Private Homepage
[282] Zusatz über die sieben tagzeiten,
(Ton gleicher Hand und gleichzeitig.)
Man sol pruven ze mettinzit, eb die craft der gotheit an die sele komen si, und habe den menschen vfgezogen von der kargheit dines libes und der blintheit dines herzen. Da hörent zwene gezüge zu, ein binunge des libes mit einem suchenden vlisse, stetekeit des geistes in gölte.
Man sol pruven ze primezit, eb die wisheit der gotheit an die sele komen si, de man bekeiien köiie vollekomenheit und vnvollekomenheit. Da hörent zu zwene....1
Man sol pruven ze mittem morgenzit, eb de für der gotheit an die sele komen si und habe abgebrant alle vleken der sünde. Dazu hörent zwene gezüge, ein herzeklich blangen nach vnserm herren und ifrige trehene nach götlicher liebi.
Man sol pruven ze mittemtagezit, eb die miltekeit der gotheit an die sele komen si, und habe begeben alle weltliche vründe. Dazu hörent zwene gezüge, ellendekeit vs allen creaturen, stetekeit des geistes in gotte.
Man sol pruven ze nonezit, wc got an das crüze brahte, menschlich barmherzekeit und götliche trüwe. Da hörent zwen gezüge zu, de man vnsern herren bekeiie und de man in mine. Swie vil tugenden wir betten, wir sollen allewegen einen hunger und einen turst haben nach vnserm herren.
Man sol pruven ze vesperzit, eb der vride gotz in die sele komen si, eb der mensche vriden habe mit gotte und mit allen menschen und mit im selber und mit allen creaturen. Dazu hörent zwen gezüge, swigen und de einöde.
[283] Man sol pruven ze completezit, eb de götliche wunder an die sele komen si, das gotte zusprach an dem crüze. Dazu hörent vier gezüge: Dc man got vlisseklich suche und de man in behalte in herzeklicher mine und de man sin gebruche. Der getrüwe kneht vnsers herren, der sol niemer sin einen tag, er si eintweder an fbunge guter werken oder an vlisse der lere, das er sine sine lere, wie si got von herzen minen sollen oder an bevindunge der sftssekeit oder an gebruchunge der vröden. Ein reht geistlich mensche, de ist allewege me besorget vmbe glüke dirre weite, de es ime iht ze sere züge, dene er besorget si vmbe sine notdurft. Das sint, die gotte wol behägent, werliche es gange in wol alder übel.
Bruchstük über mystisches leben von einem unbekanten,
Das edelste und de nüzeste, das alle meister und alle gotzvrtinde gesprochen mügent von gotte, de sint die artikel cristans geloben. Mer nu ist ein verborgen abgrunt in der sele, das rüffet ane vnderlas mit einer wilden, abgrüntlicher vnbegriffenlicher stime (vs) deme götlichen abgrunde, so de der vernunfte als in einem ŏgenblike endeket wirt. So wirt si gereisset in ein vberwunderlich gros jagen danach und kan ir doch nit werden in der zit. Mer de hohste, de nutzeste und das edelste de ir hie werden mag, de ist, de si allü wort, alle gedenke, alle begirde, alle mine, die sele alzemale, nach ir ziehe und versenke und ertrenke in dem götlichen abgrunde und de die Vernunft harus bringe wie gros de si. Dc ist doch nüwan (nur) du almüsen schussele und die brosemen, die von der herren tisch vallent. Und wie hoch und vberswenkig de der vernunfte si und schine, als es ir von mine ze eigen gegeben si, so mag si es doch niemer bas behalten vn sichorlicher, dene de si es wider von minen verliere in dem götlichen grundelosen abgrunde, da alleine allü ding eweklich ine behalten sint.
[284] Aber die tegeliche spise, die den ineren und den vsseren menschen von not bliben můs hie vs, de ist ein vernünftig warnemen der ordenunge gotz gegen got, gegen im selben, gegen sinem ebenmenschen, der gnüg sin, in welicher wise sie de erbütet, es sf in tribende zu dem sacramente, oder vf ein ifier abgescheiden rüwe, oder zu einem inern vernünftigen reissen, bekenen gStliche warheit, oder ze gebet, oder ze Offenbarungen, oder ze geistlicher gesiht, oder ze götlicher süssekeit, oder ze vsseren miiiewerken, oder ze einem vernünftigen, mifienden, reissenden, claffenden der vründe gotz vndereinander, von der edelsten götlichen warheit. Und alles, de hie nüwes geborn und gewunen wirt, de sol also geteilet werden, de de edelste verlorn und wider geoppfert werde in das vorgenant abgründe, und mit dem ändern gespiset werde die vorgenant ordenunge in einem einzigen zünemende götlicher wisheit in Christo Jesu. Dis ist alleine dem rehte willigü armftt und das allervollekornenest leben, danach alle wäre gotzvründe jagent, und wc in andere wis geboren wirt, de verblibet und vervallet in manigvaltig vngeordent pinlich wise, der got niemer gantwurtet, oder vallent in vngeordent vernünftige vriheit des geistes und de ist der schedelichest val oder keret sich aber wider zu der weite.2
1 Die Zeugen sind nicht genannt.
2 In der Handschrift folgen drei leere Seiten, womit der vierzehende Sextern endet.