichet si: Swig, morder, la din klagen sin; ich wil mich iemer hütten vor dir, das min vient verwundet sie, das wirret vns nüt, ich frowe mich sin.
Dis ist ein grüs, der hat manige ädern, der dringet usser dem vliessenden gotte in die armen, dürren seien ze allen ziten mit nüwer bekantnüsse, und an nüwer beschöwunge, und in sunderliche gebruchunge der nüwer gegenwürtekeit. Eya süs—licher got, fürig inwendig, blügende vswendig; nu du dis den minesten hast gegeben, mohte ich noch ervarn das leben, das du dinen meisten hast gegeben, darvmbe wolt ich dest langer qweln. Disen grüs mag noch můs nieman empfan, er si defie vberkomen und ze nihte worden.
In disem grüsse wil ich lebendig sterben;
Das wögen mir die blinden heligen niemer verderben.
Das sint die da minent vnd nit bekennent.
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III. Von den megden der sele und von der mine schlage.3
Alle heilige cristanliche tilgende sint der seien megede. Der seien sfisser verdrutz claget der mine ir not:
Die sele: Eya allerliebeste jungfrowe,
Nu hast du lange min kamerin gewesen;
Nu sage mir, wie sol ich darane— wesen.
Du hast mich gejagt, gevangen, gebunden,
Und so tief gewundt,
Das ich nierner werde gesunt.
Du hast mir manigen kulenschlag geben;
Sage mir, sol ich ze jungest vor dir genesen?
Wirde ich nüt getödet von diner hant?
So were mir bas, das ich dich, nie hotte bekant. Die mine: Das ich dich jagete, das luste mich;
Das ich dich vierig, des gerte ich;
Das ich dich bant, des frŏwete ich mich,
Do ich dich wundete, do wurde du mit mir vereinet,
So ich dir kuline schlcge gibe, so wirde ich din gewaltig.
Ich han den almehtigen got von dem himelrich getriben
Und han ime benomen sin menschlich leben
Und han in mit eren sinein vatter widergegeben.
Wie mögest du, sriöder wurm, vor mir genesen.
Die sele: Sprich, min keiserine, ich vorhte ein kleine heimeliche arzenie,
Die mir got dikke hat gegeben,
Das ich von derselben möge genesen.
Die mine: So man die gevangenen nüt wil haben tot,
So git man inen wasser und brot.
Die artzenie, die dir got dikke hat gegeben,
Das ist anders nüt dene ein vristtinge in dis menschliche leben.
Sweiie aber kirnt din ostertag,
Und din lichame enpfat den totschlag,
So wil ich dich alumbe van
Und wil dich aldurch gän,
Und wil dich dime licham Stelen
Und wil dich dime liebe geben.
Die sele: O mine, disen brief han ich us dinem munde geschriben, nu
gib mir frowe din ingesigel.
Die mine: Swer got je vber sich selben liep gewan, der weis wol, wa
er das ingesigel nemen sol; es lit zwischent uns z wein.
Die sele spricht: Swig liebe, sprich nüt me.
Genigen sie dir aller juncfrowen liebeste
Von allen creaturen und von mir.
[7] Sage minem lieben, das sin bette bereit sie
Und das ich minesiech nach iine bin.
Ist dirre brief ze lang, das ist des schult: Ich war in der
matten, da ich manigerleige blümen want. Dis ist ein süsse jamer clage: Wer von mine stirbet, den sol
man in gölte begraben.
IV. Von der hovereise der sele an der sich got wiset.4
Sweiie die arme sele kumet ze hove, so ist si wise und wolgezogen; so siht si iren got vrölichen an. Eya, wie lieplieh wirt si da enpfangen. So swiget si und gert vnmesseklich sines lobes. So wiset er ir mit grosser gerunge sin götlich herse. Das ist gelich dem roten golde das da brifiet in eime grossen kolefüre. So tut er si in sin glügendes herze alse sich der hohe ftirste und die kleine dirne alsust hehalsent und vereinet sint als wasser und win. So wird si ze nihte und kumet von ir selben, alse si mit mere mögi, so ist er minesiech nach ir, als er je was, wan im gat (weder) zu noch abe. So spricht si: herre, du bist min trost, min gerunge, min vliessender bruiie, min sune, und ich bin din Spiegel. — Dis ist ein hovereise der minenden seien, die ane got mit wesen mag.
V. Von dem qwale und von dem lone der helle.
Min licham ist an langer qwale, min sele.ist an hoher—wuiie, wan si hat beschowet vnde mit armen vmbevangen iren lieben alzernale. Von ime hat si die qwale, die vil arme. So zuchet er si, so vlüset si. Si kan sich mit enthalten, vntz er sü bringet in sich selber. So spreche si gerne und si emnag. So ist si gar verwunden in die wunderlichen drivaltekeit mit hoher einunge. So lat er si ein kleine, das si geron möge. So gert si sines lobes, das kan si nach irem willen mit vinden. Ja si wolte das er si zu der helle senden wolte, vf das er von allen creaturen über vnmasse gelobet werde. So sihet si in an und sprichet im zu: Herre gip mir dinen segen. So sihet er si an und zühet si wider, und git ir einen grůs,
[8] Dem der licham sprechen nit müs.
So spricht der licham zu der sele:
Wa bist du gewesen? Ich mag nit me.
So spricht die sele: Swig, du bist ein tore.
Ich wil mit mime liebe wesen,
Soltest du niemer me genesen.
Ich bin sin fröde, er ist min qwale.
Dis ist ir qwale, niemer müsse si genesen.
Dise qwale müsse dich bestan,
Niemer müsest du ir entgan.
VI. Von den nun koren wie sie singent.
Nu höre, liebü, höre mit geistlichen oren, sust singent die nun köre:
Wir loben dich herre das du uns hast gesuchet mit diner demütikeit: W. l. d. h. d. d. u. h.5 behalten mit diner barmherzekeit.
W. l. d. h. d. d. u. h. gehöret mit diner smahheit.
W. l. d. h. d. d. u. h. gefuret mit diner miltekeit.
W. l. d. h. d. d. u. h. geordent mit diner wisheit.
W. l. d. h. d. d. u. h. beschirmet mit diner gewalt.
W. l. d. h. d. d. u. h. gehelget mit diner edelkeit.
W. l. d. h. d. d. u. h. gewisset mit diner heimlichkeit.
W. l. d. h. d. d. u. h. gehohet mit diner mine.
VII. Von gottes vluch in ahte dingen.
Ich vlüche dir: din lichame müsse sterben,
Din wort müsse verderben
Din ŏgen müssen sich schliessen,
Din herze müsse vliessen,
Din sele müsse stigen,
Din licham müsse bliben.
Dine mönschliche sine müssin vergan,
Din geist müsse vor der heligen drivaltekeit stan.
VIII. Der minste lobet got an zehen dingen.
O du brenender berg, o du vserwelte sune!
O du voller mane, o du grimdeloser brune!
O du unreichhaftü hohl, o du klarheit ane masse!
O wisheit ane grünt!
O barmherzikeit ane hinderunge!
O sterki ane widersatzunge!
O Crone aller eren!
Dich lobet der minste, den du je geschüffe!
[9]
IX. Mit drin dingen tvonestu in der hohin.
Die da brinent in der waren mine und uf einen steten grünt buwent der warheit und fruht bringen mit vollem huffen des seligen endes, die wonent in der höhin.
Glosa: das ist vber seraphin.
X. Der got minet der angesiget drin dingen.
Swelcher mönsch die weit vbersiget
Und sime lichamen allen vnnutzen willen benimet
Und den tüvel überwindet,
Das ist die sele die got minet.
Tut ir die weit einen stoss,
Davon leidet si kleine not.
Tut i r das vleisch einen wank,
Davon wirt der geist nüt krank.
Tut ir der tüvel einen blik,
Das achtet die sele aber niht;
Si minet und si minet
Und si kan anders nit beginen.
XI. Vier sint an dem strite gottes.
O tube ane gallen! O maget ane sere!
O Ritter ane wunden! O kneht vnverzaget!
Das sint die vier die gotte in sinem strite wol behagent.
XII. Die sele lobet got an fünf dingen.6
O keyser aller eren! O Crone aller fursten! O wisheit aller meistern! O geber aller gäbe! O löser aller gevangnisse.
XIII. Wie got kumet in die sele.
Ich kum zu miner lieben Als ein töwe vf den blümen,
XIV. Wie die sele got enpfahet und lobet.
Eja fröliche anschowunge! Eya liepliche grůs! Eja minek—liche vmbehalsunge! Herre din wunder hat mich verwundet, din gnade hat mich verdruket. O du hoher stein, du bist so wol durgraben, in dir mag nieman nisten dene tuben vnd nahtegal.
[10]
XV. Wie got die sele enpfdhet.
Siest wilkomen liebü tube, du hast so sere geflogen in dem ertriche, das dine vedern sint gewahsen in dem himelriche.
XVI. Got gelichet die sele vier dingen.
Du smekest als ein wintrtibel, du ruchest als ein baisam, du lühtest als du sufie, du bist ein zünemunge miner höchsten mine.
XVII. Die sele lobet got an fünf dingen.
O du giessender got an diner gäbe!
O du vliessender got an diner mine!
O du brenender got an diner gerunge!
O du smelzender got an der einunge mit dinem Irebe!
O du ruwender got an minen brüsten, ane die ich mit wesen mag!
XVIII. Got gelichet die seien fünf dingen.
O du schone rose in dem dorne! O du vliegendes bini in dem honge! O du reinü tube an dinem wesende! O du schönü sune an dinem schine! O du voller mane an dinem stände! Ich mag mich nit von dir gekeren.
XIX. Got liebkoset mit der sele an selis dingen.
Du bist min legerkussin, min mipckliches bette, min heirn—ichestü rüwe, min tiefeste gerunge, min höhste ere. Du bist ein lust miner gotheit, ein trost miner mSnscheit, ein bach miner hitze.
XX. Die sele widerlobet got an selis dingen.
Du bist min spiegelberg, ein ŏgenweide, ein verlust min selbes, ein stürm mines hertzen, ein val und ein verzihunge miner g^walt, min höhste Sicherheit.
XXI. Von der bekantnisse und von der gebruchunge.
Mine ane bekantnisse
Dunket die wisen sele ein vinsternisse.
Bekantnisse ane gebruchunge
Dunket si ein helle pin.
Gebruchunge ane mort kan si nit verklagen.
[11]
XXII. Von Sante Marien botschaft und wie ein lugent der ändern volgety und toie die sele ein iubilus der drivaltekeit wart gemachot und wie sante Maria alle heligen gesöget unde noch söget7.
Der süsse töwe der vnbeginlicher drivaltekeit hat sich gesprenget vs dem bruiien der ewigen gotheit in den blümen der vserwelten maget, und des blümen fruht ist ein vntötlich got, und ein tötlich mensche und ein lebende trost des ewigen liebes, und vnser losunge ist brütegöm worden. Die brut ist trunken worden von der angesihte des edeln antlütes. In der grösten sterki kunt si von ir selber, und in der grösten blintheit sihet si allerklarost. In der grösten klarheit ist si beide tot und lebende. Je si lenger tot ist, je si vrölicher lebt. Je si vfö— licher lebt, je si mer ervert. Je si miner wirt, je ir me au fhisset. Je sisich mere vörhtet8 Je si richer wirt je si armer ist. Je si tiefer wonet, je si breiter ist. Je si gebietiger ist, je ir wunden tieffer werdent. Je si mer stürmet, je got miiienk—licher gegen ir ist. Je si hoher s webet, je si schöner lohtet von dem gegenblik der gotheit, je si im naher kunt. Je si mer arbeitet, je si sanfter rüwet. Je si mer begriffet, je si stiller swiget. Je si luter rftffet, je si grosser wunder wirket mit siner kraft nah ir macht. Je sin lust me wahset, je ir brutloft grosser wirt, je das minebet enger wirt. Je die vmbehalsunge naher gat, je das muntkussen süsser smekket. Je si sich mineclicher ansehent, je si sich nöter scheident. Je mer er ir gibet, je mer si verzert, je me si hat. Je si demüteklicher vrlop nimt, je e si wider kunt. Je si heisser blibet, je si e entfunket. Je si mere brennet, je si schöner lühtet. Je gottes lob mer gebreitet wirt, je ir girheit grosser blibet.
Eya war vart vnser loser brütgöm in dem jubilus der heligen drivaltekeit. Do got nit me mohte in sich selben, do mähte er die seien und gab sich ir ze eigen von grosser liebi. Wovon bist du gemachet, sele, das du so hohe stigest über alle creaturen, und mengest dich in die heligen drivaltekeit vnde belibest doch [12] gantz in dir selber?9 Du hast gesprochen von minem anegenge, nu sage ich dir werlich: Ich bin in derselben stat gemachet von der miiie, darvmbe mag mich enkein creature nach miner edelen nature getrosten noch entginen defie allein die miiie. Vrŏwe sant Maria, dis Wunders bist du ein müter. Weile ge—schach dir das? Do vnsers vatter jubilus betrübet wart mit adames valle, also das er müste zürnen. Do enphieng die ewige wisheit der almehtigen gotheit mit mir den zorn. Do erweite mich der vatter ze einer brut, das (er) etwas ze minende hette, wand sin liebü brut was tot, die edel sele. Vnd do kos (erkies) mich der sun zu einer müter, und da enpfieng mich der helig geist ze einer trutiiie. Do was ich alleine brut der heligen drivaltekeit und müter der weisen, und trüg si für gotz ŏgen, also das si nit ze male versunken als doch etliche taten. Do ich also müter was maniges edeln kindes, do wurden mine brüste also vol der reinen vnbewollener milch der waren muten barmherzekeit, das ich sogete die propheten und die wissagen e dene got geborn wart. Darnach in miner kintheit sogete ich Jesum; fürbas in miner jugent sogete ich gotz brut die heligen cristanheit bi dem crütze, das ich also dürre und jemerlich wart, das das swert der vleischlicher pine Jesu sneit geistlich in min sele. Do stünden offen beide, sine wunden und ir brüste. Die wunden gussen, die brüste vlussen also, das lebendig wart die sele und gar gesunt. Do er den blanken roten win gos in iren roten munt, do si alsust vs den offen wunden geborn und lebendig wart, do was si kindesch und vil jung. Solte si do nach irem tode und ir geburt volleklich genesen, so müste gottes müter ir müter und ir ame sin. Gotte, es was und ist wol billich. Got ist ir rehter vatter und si sin rehtú brut, und si ist im an allen iren liden glich Vrŏwe in dinem alter sögetost du die heligen aposteln mit diner müter—lichen lere und mit dinem creftigen gebette, also das Gott sin ere und sinen willen an inen tete. Vrŏwe, also sögetestu da und sögest noch die martyrer in iren herzen mit starkem geloben, [13] die bihter mit heliger beschirmunge an iren oren, die megde mit diner küscheit, die wittewen mit stetekeit, die durehten mit miltekeit, die Sünder mit der bittunge.
Vrŏwe, noch müst du uns sögen, wan dine brüste sind noch also vol, das du nüt mäht verdruken. Woltostu nit sögen me, so tete dir die milch vil we. Wan werlich ich han gesehen dine brüste so vol, das siben stralen gussen, alzemale us von einer brüste vber minen lip und vber min sele. In der stunde be—nimest du mir ein arbeit, die kein Gotzfrünt mag getragen one herzeleit. Alsust solt du noch sögen bis an den jüngsten tag, so inftst du ersihen, wan so sint gotz kint und dinü kint gewenet und volle gewahsen in dem ewigen lip. Eja, darnach sollen wir bekenen und selien in unzellicher lust die milch und ŏch dieselbe brust, die Jesus so dikke hat gekust.
XXIII. Du solt beten, de dich got mine sere dikke unde lange so wirdest du reine, schone und lange.10
Eya herre, mine mich sere und mine mich dike und lange; wände je du mich dikker minest, je ich reiner wirde; je du mich serer minest, je ich schöner wirde; je du mich langer minest, je ich heliger wirde hie in ertrich.
XXIV. Wie got antwurtet der sele.
Das ich dich mine dikke, das han ich von nature, wan ich selbe die mine bin. Das ich dich sere mine, das han ich von miner gerunge,11 wan ich gere das man mich sere miüe.12 Das ich dich lange mine, das ist von miner ewekeit, wan ich ane ende bin.
XXV. Von dem ivege pine ze lidene gerne dur got.
Got leitet sinü kint, die er vserwelt hat wunderliche wege. Das ist ein wunderlich weg und ein edel weg und ein helig weg, den Got selber gieng, das ein mensche pine lide ane sünde [14] und ane schulde. In disein wege frŏwet sich die sele, die nach got jamerig ist, wan si frŏwet sich von nature ze irem herren, der dur sine woltat manige pine, gelitten hat. Und sin lieber herre der himelsche vatter gap sinen liebsten sun, das er gepingot wart von den beiden, und gemarterot von den Juden ane sine schulde. Und ist die zit komen de etlich lüte die geistlich schinent gotz kint pingent am übe und marterent an dem geiste, wan er wil si sinem lieben sune geliehen, der an übe und an sele gepinget wart.
XXVI. In disen weg zuhet die sele îr sine und ist vrî ane herzeleit.
Es ist ein selzen und ein hoher weg, da wandelt du getrüwe sele ine und leitet na ir die sine, als der sehende tut den blinden. In disem weg ist vri die sele und lebt ane herzeleit, wan si wil anders nit defie als ir herre, der allti ding uffen das beste tut.
XXVII. Wie du siest wirdig dis weges und în behaltest und vollekomen siest.
Drü ding machent einen des weges wirdig, das er in er—kene und körne darin. Dc erste, de der mönsche sich selber twinget in gotte ane alle meisterschaft und die gottesgnade heleklich behalte und willekliche trage, in verzihunge aller dingen nach dez menschen willen. Das ander behaltet den menschen in dem wege das im allü ding ze danke sint ane allein die stinde. Das dritte machet den menschen vollekomen in dem wege, de man allü ding glichlich gotte ze eren tu, wan min snödeste notdurft wil ich got also hohe reiten, als ob ich were in der hohesten contemplacie, da ein mensch inkomen mag; warumbe, (den) tun ich es in einer liebin gotte ze eren, so ist es alles ein. Swenne ich aber sünde, so bin ich an disern wege nit.
[15] XXVIII. Die mine sol sin mortliph âne masse âne vnderlass, de ist toren torheit.13
Ich frŏwe mich, de ich minen můs den der mich miiiet und gere des, de ich in mortlieh mine ane masse und ane underlas: Vr6we dich, min sele, wan din leben ist gestorben von mine dur dich, und mine in so ser, de du mögest sterben dur in, so brefiest du jeiner mere vnverlöschen als ein lebend funke in dein grossen füre der lebend majestat.
So wirst du minefüres vol,
Damit dir hie ist so wol.
Du darfst mich nit me leren,
Ich enmag mich nit von der mine keren;
Ich můs ir ge van gen wesen,
Ich mag anders nit geleben. —
Da si wonet, da mag ich beliben
Beide, an tod und an übe.
Das ist der toren torheit,
Die lebent ane herzeleit.
XXIX. Von der schoni des brutegomes und wie wi die brutini volgen sol.
Vide mea sponsa: Sich wie schöne min ŏgen sint, wie reht min munt si, wie fürig min herze ist, wie geringe min hende sint, wie snel min füsse sint und volge mir. Du solt gemartert werden mit mir, verraten in der abegunst, gesüchet in der vare, gevangen in dem hasse, gebunden in höresagen, din ŏgen verbunden de man dir die warheit nit wil bekenen, gehalsschlaget mit dem grime der weite, fvr gerillte gezogen an der bichte, georschlaget mit der büsse, ze herode gesant mit dem spote, entkleidet mit dem eilende, gegeiselt mit dem armüte, gekrönet mit bekorünge, angespiet mit der smahheit, din crüze tragen in dem hasse der sünden, gecrüzegot in verzihunge aller dingen nach dinem willen, genegelt an das crüze mit den heligen tugenden, gewundot mit der mine, sterben an dem crüze in heliger bestandunge, in din herze gestochen mit steter eintrage, von dem crüze gelöset in warem sige aller diner [16] vienden, begraben in der unahtbai’keit, uferstan von dem tode in einem heligen ende, ze himel gevarn in einem zuge gotz atemes.
XXX. Von den siben ziten.
Mettin: minen vol in süsse wol. Prime: minen gere ein süsse swere. Tercie: minen lust ein susse turöt. Sexte: minen vülen ein süsse külen. None: minen tot ein süsse not. Vesper: minen vliessen ein süsses giessen. Complet: minen rüwen ein süsses frŏwen.
XXXI. Du solt nit ahten smahheit.
Ich wart versmehet sere, do sprach vnser herre: la dich nit sere wundern; sit de here drisem vas so sere verworfen und angespiet wart, was sol dene dem essig vas geschehen, da nüt gutes ine von im selber ist?
XXXII. Du solt nit ahten eren, pine, gut betrübdi an der sunden.
So man dir ere bütet, solt du dich schämen; so man dich pineget, so solt du dich vrŏwen; so man dir gut tut, so solt du dich vörhten; so du wider mich tust, so solt du dich betrüben von herzen. Mäht du dich nit betrüben, so sich wie sere und wie lange ich dur dich betrübet was.
XXXIII. Von der pfrunde trost und mine.
Min sele sprach alsust zu irem lieben: Herre din miltekeit ist die prünende mines lichamen wunderliche, dine barmherzig—keit ist der trost miner sele sunderlich. Die mine ist die rúwe mines lebens ewiklich.
XXXIV. Du solt sin in der pine ein lamp, ein turteltube, ein brût.
Du bist min lamp an diner pine.
Du bist min turteltube an diner süfzunge.
Du bist min brut an diner beitunge.
[17] XXXV. Die wostin hat zwölf ding.14
Du solt minen das niht,
Du solt vliehen das iht,
Du solt alleine stan
Und solt zu nieman gan.
Du solt sere unmüssig si’n
Und von allen dingen wesen vrî.
Du solt die gevangenen enbinden
Und die vrien twingen.
Du solt die siechen laben
Und solt doch selbe nit haben.
Du solt das wasser der pine trinken
Und das für der mine mit dem holtz der tilgende entzünden,
So wonest du in der waren wüstenunge.
XXXVI. Von der bosheit gilt in und wundere.
Mit der bosheit diner vienden solt du gezieret werden. Mit den tilgenden dines herzen solt du gelieret werden. Mit dinen guten werken solt du gecrönet werden. Mit vnser zweiger (Zweier) mine solt du gehöhet werden. Mit minen lustlichen wunder solt du geheliget werden.
XXXVII. Die sele antwurtet got, de si wirdig sî der gnaden.
O vil liebe! vnschuldiger smacheit lustet mich,
Herzeklicher tugenden beger ich,
Guter werken han ich leider nit,
Unser zweiger mine die verderbe ich,
Dines schonen wunders bin ich gar vnwirdig.
XXXVIII. Got rümet sich de die sele überwunden hat vier sunde.
Unser herre rumet sich in himelriche
Siner minenden sele, die er hat in ertriche,
Und spricht: Sehent wie si kunt gestiegen,
Die mich verwundet hat.
Sie hat den äffen der weit von sich geworfen,
Si hat den beren der vnküschi vberwunden,
Si hat den löwen der hochmuti nnder ir fasse getreten,
Si hat dem wolf der girheit sinen rans zerrissen
Und kunt gelöffen als ein verjageter hirze
Nach dem brunen der ich bin.
Si kumet geswungen als ein are
Usser der tieffi in die hohin.
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XXXIX. Got v raget die sele was sî bringe.15
Du jagest sere in der mine.
Sage mir, was bringest du mir, min kunigine.
XL. Des antwurt si im de besser ist defie vier ding.
Herre, ich bringe dir mine kleinöter:
Das ist grösser defie die berge, es ist breiter deiie die weit, tieffer defie das mer, hoher defie die wölken, schöner defie die sone, manigvaltiger defie die sterne; es wiget me defie alles ertrich.
XLI. Got vraget mit einem lobe, icie das cleinöter heisse.
Dein16 bilde miner gotheit, gehert mit miner menschheit, gezieret mit minem heligen geiste, wie heissent dinü kleinöter?
XLII. Das cleinöter lieisset des herzen lust.
Herre, es heisset mins herzen lust, den han ich der weite entzogen, mir selben erhalten und allen creaturen versaget; nu mag ich sin mit fürbas getragen. Herre, war sol ich in legen?
XLIII. Dinen lust leg in die drivaltekeit.
Dines herzen lust solt du nienar legen defie in min götlich herze und an min menschlich brüste. Da alleine wirst du getrost und mit minem geiste geküsset.
XLIIII. Von der mine weg an siben dingen, von drm kleiden der brüte und vom tanze.
Got spricht: Eja minendü sele, wilt du wissen wielich din weg si?
Du sele: Ja lieber heliger geist, lere mich es. Also du kumest über die not des rirwen und über die pine der bihte, [19] und über die arbeit der Msse, und über die liebe der weite, und über die bekorunge dez tüvels, und über die überflüssekeit des vleisches und über den verwassenen eigenen willen, der inanig sele zeruggen zühet so sere, de si niemer zu rehter liebin kunt, und so du alle dine meisten viende hast nidergeschlagen, — so bist du also müde, de du den sprichest: Schöner jungeling, mich lustet din; wa sol ich dich vinden? So sprichet der jungeling:
Ich höre ein stime,
Die Ititet ein teil von ininen.
Ich han si gefriet m an igen tag,
Dc mir die stime nie geschach.
Nu bin ich beweget,
Ich můs ir engegen.
Sü ist diejene, die kunber und mine mitenander treit.
Des morgens in dem towe, de ist die besclossen inekeit,
Die erst in die sele gůt.
So sprechent ir kamerere, de sint die fünf sinne:
Die sine: Vrŏwe ir söllent vch kleiden.
Die seele: Liebe, wa sol ich hin?
Sine: Wir han das rnnen wol verneinen, Der fürste wil vch gegen komen In dem töwe und in dem schonen vogelsange. Eja frowe, so sument nit lange.
So zühet si an ein hemede der sanften demütikeit, und also demütig, de si vnder ir nit mag geliden. Darvber ein wisses kleit der luteren küschekeit, und also reine, de si an gedenken, an worten, noch an berürunge mit me mag geliden, de si bevlekken möge. So nimet si vmbe einen mantel des heligen geruchtes, den si vergolten hat mit allen tagenden.
So gat si in den walt der gesellesehaft heiliger lüteu. Da singent die allersüsseste nähtegale der getemperten einunge mit gotte tages und nahtes, und rnanig sftsse stime hört si da von den vögeln der heligen bekantnüsse. Noch kam17 der jungeling mit. Nu sendet si botten vs, wan si wil tanzen, und sant vmb den geloben abrahe, und vmb die gerunge der propheteu und vmb die kusche diemütekeit mser vrŏwen Sante Marien, und [20] vmb alle die helige tugende Jesu ehristi, und vmb alle die frümekeit siner vserwelten. So wirt da eine schone loptantzen. So kunt der jungeling und spricht ir zu: Junkfrowe, alsust fromeklich sont ir nachtantzen, als üch mine vserwelten vorgetantzet hant. So spricht si:
Ich mag nit tanzen, herre, du enleitest mich,
Wut du das ich sere springe,
So müst du selber voran singen.
So springe ich in die mine.
Von der mine in bekantnisse,
Von bekantnisse in gebruchunge,
Von gebruchunge über alle menschliche sine.
Da wil ich bliben und will doch vürbas crisen.
(Wie die brut singet) Unde můs der jungeling singen alsus dur mich in dich und dur dich von mir gerne mit dir, von dir note. — So sprichet der jungeling: Juncfrŏwe, dirre lobetantz ist vch wol ergangen. Ir süllent mit der megde sun vwern willen han, wan ir sint nu inenkliche müde, kument ze mittem tage zu dem brunen schatten in das bette der mine, da sont ir üch mit im erkulen. So spricht die jungfrŏwe:
O herre, das ist vbergros, Dc du ist diner mine genos, Du nit mine an ir selber hat, Si werde e von dir beweget.
So spricht die sele zu den siiien, die ire kammerere sint: Nu bin ich ein wile tanzens müde. Wichent mir, ich můs gan, do ich mich erküle. So sprechent die sine zu der sele: Vrŏwe, wellent ir vch külen in den mine trehneri Sante Maria Magdalene, da mag vch wol benügen. Die sele:
Swigent, ir herren; ir wissent nit alle was ich meine.
Lant mich ungehindert sin;
Ich wil ein wenig trinken den vngemengeten win.
Sine: Vrŏwe, in der megde küschikeit
Ist die grosse mine bereit.
Seele: Das mag wol sin, das enist das hohste nit an mir.
Sine: In der marterer blute mögent ir vch sere külen.
Seele: Ich bin gemartert so manigen tag,
Dc ich dar nu nit komen mag.
[21] Sine: In dem rate der bihteren wonent reine lüte gerne.
Seele: Mit rate wil ich jemer stan, Beide tun und lan, Doch mag ich nu dar nüt gan.
Sine: In der aposteln wisheit
Vindent ir grosse Sicherheit.
Seele: Ich han die wisheit bi mir hie,
Damit wil ich je zem besten kiesen»
Sine: Vrŏwe, die engel sint klar Und schöne minevar; Went ir üch külen, so hebent vch dar.
Seele: Der engelen wune tut mir minen we,
Swene ich iren herren und minen brütgöme nit anseh.
Sine: So külent vch in dem heligen herten leben, Dc got johani baptisten hat gegeben.
Seele: Zu der pine bin ich bereit,
Jedoch gat der mine kraft vber alle arbeit.
Sine: Frowe, went ir vch minekliche külen, So neigen t vch in der jungfrŏwen schos Ze dem kleinen kint., und sehent und smekent, Wie der engel frode von der ewigen maget Die unnatürlichen milch sog.
Seele: Dc ist ein kintlich liebi,
Das man kint söge und wiege; Ich bin ein voilewachsen brüt, Ich wil gan nach minem trüt.
Sine: O Frowe, körnest du dar,
So müssen wir erblinden gar,
Wan du gotheit ist so fürig heis,
Als du selb wol weist,
Das alles für und alle die glüt
Das den hiniel und alle heligen lühten tut,
Und brenften, das ist alles geflossen
Usser sinem götlichem ateme,
Und von sinem menschlichen munde
Von dem rate des heligen geistes;
Wie macht da beliben ioch eine stunde?
Seele: Der visch mag in dem wasser nit ertrinken, Der vogel in dem lüfte nit versinken. Das gold mag in dem füre nit verderben, Wan es enpfät da sin klarheit und sin lühtende varwe. Got hat allen creature das gegeben, Das si ir nature pflegen;
[22] Wie möhte ich den miner nature widerstan?
Ich muste von allen dingen in got gan,
Der min vatter ist von nature,
Min brůder von siner mönscheit,
Min brütegöm von mine
Und ich sin ane anegenge.
Went ir, das ich nit enpfinde ire wol?
Er kan beide, kreftiglichen brenen und trostlichen kulen.
Nu betrubent vch nit ze sere.
Ir söllent mich noch leren.
Swene ich widerkere,
So bedarf ich vwer lere wol,
Wan das ertrich ist maniger strikke vol.
So gat die allerliebeste zu dam allerschönesten in die ver—holnen kamern der vnschuldigen gotheit: da vindet si der mifie bette und mine gelas, und gotte und menschliche bereit. So spricht unser herre: Stant, vrovve sele. — Was gebütest du herre? — Ir sont vs sin. — Herre, wie sol mir defie geschehen? — Frow sele, ir sint so sere genaturt in mich, de zwischen! vch und mir nihtes nit mag sin. Es enwart nie engel so her, dem das ein stunde wurde gelitten, das vch eweklich ist gegeben. Darumbe sont ir von vch legen beide, vorhte und schäme und alle iiswendig tugent. Wer alTeinc die ir binen vch tragent von nature, den sont ir eweklich enpfiuden wellen. Das ist vwer edele begerunge und vwer grundelose girheit, die wil ich eweklich erfüllen mit miner endelosen rniltekeit.
Herre, nu bin ich ein nakent sele,
Und du in dir selben «in wolgezieret got
Unser zweiger gemeinschaft
Ist das ewige liep ane tot
So geschihet da ein selig stille
Nach ir beider wille.
Er gibet sich ir und si git sich ime.
Was ir nu geschehe de weis si
Und des getroste ich mich.
Nu rtis mag nit lange stan.
Wo zwoi geliebe verholen zesamen kqment,
Sie müssent dikke vngescheiden von einander gan.
Lieber Gottesfrund, disen mine weg han ich dir geschriben;
Got müsse in «n clin herze geben. Amen.
[23] XLV. Von ahte tagen in denen vollebraht der propheten gerunge.
Dis ist ein tag der gerunge und der seligen fröden in der kündunge cristi.
Dis ist ein tag der rúwe und der liplichen zartekeit in der geburte cristi.
Dis ist ein tag der trüwe und de seligen einunge, der hohe Donrstag.
Dis ist ein tag der miltekeit und herzeclicher liebi, der stille vritag.
Dis ist ein tag der gewalt und frölicher vröde, die vrstandunge.
Dis ist ein tag des geloben und des elenden jamers, der vffart tag.
Dis ist ein tag der warheit und des brenenden trostes, der pfingestag.
Dis ist ein tag der rehtekeit und der waren stunde, de jungest gerihte.
Dis ist ein wuche, der sollen wir siben tag began Stetegunge.
Einen wil vnser herre began an dem jüngsten tage mit uns allen.
XLVI. Von der manigvaltigen Zierde der brüte, und wie si kunt zu dem brütegöme und wielich ir qesinde ist, de ist nunvalt.
Die brut ist gekleidet mit der suiien und hat den manen vnder die fusse getreten, und si ist gekrönet mit der einunge. Si hat ein cappellan, de ist die vorhte, der hat eine guldine rüte in der hant, de ist die wisheit. Der capellan ist gekleidet mit des lambes blüt, und ist mit der ere gekrönet. Und die wisheit ist gekleidet mit der wolsamikeit und ist gekrönet mit der ewekeit. Die brut hat vier jungfrŏwen. Die miiie leitet die brut. Die inine ist gekleidet mit der küschekeit und ist gekrönet mit der wirdekeit. Die ander ist demutikeit, die haltet die brut, die ist gekleidet mit der vnahtbarkeit und ist gekrönet mit der höhi. Die dritte juncfrŏwe das ist rüwe, die ist gekleidet mit den wintrübelin und ist gecrönet mit der vröde. Die vierde juncfrŏwe ist erbarmherzekeit, die ist gekleidet mit der salbe und ist gecrönet mit der wune. Du zwei tragent der brut den mantel uf, das ist das helige geruhte. Si hat einen bischof, das ist der gelobe, der bringet die brut vor den brütegöme. Der bischof ist gekleidet mit türem gesteine und ist gecrönet mit dem heligen geiste. Der bischof hat zwene ritter, der eine ist die starchekeit, die ist gekleidet mit dem strite und ist gekrönet mit dem sige. Der ander künheit, der ist gekleidet mit gefiedikeit und gekrönet mit aller selikeit. Si hat einen kamerer das ist die hüte, [24] der ist gekleidet mit stetekeit und ist gekrönet mit bestandunge: er treit das lieht vor der brüte und treit ir das tepet nach. Das lieht ist vernünftekeit, die ist gekleidet mit der bescheidenheit und ist gekrönet mit miltekeit. Das tepet ist die helige conscientie,18 die ist gekleidet mit gutem willen und ist gekrönet mit gotz behagunge. Si hat einen schenken, das ist die be—gerunge, die ist gekleidet mit girikeit und ist gekrönet mit vride. Si hat ein spilman, das ist die minesamkeit. Sin harpfe das ist inikeit; der ist gekleidet mit dem gunste und ist gekrönet mit der helfe. Du brut hat fünf küngrich. Das erste sind die ŏgen, die sint gebuwen mit den trehnen und gezieret mit getwange. Das ander ist die gedenke, die sint gebuwen mit dem strite und gezieret mit dem rate. Das dritte ist de sprechen, das ist gebuwen mit der not und ist gezieret mit der trüwe. Das vierde ist das hören, das ist gebuwen mit dem gotzworte und ist gezieret mit dein tröste. Das fünfte ist die berürde, die ist gebuwet mit der gewalt und ist gezieret mit der reinen gewonheit.
Dise fünf küngriche haut einen voget, de ist die schuld, die ist gekleidet mit der bihte und gekrönet mit der Misse. So hat er einen rihter, der ist gekleidet mit der discipline und gekrönet mit der gedult. Du brut hot einen sömer, das ist der lichame, der ist gezömet mit der unwirdekeit, und smacheit ist sin füter, und sin stal ist bihte. Der sömeschrin den er treit ist die imschulde. Die brut hat einen pellelbovivir, das ist die hoft’en, die ist gekleidet in die warheit und gekrönet mit dein sänge. Si hat einen palinen in der hant, das ist die sege vber die Sünde, und ein bühsen in der ändern hant, die ist vol gerunge und miiie, die wil si iren lieben bringen^ Si het einen pfawenhüt, das ist das gute geruhte in dem ertrich und hohe ere in dem himelrich. So gat si einen weg, das ist die senftmütekeit, die ist gekleidet mit dem vliessenden honge und gekrönet mit Sicherheit. So singet si dene: Vserweltes liep, ich geren din. Du nimest und gibest mir vil mange [25] herzensweri. Joch han ich von dir vnsifipliche not. Swene du herre gebütest, so wird ich von mir erlost. So sprichet er:
Minekliche liebe, gedenke an die stunde, Da du begriffest den vollen fuut, Und la dich nit belangen, Joch han ich ze aller stnnt Mit armen (dich) vmbevangen.
So spricht vnsef herre zu siner vserwelten brut: Veni, dilecta mea, veni coronaberis. So git er ir eine crone der warheit, die nieman tragen můs dene geistliche lüte. In der kröne siht man vier tagende: Wisheit und kumer, gerunge und behaltnisse. Got gebe vns allen die kröne! Amen.
1 Greith deutsche Mystik S. 222.
2 Handschrift krakheit.
3 Greith S. 225.
4 Greith S. 229.
5 „Wir loben dich herre das du uns hast“ wird hier neunmal wiederholt.
6 Greith S. 228.
7 Greith S. 230.
8 Hier scheint etwas zu fehlen.
9 Maria oder die Seele spricht.
10 Greith S. 33.
11 Am Rande: Deus caritas est.
12 Hier scheint eine Lücke zu sein.
13 Greith S. 233.
14 Greith S. 235.
15 Greith S. 235.
16 Handschrift: O ein.
17 Handschrift: kan.
18 sain wiszikeit.